Verborgene Liebe

faceless_loveVerborgene Liebe

von Bo_Emp

Read the English original: Faceless Love

Notiz des Autors:
Der Beginn dieser Geschichte ist eine Kurzepisode, die aus einem Schreibspiel in der früheren Yahoo-Gruppe “Facelessfetishes” entstand (veröffentlicht dort im März 2006). Dieser Text ist in einer anderen Farbe geschrieben.

1.

“Willkommen in Arabien,” ertönt eine Frauenstimme über die Lautsprecher des Flugzeuges. ‘Endlich’, denkt sich Jake, ein Tourist aus Canada, ‘bin ich hier’.

Ihm ist sein Leben in Canada fade geworden und so ist er nun auf dem Weg in einen längeren Urlaub, um sich in Arabien umzuschauen. Hier hofft er auch, die Liebe seines Lebens zu finden, seit seine Hoffnungen darauf daheim so hart enttäuscht wurden.

Jake nimmt am Flughafen ein Taxi und läßt sich zu seinem Hotel bringen. Er ist fasziniert von dem Anblick, der ihm sich bietet. Die Straßen in der Stadt sind voll von Frauen in dichten Schleiern – ‘das ist der Himmel auf Erden’ sagt er sich.

An der Hotelrezeption steigert sich seine Begeisterung noch mehr.

“Wie kann ich Ihnen helfen?” fragt ihn ein Gesicht in schwarzer Seide.

‘Hoffentlich ist das die Hotel-Uniform’, denkt er sich.

“Mein Name ist Jake, ich komme aus Canada. Wir haben schon miteinander gesprochen, glaube ich, Ihre Stimme kenne ich vom Telefon. Ist mein Zimmer bereit?”

“Sicher, Mister Jake,” antwortet ihm die Rezeptionsdame aus ihrem dunklen Seidenschleier, “es ist Nummer 23 auf der zweiten Etage.”

“Okay, ooh, besten Dank!” Jake stammelt ein bißchen und wendet sich zum Fahrstuhl. Seine Erregung überwältigt ihn irgendwie. So hat er sich zu Hause noch nie gefühlt. Er versucht, sein ungewolltes Erröten und Grinsen zu verbergen und beeilt sich in sein Zimmer zu kommen, bevor etwas noch Aufregenderes passiert.
Die Fahrstuhltüre öffnet sich und ein Schwall von Schleiern ergießt sich über ihm. Zu spät, alles was Jake noch tun kann, ist sich in die Ecke zu drücken und zu hoffen, daß niemand von seiner Hose und seinem knallroten Gesicht Notiz nimmt. Doch da schiebt sich noch ein schwarzer Samthandschuh zwischen die sich schließenden Fahrstuhltüren. Dessen Trägerin verneigt sich, als sie den Fahrstuhl betritt, sagt aber nichts; man hört von ihr nur ihren tiefen Atem, der gegenüber dem von Jake kaum wahrzunehmen ist. Auffällig an ihr ist ihr purpurroter Mantel und ihr kunterbunter Gesichtsschleier. Jake muß irgendwie in sein Zimmer kommen, ohne daß sie etwas mitbekommt von seinem – hmm – Problem. Aber er kommt nicht weit. Bevor der Fahrstuhl den zweiten Stock erreicht, dringt ein gedämpftes Lachen aus dem bunten Stoff. Das Lachen klingt seltsam und läßt Jake nur wünschen, daß sich Männer auch verschleiern dürften … und dann berührt sie ihn an der Schulter.
Ihr Handschuh hält Jakes Kopf und ihr Schleier streichelt sein Gesicht. Dann drückt sich ihr Mund durch den Stoff gegen seinen mit einem Kuss, der kein Kuss ist – es ist Ekstase. Als sich die Fahrstuhltüren öffenen, tritt sie auf die andere Seite, gerade so als hätte sie ihn nie auch nur angeschaut. Sie verlassen beide den Lift. Jake blickt um sich und sucht nach der Richtung zu seinem Zimmer, aber seine Fahrstuhlliebe führt ihn den Korridor entlang zum Zimmer Nummer 23. Sie folgt ihm hinein und schließt die Tür hinter sich.

Bevor er in seiner Verwunderung etwas sagen kann, legt sich ein Samtfinger auf seinem Mund und öffnet ein Handschuh den Gürtel. Während seine Hose davongleitet, findet er sein Kopf zwischen zwei Samthandschuhen und sein Gesicht von einem Seidentuch gestreichelt. Sie drückt ihn auf das Bett und läßt sein steinhartes Glied in eine feuchte Grotte gleiten. Es ist ein Wunder, daß er nicht schon in der Hose kam, aber jetzt scheint es seinen Platz gefunden zu haben und erleichtert sich.

Nach einer Minute sagt die rote seidene Liebesmaschine mit ihrer gedämpften Stimme

“Ich bin die Erfüllung Deiner Träume. Aber um die Spannung in unserer Beziehung zu halten, werde ich nur zwei Minuten sprechen – jedesmal, wenn wir Sex hatten. Und ich werde mein Gesicht nur einmal in der Woche für eine Minute zeigen, bevor wir vereint sind – aber erst nach der Hochzeit. Wenn ich zu Dir komme, bekleidet wie jetzt in farbigen Schleiern, kannst mit mir alles machen, solange Du nicht gewaltsam wirst. Schwarz verschleierte Frauen werden Dich bedienen. Meistens sind das Angestellte, aber vielleicht auch ich. Beobachte sie und antworte nur, wenn Du gefragt wirst. Natürlich kannst Du Essen, Getränke und andere Gegenstände bestellen. Ich denke, die Zei…”

Ein Summer ertönt unter ihrem Mantel. Der Traum entfleucht in das Badezimmer. Jake kneift sich in den Arm. Er ist wach. Stimmen oder Akzente sind nicht seine Stärke, aber das hier könnte jemand aus der Heimat sein. Er ist zu aufgeregt und schockiert um nachzudenken. Nach ein paar Minuten kommt der rote Mantel zurück. Sie bedeutet ihm, ins Bad zu gehen und setzt sich hin, den Kopf gesenkt und zur Wand gewandt. Als Jake nach einem ausgiebigen Bad zurückkommt, scheint es, als wäre sie sich die ganze Zeit regungslos gewesen. Es klopft an die Tür, Jake öffnet sie.

“Ihr Koffer, Mr. Jake, und das kleine Mahl, welches Sie bestellt haben,” sagt eine schwarz verschleierte Frau mit einer jungen Stimme.

Jake ist überrascht und sieht nach seinem roten Mantel, aber sie sieht immer noch so aus, als hätte sie sich nicht bewegt, seitdem sie aus dem Bad kam.

“Kommen Sie bitte herein,” sagt er und tritt von der Tür zurück.

Zuerst wird sein Koffer auf einem kleinen Regal neben dem Schrank abgelegt. Dann wird ein Tisch auf Rollen hereingeschoben. Darauf sind zwei Teller mit Servierdeckeln, zwei Gläser und eine offene Flasche Champagner. Das schwarz verhüllte Zimmermädchen füllt beide Gläser, nimmt zwei Stühle von der Wand und stellt sie an die Seiten des Tisches.

“Bitte kosten Sie den Wein, während ich Ihren Schrank einräume. Dann können Sie in einer Minute ungestört essen,” sagt sie.

Noch bevor sich Jake setzen kann, haben ihre flinken Hände, an denen sie schwarze Handschuhe trägt, den Koffer und den Schrank geöffnet sowie die Sachen in dem Schrank in einer Art platziert, wie es das daheim noch nie gab. Der schwarze Wirbelwind schließt den Deckel seines Koffers und die Tür hinter sich.

Sein purpurroter Traum erhebt sich, das untere Ende ihres Gesichtsschleiers hängt jetzt frei aus ihrem Mantel heraus. Sie nimmt die Abdeckungen von den Tellern und setzt sich. Es sieht verlockend aus, aber bevor er zugreifen kann, streckt sich ihm ein Samthandschuh mit einem Glas entgegen. Er stößt mit ihr an und sie trinken, sie, indem sie ihren Schleier mit der anderen Hand etwas anhebt. Ihr Kinn bekommt er dabei nicht zu sehen. Nach dem Essen steht sie auf, dreht sich herum und als sie ihm ihren Kopf zuwendet, ist ihr Schleier erneut das nahezu konturlose Tuch, eingerahmt von der Kapuze ihres Mantels. Sie füllt sein Glas und geht zu Tür. Wie sie sich umdreht und zu ihm verbeugt, fragt er instinktiv

“Wann werden wir uns wiedersehen?” Sie neigt ihren Kopf und geht. Nachdem er die Flasche geleert hat, legt sich Jake auf’s Bett und beginnt von gesichtslosen Mänteln zu träumen, die graziös um ihn herum schweben, bis ihn ein Klopfen an der Tür aus seinem Traum reißt. Während er sich erhebt, blickt er zur Uhr. Es ist eine halbe Stunde nach Sieben. Eine schwarze Figur an der Tür sagt

“Ihr Abendmahl, Mr. Jake.”

Ein neuer Tisch wird herein gerollt und der andere verschwindet zusammen mit der verschleierten Bedienung. Jake blickt zu dem Tisch. Diesmal ist es nur eine Portion. Er schaltet den Fernseher an, während er ißt. Nach ein bißchen Zappen findet er einen amerikanischen Rockstar, den er mag. Es ist ein Konzert von irgendwo hier in der Gegend, denn die Kamera zeigt mit ihrem Schwenk ins Publikum entweder lange weiße Roben mit karierten Kopfbedeckungen oder schwarze, gesichtslose Figuren. Alle schwingen und klatschen zur Musik auf ihren Stühlen und einige, auch die schwarzen, tanzen in den Reihen. Stimmungsvolle Musik und tanzende schwarze Mäntel sind eine gute Unterhaltung.

Als das Konzert vorbei ist, zappt er weiter. Er findet eine arabische Version einer Millionärs-Show. Und ja, einige gesichtslose Schwarze konkurrieren mit ein paar weißen Roben mit karierten Kopftüchern um den Platz im Sessel. Eine verschleierte Frau gewinnt. Jake genießt die Show, auch wenn er kein Wort versteht. Er hofft inständig, sie werde die Million mitnehmen, leider ist aber die Sendezeit schon nach einer Viertelmillion vorbei.

Er schaltet den Fernseher aus und überlegt, ob er zum Abend noch irgendwohin ausgehen könnte. Es ist kurz vor elf und er könnte sich genausogut auch schlafen legen. Aber dann klopft es wieder an die Tür. Draußen sind vier Frauen, drei davon in konturlosen schwarzen Kleidern. Ihre Arme sind nicht zu sehen, die Kleider verbergen auch ihre Gesichter. Eine gedämpfte Stimme sagt

“Ihr Abendprogramm, Mr. Jake.”

Die Frau, deren Arme zu sehen sind, setzt ihn auf das Bett und legt ihm sein Kissen bequem in den Rücken. Dann schiebt sie die Stühle zur Wand und legt eine CD in den Spieler. Orientalische Musik wird nach und nach lauter, während sie mit dem Rolltisch und dem Abendgeschirr das Zimmer verläßt. Die schwarzen Kleider fangen an, sich zur Musik zu drehen. Als sie ihre Arme bewegen, heben sich die Kleider an und Jake sieht Unterschiede zwischen ihren Seiten sowie Rücken und Brust. Sie drehen sich und wenn die Arme gesenkt haben, sind sie quasi schwarze konturlose Zylinder, Seiten, Brust und Rücken gibt es nicht. Jake ist begeistert. Drei gesichtslose Lieblichkeiten tanzen ganz allein nur für ihn. Rhytmus und Lautstärke werden kräftiger und die Bewegungen der schwarzen Kleider wechseln zur Musik. Nach vielleicht zehn Minuten erreicht das Stück den Höhepunkt, die drei Tänzerinnen entledigen sich ihrer Kleider auf den Schlußakkord. Jetzt erscheinen sie wie Harem-Damen in dünnen Chiffon-Kleidern mit Pailletten, aber der ganze Stoff ist schwarz. Und sie sind auch unter dem leicht transparenten Chiffon schwarz gekleidet – nicht ein einziges Stückchen ihrer Haut ist zu sehen. Die Füße sind bedeckt, sie tragen Handschuhe und ihre Köpfe sind wie schwarze Bälle hinter einem Chiffon-Schleier. Die Musik wird langsam wieder stärker. Jetzt wird ihr Tanz noch erotischer, als sie schwingende Hüften und verführerische Armbewingung zeigen. Jake ist sich nicht sicher, ob sein schwellendes Glied bis zum Ende durchhalten wird. Und was wird er machen, wenn der Tanz endet? Aber jetzt freut er sich, daß er seine Erregung zeigen kann und die Lieblichkeiten sehen, daß ihr Tanz seine Wirkung nicht verfehlt.

Sie sind direkt an seinem Bett. Eine tanzt an jeder Seite und eine am Bettende. Beim nächsten Höhepunkt lehnen sie sich alle drei über ihn und beim Schlußakkord verneigen sich die zwei an den Seiten und bedecken sein Gesicht mit ihrem weichen Chiffon-Schleiern, während die dritte zwischen seine Beine springt und ihren Kopf auf seinen Schoß legt. Die zwei Frauen an den Seiten treten zurück, während ein sehr langsames Lied beginnt. Die Frau in der Mitte liegt auf ihm und hat seine Hose nach unten gezogen. In den nächsten Minuten läßt sie ihn in sich und Jake hat das zweite mal Sex an diesem Tag.

Als die Frau vom seinem Bett geht, sind die Nachttischlampen die einzigen Lichter im Raum. Die Musik ist aus und die Tänzerinnen verlassen leise den Raum.

‘Ẃar das meine rote Liebe in dem anderen Kostüm?’ fragt sich Jake noch, bevor ihn so, wie er in seinen Sachen daliegt, der Schlaf überkommt.

2.

Das Telefon auf dem Nachttisch klingelt.

“Das ist Ihr Weckdienst, Mr. Jake”, sagt eine Frauenstimme. “Es ist eine halbe Stunde nach acht. In dreißig Minuten bringen wir Ihnen Ihr Frühstück.”

Während er hierher flog, hatte Jake befürchtet, daß es mit der Zeit langweilig werden könnte, weil das Land wenig touristische Attraktionen und kaum ein Nachtleben zu bieten hat. Aber nun ist er schon neugierig auf die Arrangements, die, so ist er sicher, für ihn bereits geplant sein werden. Das Frühstück wird natürlich von einer schwarz verschleierten Frau gebracht, die kein Wort sagt. Seine rote Liebe?

Neben dem Teller liegt eine Karte in arabischer Sprache. Nachdem er sein Frühstück beendet hat, geht Jake zur Rezeption und zeigt der Dame die Karte.

“Eines der besten Geschäfte hier, Mr. Jake”, kommt es mit lieblicher Stimme aus dem schwarzen Schleier. “Nicht weit von hier im Souq. Möchten Sie, daß Sie jemand von uns dorthin begleitet?”

“Ja, sehr gern, besten Dank.” antwortet Jake.

Die Empfangsdame klingelt und eine vollkommen schwarz verhüllte Schönheit kommt mit eleganten Schritten zu ihnen. Die Rezeptionistin zeigt ihr die Karte bevor sie sie an Jake zurückgibt

“Bringen Sie Mr. Jake zu Al Ruban’s.”

Dann wendet sie sich an Jake “Mr. Jake, bitte gehen Sie nicht neben Ihrer Begleitung, das ist hier nicht üblich. Bleiben sie ein paar Schritte zurück und achten Sie auf ihre Schuhe.”

Wie die verhüllte Frau zum Ausgang geht, zieht sie ihren Mantel etwas nach oben und entblößt ihre roten Stilettos. Jake folgt etwa fünf Meter hinter ihr mit einem entzückten Blick.

Es ist jedoch für ihn nicht einfach zu folgen. Ständig ist er durch andere schwarze Formen abgelenkt, die er sich genauer anschauen möchte. Und wenn er zurück in die Richtung der roten Schuhe schaut, sieht er just eine Anzahl schwarzer Mäntel. Welchem von ihnen folgt er eigentlich? Glücklicherweise bleibt sie von Zeit zu Zeit stehen und zeigt ihre Stilettos. Nach fünf Minuten, in einer schmalen Gasse, ist er der einzige Fremde zwischen weißen Roben und schwarzen Mänteln. Als Orientierung bleibt ihm nur von Zeit zu Zeit ein kurzer Blick auf ein bißchen rot. Ein paar Minuten später bleiben die Stilettos vor einem Geschäft stehen. Sie neigt sich in Richtung der Tür und blickt in das Schaufenster, während er an ihr vorbeigeht.

Im Geschäft wird er von einem jungen Mann in einer weißen Robe und kariertem Kopftuch empfangen.

“Sie sind Mr. Jake, nehme ich an? Bitte kommen Sie mit mir, damit wir für Ihre bestellten Sachen noch Maß nehmen können.”

Nachdem das erledigt ist, geleitet ihn der Verkäufer zu einem Tisch mit Früchten sowie Süßigkeiten und fragt

“Möchten Sie Tee oder Kaffee, während wir Ihnen die Sachen passend machen?”

“Kaffee, bitte,” antwortet Jake und nimmt sich vom Zeitungsständer ein Automagazin.

Er ist damit noch beschäftigt, als der Verkäufer zu ihm tritt

“Ihre Sachen sind fertig, Mr. Jake. Aber wenn Sie noch lesen möchten, verlassen Sie einfach den Tisch, sobald Sie fertig sind.”

“Danke, ich würde gern den Artikel zu Ende lesen,” antwortet Jake.

Er wird dann zu einem Umkleideraum geleitet.

“Hier sind drei Hemden und drei Hosen, Sie brauchen aber jeweils nur ein Stück probieren. Falls sich später herausstellen sollte, daß die anderen Sachen wider Erwarten nicht passen, werden wir den Fehler beheben und Sie erhalten kostenlos ein weiteres Stück zur Kompensation Ihrer Unannehmlichkeiten.”

Kurz darauf hat Jake ein maßgeschneidertes Hemd und eine khakifarbene Hose angezogen. Sie passen ihm wie angegossen. Er verläßt den Umkleideraum und sagt zu dem Verkäufer, der davor auf ihn wartet

“Sie haben erstklassige Arbeit geleistet. Ich möchte die Sachen gleich anbehalten.”

“Natürlich, Mr. Jake” antwortet dieser. “Wir bringen Ihnen die Sachen, in denen Sie kamen, mitsamt den anderen in Ihr Hotel. Und jetzt die Thobe und die Ghutra. Kommen Sie bitte mit.”

Jake ist sich nicht sicher, worum es geht und er ist ein bißchen besorgt ob der Rechnung. Aber die Behandlung ist so vorzüglich, daß er fast jede Summe zu zahlen bereit ist. Der Verkäufer präsentiert ihm eine weiße Robe mit einer goldenen Bordüre.

“Möchten Sie, daß ich Ihnen beim Anlegen der Ghutra helfe? Wenn Sie sie auch anbehalten möchten, wird eine arabische Hand für den letzten Griff nicht schaden.”

“Ja, bitte. Und ich möchte sie auch gleich anbehalten,” antwortet Jake, währen er in einem langen Spiegel beobachtet, wie die Ghutra angelegt und mit einem Kopfband befestigt wird.

‘Mit etwas Bräune und einem Schnurrbart werde ich wohl als Araber durchgehen, solange ich nur den Mund halte’ denkt er sich dabei.

“Jetzt sind Sie überall in unserem Land gern gesehen,” sagt der Verkäufer, während er zu einer Kasse geht.

“Die Rechnung ist bereits beglichen. Wenn Sie bitte hier noch den Empfang bestätigen möchten, darf ich Ihnen einen glücklichen Tag wünschen und freue mich, Sie bald wiederzusehen.”

Jake ist angenehm überrascht. Wenn das von seiner roten Liebe bestellt wurde, dann hat sie ihm noch ein extravagantes Geschenk gemacht, denkt Jake, als er den Betrag auf der Rechnung sieht, die er unterschreibt.

“Nun, ich habe da noch eine Bitte. Würden Sie mir bitte den Weg zum Hotel beschreiben?”

“Das ist nicht ganz so einfach, aber ich werde jemanden finden, der Sie begleitet. Bitte einen Moment.”

In weniger als zwei Minuten ist er mit einer schwarz verschleierten Frau zurück, die eine rote Tasche auf ihrer Schulter trägt.

“Folgen Sie ihr mit etwas Abstand.” sagt der Verkäufer.

“Ja danke, ich kenne diesen Brauch,” sagt Jake und wendet sich an die Frau “Besten Dank für die Begleitung, ich bin nicht in Eile. Wenn Sie einen Umweg machen und etwas kaufen möchten, so seien Sie bitte so frei.”

Die Frau nickt, offenbar versteht sie sein Englisch, und verläßt das Geschäft. Jake folgt zehn Sekunden später. Sie geht sehr langsam und und gibt Jake ausreichend Gelegenheit, sich all die gesichtslosen schwarzen Mäntel anzuschauen, die an ihm vorbeigehen. ‘Sind sie fünfzehn oder fünfzig? Ist seine Liebe jung oder alt? Sie hat ja so recht. Es ist faszinierend, ihn im Unklaren zu lassen. Er weiß nur, daß sie ihn kennt, mit ihm Sex haben will und nun, daß sie vielleicht wohlhabend ist. Ist sie die, die ihn jetzt zum Hotel führt?’ Seine Begleitung ist an einem Zeitungsstand stehengeblieben und kauft ein Magazin. Nachdem sie gezahlt hat, blättert sie etwa eine Minute darin, bevor sie es in die Tasche steckt. Jake beobachtet aufmerksam, wie sich das konturlose Tuch ohne Augenöffnungen ein bißchen nach oben, ein bißchen nach unten, nach rechts und links bewegt, um sich die Seiten des Magazins zu betrachten. Falls seine rote Liebe einmal für ihn nichts geplant haben sollte, wird er hier in den Souq gehen und es genießen, die Passanten zu beobachten. Plötzlich zeigt seine Begleitung auf ein breites Gebäude. Jake erkennt das Hotel und hebt die Hand. Momente später entschwindet die Frau auf der Allee.

In der Rezeption sagt die Stimme hinter dem Schleier

“Ein Paket ist für Sie angekommen, Mr. Jake. Wir werden Ihnen in einer Viertelstunde das Mittagessen servieren.”

Wie bisher rollt eine schwarz verschleierte Frau das Tablett ins Zimmer. Jake hatte ein Gedeck für zwei Personen erhofft und ist enttäuscht. Nach dem Spaziergang wäre ihm die Gesellschaft sehr angenehm gewesen. Aber als er das Glas hebt, findet er darunter zwei Karten. Auf eine ist geschrieben “Um zwei Uhr. Entriegele die Tür. Ziehe arabische Kleidung an. Gib die zweite Karte dem Taxifahrer.”

Die zweite Karte scheint eine Adresse zu ein, geschrieben in Arabisch. Es bleibt weniger als eine halbe Stunde. Jake entriegelt das Türschloss. Dann geht er ins Bad um sich zu erfrischen und verwendet fünf Minuten darauf, die Ghutra in die Position zu bringen, die sie seiner Meinung nach im Geschäft hatte. Er zieht die Robe an, setzt sich auf das Bett und blickt gespannt auf die Tür.

Die Uhr am Nachttisch hat gerade 2:01 erreicht, als die Türklinke heruntergedrückt wird und ein schwarzes, ärmelloses Kleid mit einem schwarzen, seidenen Gesicht eintritt. Jake steht mit der Zimmerkarte in der Hand auf, bereit zu gehen. Aber das seidene Gesicht sieht auf den Teppich und tritt zwei Schritt zurück. Jake sieht, daß sie hat einen Schlüssel fallenlassen und hebt ihn auf. Er streckt ihr den Schlüssel entgegen, aber sie schüttelt den Kopf. So steckt er ihn in seine Tasche und zeigt auf die Karte

“Gehen wir da hin?” fragt er.

Sie nickt. Er öffnet die Tür und sie treten in den Korridor hinaus. Sie geht direkt zum Fahrstuhl, während er die Tür verriegelt und ihr dann folgt. Zwei schwarze Mäntel warten vor dem Aufzug. Als dieser kommt, treten die drei Frauen ein und wenden sich der rechten Wand zu, Jake kann schauen, soviel er will.

Im Erdgeschoß geht er an der Rezeption vorbei mit seinem Kleid drei Schritte hinter ihm. Draußen winkt er nach einem Taxi. Nur als der Fahrer ihm die hintere Tür öffnet, tritt sein schwarzes Kleid näher und folgt ihm ins Taxi. Er zeigt die Karte dem Fahrer, der etwas in arabisch antwortet. Jake entgegnet

“Ich verstehe Sie leider nicht. Wissen Sie wo das ist? Ist es weit?”

Der Fahrer antwortet: “Ich binge Sie hin, Herr. Fünfzehn Minuten zu fahren.”

Jake lehnt sich zurück und blickt auf seine Begleitung. In die Ecke gedrückt und unbeweglich ist sie wie ein breites schwarzes Kissen, welches in die Ecke des Sitzes gelegt wurde. Jake würde gern auf den anderen Sitz rutschen und sich gegen das Kissen lehnen. Aber er respektiert den Brauch und berührt keine Frau in der Öffentlichkeit. Während der Fahrt interessiert ihn aber mehr der gegenüberliegende Sitz, als der Blick aus dem Fenster.

Das Taxi hält an. Jake zahlt den Fahrer und verzichtet auf das Wechselgeld. Sie sind außerhalb eines Hauses in einer Wohngegend. Es sind alles einstöckige Gebäude mit einem Flachdach hinter Hofmauern. Da ist eine Tür in der Mauer, zu der der Schlüssel paßt. Im Innern des Hofes, der breit genug für zwei Fahrzeuge ist, nimmt die Frau ihr Kleid und den schwarzen Schleier ab. Es ist sie. Zumindest ist es dieselbe purpurne Kleidung und der kunterbunte Gesichtsschleier, welche gestern in seinem Bett waren. Der Schlüssel paßt genauso zur Haustür. Jake läßt sie vortreten, sie geht zur Küche und nimmt zwei Gläser. Dann nimmt sie eine Flasche Saft aus dem Kühlschrank. Jake bemerkt, daß das dessen einziger Inhalt ist. Sie gibt ihm die Flasche zum Einschenken, während sie sich wegdreht, um das untere Ende ihres Schleiers aus dem Mantel zu ziehen, ohne ihm ihr Kinn zu zeigen. Sie trinken ein bißchen. Sie bedeutet ihm, ihr zu folgen. Sie sehen sich alle Räume an. Jake ist angetan

“das ist ein sehr schönes Haus. Etwas größer als meines und hübsch möbliert. Aber es sieht nicht so aus, als ob hier jemand wohnen würde. Warum sind wir eigentlich hier?”

Sie öffnet die letzte Tür. Es ist das Schlafzimmer. Sie hebt ihm ihr Glas entgegen, sie stoßen an und trinken aus. Sie nimmt ihm sein Glas aus der Hand, stellt beide auf einen Tisch und während sie sich dazu nach vorn beugt, steckt sie das Ende ihres Schleiers wieder in den Ausschnitt. Dann zieht sie Jake zu sich heran und während sie sein Gesicht mit ihrem Seidenschleier streichelt, öffnet sie seine Hose.

‘Nun, jetzt hat sie zum Teil beantwortet, weshalb wir hier sind.’ denkt Jake, während sie ins Bett fallen. Es ist nicht so hektisch wie gestern. Sie spielen länger und Jake genießt es viel mehr. Dann nimmt sie ein Mobiltelefon zur Hand, welches zwei Minuten abzählt.

“Ich habe dieses Haus für einen Monat gemietet, aber das kann unbefristet verlängert werden, wenn wir heiraten. Du wirst keine Probleme haben, hier einen neuen Job zu finden. Und wenn Du einen hast, können wir eine Einwanderungserlaubnis bekommen. Du hast 72 Stunden um herauszufinden, ob Du mit mir hier leben willst. Innerhalb dieser Zeit will ich eine endgültige Antwort. Ich möchte verschleiert und still sein und eher nicht zurück nach Canada. Aber um hier dauerhaft zu bleiben, brauche ich einen Ehemann. Der Ehemann bist Du, Jake. Als ich herausfand, daß Dich verschleierte Frauen anmachen, wußte ich, daß Du der ideale Ehem…”

Das Telefon klingelt.

“Ich bleibe jetzt erst einmal hier, muß aber noch ein bißchen darüber nachdenken einzuwandern. Würdest Du bitte etwas Kaffee und etwas zu Essen machen? Ich mag nicht denken, wenn ich hungrig bin,” sagt Jake und geht ins Bad.

Seine Liebe nickt. Als er zurückkommt, wird er an der Küchentür empfangen, die nun mit einem roten Kreuz auf Pflaster markiert ist.

“Ich darf die Küche nicht betreten,” sagt Jake.

Sie nickt. Dann geleitet sie ihn zu einer Tür eines kleineren Raumes, die genauso ein rotes Kreuz hat. Sie geht mit ihm zu einem zweiten kleinen Zimmer, welches mit einem grünen Kreuz markiert ist und bedeutet ihm, es zu öffnen. Er schaut hinein und findet dort einen Computer und eine Spielkonsole. Sie deutet auf das grüne Kreuz und auf sich selbst.

“Du willst diesen Raum nicht betreten, das ist meine Privatsphäre,” sagt Jake und sie nickt wieder. Er findet ein Fußballspiel, von dem noch keine Viertelstunde vergangen ist und lehnt sich zurück, um es sich anzuschauen. Sein roter Mantel steht derweil unbeweglich am Tisch. Mit dem gegenwärtigen Quantum an Kommunikation wird es lange dauern, bis er sie kennengelernt hat. Aber das ist es, was sie will. Es sollte immer etwas bleiben, worauf er neugierig ist, so daß ihre Beziehung niemals in Langeweile versinkt. Vielleicht hatte sie dieselben bitteren Lektionen wie er in vergangenen Partnerschaften. Er nimmt einen weiteren Schluck Kaffee. Sie geht in die Küche. Sobald die Tasse nachgefüllt und der Kaffeetopf zurückgebracht ist, steht sie wieder exakt wie vorher am Tischende.

Jake genießt die Art, auf die sie ihn die Zeit bis zum nächsten Meeting im Bett und die darauf folgenden Offenbarungen vertreiben läßt. Diesmal war es Canada. Daß sie von Canada kommt, bedeutet wahrscheinlich, daß sie irgendwann in der Vergangenheit zusammen waren. ‘Ist sie eine entfernte Verwandte, Schulkameradin, Nachbarin, Freundin oder Verwandte von jemandem seiner Freunde?’ Es gibt eine Menge Frauen, die infrage kämen und vielleicht ist es jemand, von der er selbst nie Notiz nahm, obwohl sie über Jahre Teil seiner Umgebung war. Aber zuerst muß er sich entscheiden, ob er hierbleiben will. Da ist nicht der Job, ihn interessiert zunächst, was er hier mit seiner Freizeit außerhalb des Hauses anfangen kann. Daher fragt er sie

“Gibt es hier eine Bar, ein Kaffeehaus oder irgendetwas, wo ich englisch sprechende Leute treffen und etwas über das Leben in diesem Land erfahren kann?” Sie nickt.

“Hast Du so etwas für heute abend geplant?” Sie schüttelt den Kopf.

“Für morgen?” Sie nickt.

‘Das wird ein Test, ob ich viele Abende mit ihr zu Hause verbringen will’ denkt er, ‘in einer Stunde bitte ich sie ums Abendbrot. Bis dahin schau ich mir das Spiel an.’

Eine Stunde später dreht er den Fernseher ab und sagt, indem er den Mantel anschaut, der sich nicht bewegt hat

“Wie wär’s mit dem Abendbrot, meine Liebe?”

Sie streckt die linke Hand aus und macht mit dem Zeigefinger einen Halbkreis.

“Gut, in einer halben Stunde. Dann werde ich mal einen Blick in mein Zimmer werfen.” sagt Jake und verläßt das Sofa. Beim Gehen sieht er, daß sie anfängt den Tisch abzuräumen. Zunächst schaut er, ob sie den Computer schon benutzt hat, aber da sind keine persönlichen Dokumente auf der Festplatte. Im Netz sieht er ihren Rechner, hat aber keinen Zugriff darauf. Danach sieht er sich an, was auf der Spielkonsole zu finden ist. Eine hübsche Sammlung mit einer Reihe der Spiele, die er auch zu Hause hat. ‘Ist das Zufall oder weiß sie soviel von seinem Leben?’

Sie klopft. Als er öffnet, gibt sie ihm eine Geldbörse und zeigt zum Eingang. Im selben Moment klingelt es an der Haustür. Er geht über den Hof und öffnet die Türe zur Straße. Es ist ein Pizza-Service. In Anbetracht des leeren Kühlschrankes das naheliegendste Abendbrot. Er zahlt zwei Pizzas und eine große Flasche Cola. An der Küchentüre gibt er alles seinem Mantel. Sie bedeutet ihm, sich an den Wohnzimmertisch zu setzen, bringt ihm seine Pizza und füllt sein Glas mit Cola. Dann setzt sie sich ihm gegenüber auf den Stuhl, ohne etwas vor sich auf dem Tisch stehen zu haben. Sie sitzt einfach da, ihr konturloses Gesicht seinem Teller zugewandt.

‘Vielleicht sollte ich sie einladen, mit mir zu essen.’ denkt Jake. ‘Aber jetzt ist es dafür ein bißchen zu spät. Ich versuch das beim nächsten Mal.’ Es ist ein wundervoller Anblick, beim Essen einem lieblichen Mantel gegenüber zu sitzen. Das ist wie an einem elegant gedeckten Tisch mit teurem Porzellan. Auch wenn es nichts am Essen selbst ändert, fühlt man sich doch viel besser.

Als der Teller leer ist, steht sie auf, schenkt ihm Cola nach und geht mit dem leeren Teller in die Küche. Eine Minute später ist sie mit einer Supermarkttasche zurück. Sie zeigt eine halbe Stunde mit ihrer Hand und dann auf den Beutel, sich selbst und Jake.

“Du möchtest, daß wir beiden in einer halben Stunde einkaufen gehen?”

Sie nickt. Jake setzt sich auf das Sofa und schaut sich die Nachrichten an.

Nach einer halben Stunde erscheint sie in der Tür, jetzt komplett in schwarz gekleidet. Das Kleid, welches ihre Arme bedeckt, reicht ihr bis zu den Knien und läßt Arme und Hände frei, die ebenso schwarz bedeckt sind. Jake erhält wieder ihre Geldbörse, als sie zur Strasse gehen. Er hat gerade die Türe abschlossen und fragt sich, ob sie zu Fuß gehen werden, als ein Taxi kommt. In weniger als fünf Minuten sind sie am Supermarkt. Während der Fahrt denkt Jake daran, daß die Beschaffung von Lebensmitteln bislang nicht das war, was ihn besonders begeistert hätte. Aber die Frage, ob er mit Alltäglichkeiten umgehen kann, sofern sie ihm dabei Gesellschaft leistet, ist wohl Bestandteil seines Tests als zukünftiger Ehemann. Der Einkauf erweist sich letztlich doch als unterhaltsam. Er vergißt einfach, daß alle Frauen beim Einkauf so gekleidet sind wie die, mit der er hier ist. Immer, wenn sie um ein Regal biegen, erscheint ein neues schwarzes, konturloses Objekt, welches graziös den Korridor entlang gleitet oder sich nett beugt, um etwas aus dem Regal zu nehmen. Das ist zwar nicht so toll wie im Souq, aber andererseits kann er sich die Schönheiten direkter anschauen, indem er vorgibt, sich für den Inhalt ihres Einkaufswagens zu interessieren. Während Jake diese Anblicke genießt, ist sein eigener Mantel verschwunden. Zumindest ist sie nicht mehr in seiner Nähe und in Sichtweite sind mehrere Frauen ohne Begleitung. Sollte er langsam weitergehen oder hier warten, bis sie wieder bei ihm ist? Er geht langsam Richtung Ausgang und denkt sich

‘Ich muß da mehr aufpassen und lernen, sie zu erkennen,wenn das irgendwie geht.’ Hier würden sie sich ja noch wiedersehen, aber im Souq schnell verlieren. Er braucht ihre Mobilnummer. Nach ein paar Minuten ist ein schwarzer Mantel neben ihm und berührt seinen Rücken. Sie gehen zur Kasse, wo er aus ihrer Geldbörse bezahlt. Draußen fragt Jake

“Wie kommen wir jetzt nach Hause?”

Sein Mantel macht einen kleinen Bogen mit ihrer Hand: sie haben ein bißchen zu warten. Als nach zehn Minuten ein Taxi kommt, gibt sie ihm eine Karte mit ihrer Adresse.

Als Jake die Taschen, die er ins Haus getragen hat, seinem Mantel übergibt, bittet er sie

“Es war heiß, auch wenn die Sonne längst untergegangen ist. Ein Bier wäre jetzt ganz nett.”

Sie schüttelt den Kopf.

“Die ganzen Dosen, die wir gekauft haben – ist da kein Bier dabei?” Sie nickt.

“Es ist wahr, daß man keinen Alkohol außerhalb der internationalen Hotels bekommen kann?” erinnert sich Jake plötzlich. Sie nickt wieder und er darauf

“dann bitte eine Tasse Kaffee”.

Sie führt ihn zum Sofa und er schaltet den Fernseher an. Fünf Minuten später kommt sie mit einer Tasse, einem Teller mit Biskuits und einer Kaffeekanne. Nachdem die Tasse gefüllt ist, verläßt sie mit der Kanne das Zimmer. Kurz darauf kommt sie zurück, jetzt wie üblich in rot und ihrem bunten Gesichtsschleier bekleidet. Wie schon am Nachmittag steht sie am Tischende, die Hände in ihrem Schoß gefaltet und den Kopf gesenkt. Jake schaut etwa eine Stunde fern. Dann sagt er

“ich könnte ja noch eine halbe Stunde sitzenbleiben. Aber wenn wir noch ein bißchen Spaß haben wollen, bevor wir schlafen, könnten wir jetzt anfangen?” Ohne sich sonst zu bewegen, nickt sein Traum einige Male. Jake ist hellwach. Er sagt

“ich geh ins Bad. In fünf Minuten warte ich im Bett.”

Eine Viertelstunde später ist Jake in einem Tagtraum, er werde von einem weichen, seidenbedeckten Körper gestreichelt, als sein Traum wahr wird. Die rote Seidenkleider liegen neben ihm und ziehen ihre Hosen nach unten, um ein bißchen Fleisch zu entblößen, in welches er einzudringen versucht. Abgesehen von einer kleinen Bewegung dichter zu ihm, so daß er an seiner ganzen Seite vom Fuß bis zu Schulter von der Seide berührt wird, liegt sie passiv und wartet. Jake legt sich auf sie und streichelt ihre Brüste, küßt das seidene Gesicht. Er fühlt, wie ihr Körper reagiert. Weiche Töne lassen sich von der sonst absolut stillen Kreatur vernehmen. So geht das eine Weile, bis er merkt, daß der passende Teil seines Körpers in das kleine Stückchen unbedeckten Fleisches möchte. Nun singen beide.

Befriedigt liegen sie nebeneinander für eine Weile auf ihren Rücken. Dann greift sie zum Mobiltelefon auf dem Nachttisch, setzt sich im Bett auf und sagt

“Morgen wird uns ein englisch sprechendes Paar auf einen Ausflug mitnehmen, uns ein bißchen vom Land zeigen und Dich ein paar lokale Attraktionen ausprobieren lassen. Damit wir ankommen, bevor es richtig heiß wird, sind sie schon eine halbe Stunde nach acht Uhr hier. Ich werde Dich eine Stunde vorher wecken. Für Dich existiert die andere Frau nicht. Sprich sie nicht an und starr sie nicht an. Sprich auch nicht mit mir, auch wenn ich mit Gesten antworten könnte. Und ja, ich habe Dein Leben in Canada von der Nähe eine ganze Zeit lang beobachtet und war sehr angetan von dem, was ich dabei herausgefunden habe. Gute Nacht.”

Zwei Sekunden später ertönt der Summer. Der liebliche Mantel dreht sich auf die Seite, ihm das seidene Gesicht zugewandt und kuschelt sich an ihn. Nach ein paar Minuten schläft sie. Jake bleibt noch eine Zeitlang wach und genießt das Gefühl der weich an seinem Körper pulsierenden Kleider. Er träumt süß.

3.

Er träumt, ein weiches seidenes Gesicht streichele seine Wange. Aber das ist kein Traum. Es ist sein lieblicher Mantel, die ihn weckt. Sie ist komplett schwarz bekleidet, mit einem schwarzen Seidentuch über ihrem Gesicht und einem langen Kleid, welches ihre Arme bedeckt und zu den Knien reicht. So wie gestern abend, als sie zum Supermarkt gingen. Eine Viertelstunde später kommt Jake ins Wohnzimmer, wo bereits das Frühstück wartet. Das schwarze Seidengesicht sitzt ihm gegenüber, während er ißt, nur um zu sehen, ob er etwas braucht.

Ein paar Minuten nach halb neun ertönt die Türklingel. Der Mantel gibt ihm einen Lebensmittelkühler und bedeutet ihm, daß sie etwas Zeit brauche und daß er die Tür zu schließen habe, wenn sie das Haus verlasse.

Als Jake die Tür öffnet, steht ihm ein Mann in weißer arabischer Kleidung, so wie er selbst, lachend gegenüber. Aber dieser Mann hat auch ein arabisches Gesicht.

“Hallo, Jake. Ich bin Ahmed. Aber selbstverständlich weißt Du das von meiner Internetseite. Ich habe mich nicht besonders verändert, seit das Bild vor einem Jahr gemacht wurde. Es ist so eine gute Idee, jemanden, der in Arabien geboren und aufgewachsen ist, um einen Ausflug in die Umgebung zu bitten. Und ich bin natürlich geschmeichelt, daß Du mich gefragt hast, auch wenn das naheliegend ist, nachdem wir schon eine Weile Briefwechsel hatten. Aber was meinst Du zu dem, was Du bisher gesehen hast? Bleibst Du hier nach dem ersten Monat? Und wann willst Du zum Islam konvertieren?”

Jake ist völlig geplättet. Sein lieblicher Mantel hat in seinem Namen mit diesem Mann korrespondiert. Und der erwartet, Jake wisse alles über ihn von seiner Internetseite. Jake muß sich ab jetzt ständig daran erinnern, nur darüber zu sprechen, was sie gerade sehen. Er muß reden wie ein Politiker, viele Worte machen, ohne dabei wirklich etwas zu sagen.

“Ahmed, das Internet ist ein seltsamer Platz. Ich denke, wir kennen uns wie Brüder durch unsere e-mails und doch ist es ein bißchen, als ob wir einen Fremden sehen, da wir uns das erste Mal in der Realität gegenüberstehen. Aber selbstcerständlich habe ich mich nach diesem Ausflug gesehnt, seit ich das Flugzeug zu Eurem schönen Land betreten habe. Wir sind fertig zu gehen, sobald mein … Ich weiß nicht, was sie aufhält.”

Ahmed antwortet “Ich erinnere mich, daß Du geschrieben hast, Deine Frau habe unsere Bräuche studiert und würde sich so verhalten wollen wie meine. Und Du antwortest, daß sie sich das vielleicht noch einmal überlegen wolle, als ich schrieb, meine Frau sei so gläubig, völlig still und faktisch blind in der Öffentlichkeit. Obwohl wir so nicht über unsere Familien sprechen, nur eben in e-mails, möchte ich sagen, daß Du auf dem rechten Weg bist, wenn Du eine Frau hast, die sich so wie meine bedeckt.”

“Selbstverständlich wird sie. Ich vergaß, daß sie mir gestern davon erzählt hat. Ich bring sie her und schließe die Tür,” grummelt Jake.

Er geht ins Haus, wo sein Mantel wartet, jetzt mit einem dicken schwarzen Kleid bedeckt, welches ihr vom Scheitel bis zum Fußboden reicht. Es hat nirgends irgendwelche sichtbaren Öffnungen und so wie sie jetzt steht, ist es unklar, welche Seite sich ihm zuwendet. Wenn sie das darüber gezogen hat, was sie zu seinem Frühstück trug, muß sie darin blind sein. Jake fragt sie.

“Bist Du fertig zu gehen? Willst Du, daß ich Dich führe?”

Das Oberteil des Kleides neigt sich ihm zweimal zu. Er nimmt das als Ja auf beide Fragen und gesehen, daß sie mit dem Gesicht zur Tür steht. Er legt eine Hand dorthin, wo der Rücken sein muß und sie beginnt zu laufen. Nach ein paar Schritten in den Hof legt er die Hand auf ihre Schulter und sie bleibt stehen. Er dreht sich um und schließt die Tür. Dann führt er sie langsam über den Hof und heraus zu Ahmeds Auto. Das ist ein geräumiger Allradwagen. Er öffnet die hintere Tür und drückt ihren Kopf nach unten. Als sie den Sitz fühlt, bewegt sie sich selbst hinein. Jake beugt sich herunter, so als um zu sehen, ob sie von der Tür weg wäre, aber in Wirklichkeit schaut er nach dem anderen Sitz, um ein gleiches konturloses Stück Kleidung zu sehen, welches Ahmeds Frau ist. Er erlaubt sich einen sehr langen Blick auf sie, da er von Ahmed wußte, daß sie ihn nicht sehen kann. Seine eigene Liebe ist nun weit genug weg von der Tür, sie rutschte auf dem Sitz voran, bis sie an Ahmeds Frau stieß. Was vor einem Moment noch wie ein lebloses Bündel Kleidung aussah, neigt sich jetzt seinem eigenen Bündel zu und ihre Köpfe fangen an, sich gegenseitig zu streicheln.

‘Sie werden genauso einen vergnüglichen Ausflug haben,’ denkt sich Jake, schließt die Autotür und wendet sich, um die Hoftüre abzuschließen.

Als sie losfahren, sagt Ahmed

“Ich sehe, Du hast meinen Rat angenommen und noch Dir kein Auto gemietet, bevor Du einen Job und eine Aufenthaltserlaubnis hast, da Dein Hof leer ist.”

“Man soll immer den Rat eines guten Freundes befolgen,” antwortet Jake, “aber wohin fahren wir?”

“Nirgendwohin!”

“Jetzt machst Du Späße,” meint Jake “wir fahren 80 Meilen pro Stunde. Klar kommen wir irgendwohin.”

“Ja, ich habe gescherzt und nicht gescherzt,” antwortet Ahmed, “wir fahren raus in die Mitte des Nichts. Oder tief in die Wüste, wenn Du willst. Um ein paar hohe Dünen zu finden.”

Während der Fahrt ist Ahmeds Redeschwall nicht zu bremsen. Jake genießt dagegen den Blick aus dem klimatisierten Auto in eine heiße, aber herrliche Landschaft. Sie fahren über Dünen, die immer höher werden. Plötzlich hält Ahmed an und sagt

“Jetzt bist Du an der Reihe, mir etwas beizubringen. Du bist von Canada, das bedeutet, Du bist gut im Skifahren. Stimmts?”

Jake ist ein bißchen irritiert, jetzt mitten in der Wüste vom Skifahren zu reden, antwortet aber höflich

“Normalerweise fahre ich nur ein- oder zweimal im Monat Ski und das in der Zeit von November bis März. Ich glaube schon, daß ich auf den meisten Hängen zurechtkomme.”

“Toll!” sagt Ahmed, “Gerade vor uns ist ein guter Abhang. Komm, wir probieren ihn.”

Jake ist jetzt ein bißchen überrascht, als Ahmed zwei Schneebretter aus dem Heck des Autos holt. Er nimmt sich eines und geht die fünf Meter bis zum Rand der Düne, auf der sie geparkt haben. Er setzt das Brett auf die Düne, steigt darauf und läßt sich hinunter gleiten. Jake schaut ihm über den mehr als 100 yard hohen Hang nach (Anm. Übers.: 1 yard entspr. ca. 0,91 m). Wenn sich Sand nicht allzusehr von Schnee unterscheidet, ist er sich sicher, Ahmed ein paar Tricks beibringen zu können. Ahmed fällt zweimal, bevor er den Grund erreicht hat. Jake steigt auf das Brett und schwingt sich hinunter. Das Brett verhält sich ungefähr wie auf Schnee, so daß er es leicht kontrollieren kann. Das macht wirklich Spaß. Aber hier draußen gibt es keinen Lift. Es ist ein langer Weg in der heißen Sonne nach oben, um zu einer weiteren Abfahrt zu kommen. Ahmed sagt, während sie klettern

“Du bist ein wahrer Profi, verglichen mit uns Arabern. Wenn Du keinen anderen Job findest, kannst Du Skilehrer werden.”

Sie fahren noch über eine Stunde, bis Ahmed eine ganze Abfahrt mit etlichen Wendungen hinbekommt, ohne dabei zu stürzen. Ahmed sagt, als er die Schneebretter in den Wagen lädt, “das war phantastisch, Jake. Eine Stunde Unterricht und schon bin ich nicht mehr gefallen. Aber jetzt brauchen meine Beine eine Pause und wir etwas zu trinken. Schauen wir in die Kühler.”

Er nimmt drei Dosen und sagt “Nimm auch drei. Wir trinken lieber zwei, eine für jede auf dem Rücksitz.”

Jake hat, während sie so lange geschwatzt und gespielt haben, ohne daß es irgendein anderes Zeichen von Leben gab, völlig vergessen, daß sie nicht allein sind. Als er in das Auto schaut, liegen die Frauen jeweils in einer Ecke wie zwei Rollen schwarzen Teppichs. Ahmed öffnet die Tür, läßt eine Dose auf den Boden fallen und schließt die Tür wieder. Jake macht es ihm nach. Doch diesmal ignoriert Ahmed die Frauen nicht, sondern beobachtet, ob sie reagieren. Ahmeds Frau beugt sich nach vorn und nimmt die Dose unter ihre Kleidung. Aber Jakes Mantel rührt sich nicht.

“Man schläft im Dunkeln leicht ein,” sagt Ahmed, “Du mußt sie schütteln, die Dose zwischen ihre Knie drücken, so daß sie sie fühlen kann und dann erst zu Boden gleiten lassen.”

Jake öffnet die Tür noch einmal, nimmt die Dose und klopft damit an ihre Knie, bis sie sich bewegt. Dann läßt er sie nach unten gleiten und schließt die Tür. Nun beugt auch sie sich danach.

Während sie trinken, bemerkt Ahmed

“Nach so einem Training bist Du sicherlich hungrig geworden. Als ich Dich bat, nichts zu Essen mitzubringen, dachtest Du wahrscheinlich, wir würden in die Zivilisation zurückkehren und uns irgendeinen Imbiß suchen.”

“Ja,” sagt Jake, “so etwas habe ich erwartet. Wenn wir geradewegs in die Wüste gefahren sind, brauchen wir ja für den kürzesten Weg heraus mehr als eine Stunde auf unserer eigenen Spur.”

“Wir werden an dem besten Platz essen, den man sich hier unten überhaupt nur vorstellen kann: in einem Beduinenzelt. Ein Verwandter von mir verbringt gerade ein paar Tages seines Urlaubs in einer Oase, ungefähr eine halbe Stunde von hier.”

Nach einem Stückchen Fahrt sieht Jake plötzlich Palmen im Sand. Bald parken sie neben einem großen Zelt. Ein Mann, gekleidet wie sie selbst, und ein paar Kinder empfangen sie. Ahmed stellt ihn als Mohammed vor und sie betreten die für Männer vorgesehene Hälfte des Zeltes. Als sich Jake auf ein Kissen setzt, sieht er, daß ein junges Mädchen mit unverschleierten Augen die zwei Frauen in die andere Hälfte geleitet. Kurz darauf bringt das Mädchen den Männern das Essen und sie haben ein wundervolles Mahl, bei dem Mohammed zu erklären versucht, weshalb er die Wüste so sehr liebt. Ahmed pflichtet ihm bei. Später, als der Tee serviert wird, schwärmt er von Jakes Künsten im Skifahren und wieviel er von ihm schon gelernt hat. Dann erklärt Mohammed ihnen einen Weg zurück, auf dem man ein wirklich gutes Dünenprügeln zelebrieren kann. Jake weiß nicht so recht, worum es dabei geht und genießt die Landschaft, bequem im Schatten sitzend. Es gibt einen langen Abschied, Jake lobt das hervorragende Essen. Schließlich klatscht Mohammed in die Hände und das Mädchen erscheint. Er sagt etwas auf Arabisch und sie geht zurück zur Frauenhälte des Zeltes. Innerhalb einer Minute sieht Jake sie die Frauen ins Auto bringen. Mohammed wendet sich an Jake

“Lieber Freund. Als Ahmed mir sagte, er würde mich gerne mit einem ausländischen Freund besuchen, sagte er mir auch, daß Du und Deine Frau wie Araber gekleidet kommen würden, weil Ihr Euch für arabische Trachten interessiert. Jetzt sehe ich, daß das stimmt und ich möchte Dir zeigen, was ich für die allerschönsten arabischen Kostüme halte. Nur sehr gute Freunde dürfen das sehen, was Du jetzt zu sehen bekommst.”

Dann klatscht er wieder in die Hände. Jake ist zufrieden, eine sehr weite Robe zu tragen, als das Mädchen vier fantastische Frauen vor die Zeltöffnung der Männerhälfte führt und diese ihm zudreht. Extrem schöne und teuer erscheinende Seidenkleider sind zu sehen, die von der Brust herabreichen. Sie sind vom Grundton her rot, blau, grün und gelb, aber mit einer Menge goldener Stickerei in feinen abstrakten Mustern dekoriert. Arme sind nicht zu sehen, die Kleider scheinen ohne Ärmel zu sein. Die Brust aufwärts ist ein großes schwarzes Seidentuch in einer komplizierten Art gewickelt, so daß es alles außer dem Gesicht bekleidet. Das Gesicht ist am meisten herausstechend, als es mit einer goldenen Maske bedeckt ist, die scheinbar aus golden bemaltem weichen Leder gefertigt wurde. Deren Anblick wird stark von einem senkrechten Stab dominiert, der sie steif macht und über die ganze Länge vom Scheitel bis über das Kinn reicht. Die Maske entblöst nichts von dem Gesicht dahinter. Sie ist einem Gesicht ähnlich gestaltet, die Augenöffnungen sind verdeckt, indem deren oberer Rand bis über den unteren reicht, was wie ein geschlossenes Lid aussieht. So lassen sie nur schmale, nach unten gerichtete Schlitze offen. Jake hat sich bei Mohammed zu bedanken. Es sind erstaunlich schöne Kleider. Er fragt ihn

“Haben sie sich nur jetzt für mich so angezogen?”

“Nein, diese Tracht ist vor langer Zeit für Beduinenfrauen gestaltet worden, die Töchter oder Sklaven hatten, um die Arbeit zu erledigen. Und diese Frauen trugen sie ständig. Aber wir haben nur zwei Mädchen in einem Alter, in dem sie schon Hausarbeit erledigen können. Und abgesehen davon, daß man die Kleider ruiniert, wenn man darin arbeitet, kann man die Arme nicht bewegen und nur ein bißchen von dem Boden sehen, der gerade vor den eigenen Füßen ist. Daher brauchen sie jemanden, um ihnen die Maske ein wenig anzuheben, damit sie sprechen, essen oder trinken können. Meine Frauen tragen normalerweise schwarz, wie andere auch. Aber wenn wir in der Wüste sind, tragen sie diese Kleider so oft als möglich und wechseln sich in der Arbeit ab. Sie lieben sie zu tragen und ich sie darin zu sehen.”

Ahmed wendet sich zum Auto. Jake findet es schwierig, seine Augen von Mohammeds Frauen zu lösen. Als er das Auto erreicht, öffnet Ahmed die Hintertür an seiner Seite und sagt

“Alle haben für den nächsten Teil aufrecht zu sitzen und sich anzuschnallen.” Jake öffnet die andere Tür und befestigt den Sitzgurt an dem schwarzen Bündel, welches dort sitzt. ‘Ist das meine oder Ahmeds Frau? Haben sie die Plätze gewechselt, wenn das Mädchen nicht acht gegeben hat, wer am Morgen auf welcher Seite saß?’

Nach einer Viertelstunde Fahrt fragt Ahmed

“Diese Gegend ist perfekt zum Dünenprügeln. Seid ihr bereit?”

Jake entgegnet “Bereit wofür. Ich hörte, Du hast das mit Mohammed besprochen, habe aber keine Ahnung, was das ist.”

Ahmed antwortet, “Nun, fangen wir einfach an. Dann weißt Du es.”

Er gibt kräftig Gas und steuert das Auto direkt gegen eine Reihe niedriger Dünenköpfe. Das Auto erhebt sich plötzlich und scheint ein Stück zu fliegen, als sie die erste Düne überquert haben. Gerade als sie auf den Grund aufsetzen, treffen sie auf den nächsten Hügel. Es ist wie eine Achterbahnfahrt. Jake schreit ob des Drucks auf seinen Magen und er hört einige gedämpfte Töne vom Rücksitz. Die Frauen können weder ihre Hände vor den Mund nehmen noch ihren Kopf auf den Schoß legen. Es ist irgendwie schamlos, sie dazu zu zwingen Geräusche zu machen, obwohl sie es nicht wollen.

Aber Ahmed fährt weiter mit hoher Geschwindigkeit gegen die Dünenköpfe. Manchmal, wenn der Abhang länger ist, bremst er, dreht am Lenkrad und läßt das Heck etwas wegschlingern. Das gibt einem das Gefühl, der Wagen werde sich im nächsten Moment überschlagen, aber das ist nur purer Spaß.

Nach etwa zwanzig Minuten wird Ahmed wieder langsamer und folgt einem flachen Weg.

“Du hattest Recht, Ahmed,” sagt Jake “ich werde nicht vergessen, was Dünenprügeln ist. Es ist ganz gut, daß wir nicht gleich nach dem Essen losgefahren sind. Es ist schlimmer oder besser als ein Freizeitpark, denke ich.”

Kurz vor dem Sonnenuntergang erreichen sie die Wohnsiedlung. Währen Jake die Hoftüre aufschließt und den Kühler vom Auto holt, klopft Ahmed an an das Rücksitzfenster um sicherzugehen, daß die Frauen wach sind. Er öffnet die Hintertür und sagt

“Wir sind an Jakes Haus.”

Jake geleitet seinen Mantel in den Hof und kehrt zurück, um sich von Ahmed zu verabschieden.

“Bevor ich fahre, grade einen Moment, Jake. Würdest Du heute abend ins Kaffeehaus kommen und ein paar meiner Freunde treffen, die auch English sprechen?”

“Ja, danke Dir. Ich habe gelesen, arabische Männer verbringen alle Abende in Kaffeehäusern. Ich würde mir gerne selbst ansehen, was da so los ist,” antwortet Jake.

“Gut, dann bin ich in zwei Stunden zurück, um Dich zu fahren. Dann ist es jetzt kein Abschied, bis nachher.”

Ahmed fährt. Jake geht in den Hof und schließt die Tür in der Mauer. Dann sagt er

“Du kannst das Kleid ausziehen. Wir sind allein im Hof und die Hoftüre ist zu.”

Sein Mantel zieht das Überkleid aus und schaut sich um, wo sie ist.

“Ich habe mit Ahmed verabredet, mit ihm zum Abend ins Kaffeehaus zu fahren. Ist das so in Ordnung?” Sie geht zur Haustür, ohne ein Ja oder Nein anzudeuten. Jake hält sie an.

“Ist das nicht in Ordnung? Hast Du andere Pläne gemacht?”

Sie schüttelt den Kopf. “Du hast keine anderen Pläne gemacht? Aber sollte ich zu Hause bleiben?”

Der Mantel nimmt Jakes Hand und zieht ihn ins Schlafzimmer. Sie legt sich in die Mitte des Bettes, zieht ihr Kleid hoch und ihre Hose nach unten. Jake ist schnell auf, zieht seine Hose aus und klettert auf sie. Momente später ist er bereit, einen Priester, Mullah oder wen auch immer zu rufen, der hier in Arabien eine Ehe schließen darf, just um sicherzugehen, daß er mit dieser Frau weiter Sex haben kann. Aber seine Träume werden gestört, als sie zum Mobiltelefon greift und zu sprechen anfängt

“Ich hätte bis heute nacht gewartet, aber Du hast mich gezwungen zu reden. Das hier ist nicht Canada. Du hast mich nicht zu fragen, was Du tun willst. Wenn Du magst, teile es mir mit. Ich will, daß Du Dich wie ein Araber benimmst und mich kommandierst. Ich bin hier, um Deinen Anordnungen zu folgen. Dann bitte ich Dich um Verzeihung, mit Ahmed in Deinem Namen korrespondiert zu haben. Ich reiche Dir heute nacht die Nachrichten weiter, die wir ausgetauscht haben. Und ich habe den Ausflug genossen, aber nicht wirklich mit Ahmeds Frau gesprochen. Wir konnten nur ein paar Worte mit den Frauen in dem Zelt wechseln. Ich hoffe, ich kann so ein Kleid ausprobieren und da …”

Der Summer ertönt.

“Wenn ich in ein paar Minuten aus dem Bad komme, möchte ich die Adresse von Ahmeds Internetseite auf meinem Computer haben. Ich kann ihn nicht noch einmal treffen, ohne sie gesehen zu haben. Dann möchte ich das Abendbrot so bald als möglich. Das ist es jetzt erst einmal. Nein, warte – ich verzeihe Dir. Und ich liebe Dich!”

Jake geht ins Bad.

Weniger als eine halbe Stunde später sitzt Jake am Abendbrottisch und weiß eine Menge mehr über Ahmed. Sein Mantel, jetzt wieder in rot gekleidet, schöpft einen Eintopf aus einem heißen Topf auf seinen Teller. Nach ein paar Löffeln stoppt er sie. Dann schenkt sie ihm Cola aus einer großen Flasche ein. Jake stoppt sie, nachdem das Glas nur ein Viertel voll ist. Sie trägt den Topf zurück zu einer Heizplatte in der Küche und setzt sich wie zuvor auf den gegenüberliegenden Stuhl, ohne zu essen.

“Streu etwas Salz in die Suppe, bitte,” sagt Jake.

“Streu auch Pfeffer rein,” fährt er fort.

“Ein bißchen mehr Cola, bitte,” sagt er etwas später.

“Noch ein bißchen Suppe, bitte,” kommt es etwas später und sein Mantel geht zur Küche.

Jake bekommt viermal Nachschlag und bittet jedes Mal um Salz und Pfeffer. Als er letztlich zum Sofa geht, um den Fernseher einzuschalten und sich die Zeit bis Ahmeds Ankunft zu vetreiben, hält ihn sein Mantel nach wenigen Schritten auf und umarmt ihn innig. In diesem Moment faßt Jake seinen Beschluß. Er wird sie aber noch bis morgen auf die Folter spannen.

Eine halbe Stunde später kommt Ahmed. Sie verbringen einen schönen Abend, während dem Jake nicht viel mit ihm spricht, denn da sind noch so viele andere interessante Leute. Und sie sind alle begierig darauf, mit ihm zu diskutieren. Einige über Sport, einige über Sex, einige über Religion, einige über Politik und sogar einige, die ihm einen Job anbieten. Jake ist völlig erschöpft, als ihn Ahmed nach Hause bringt. Er sagt

“Ahmed, was Du heute für mich getan hast, kann ich Dir niemals entgelten. Aber ich will tun, was immer ich kann in den nächsten Jahren. Aber ich muß Dich noch um einen Gefallen bitten.”

Ahmeds Gesicht ist ein breites Lächeln, als er Jakes Bitte hört.

“Natürlich, alter Freund, Ich schau, was ich morgen früh als erstes tun kann.”

Später, am Haus, sagt Jake

“Gute Nacht, Ahmed. Hoffe, ich sehe Dich bald wieder.”

Es ist eine halbe Stunde nach Mitternacht, als er das Haus betritt. Seinen roten Mantel findet er im Bett, mit einem Magazin in der Hand.

‘Ist das dasselbe Magazin, welches die Frau vom Bekleidungsgeschäft kaufte?’ denkt Ahmed plötzlich. Er bekommt es nicht aus seinem Kopf, daß Frauen außerhalb des Hauses anonyme Kreaturen sind. Aus irgendeinem Grund wollte er wissen, ob es immer seine Frau war, wenn eine Frau etwas für ihn getan hat. Sich zu bedecken ist keine Unterdrückung. Frauen können alles Mögliche tun, was ihr Mann niemals erfahren wird. Als er ein bißchen später seine Sachen auszieht, legt sie das Magazin auf den Nachttisch, schaltet die Bettlampe aus und dreht sich auf ihre Seite. Jake legt sich hin, schaltet die letzte Lampe aus, schmiegt sich an sie und küßt ihren verschleierten Mund. Bald darauf schlafen beide ein.

4.

Es ist taghell, als Jake seine Augen öffnet und zur Uhr schaut. Die zeigt eine halbe Stunde nach neun. Seine Liebe hat das Bett längst verlassen. Am Frühstückstisch sitzen sie sich wie bei den vorigen Mahlzeiten gegenüber.

Als sie anfängt den Tisch abzuräumen, sagt er zu ihr

“Komm bitte her, wenn Du in der Küche fertig bist.” Zehn Minuten später steht sein Mantel wieder am Sofatisch, die Hände gefaltet und den Kopf gesenkt. Im Fernsehen läuft eine Seifenoper. Jake schaltet den Fernseher aus und kommandiert

“Tritt drei Schritt zurück!” was sofort befolgt wird.

Dann geht Jake vor seiner Liebe auf die Knie und richtet seinen Blick auf ihren konturlosen Gesichtsschleier

“Lieber roter Mantel, das ist was ich euch zu mir genannt habe seit unserem ersten Treffen. Das sind unbeschreibliche Erlebnisse mit Dir im Stakkato, ich kann die 72 Stunden Bedenkzeit nicht abwarten, die Du mir gegeben hast. Ich habe gefunden, was ich zu finden hoffte, als ich hierher kam: Dich, meinen namenlosen Mantel. Willst Du mich zum Manne nehmen zu den Bedingungen, die Du stelltest, als Du das erste Mal zu mir im Hotel gesprochen hast?”

Der Mantel fällt vor ihm auf die Knie, nickt volle zehn Sekunden lang, sie sagt aber nichts. Anstatt dessen umarmt sie ihn kräftig und Jake fühlt ihr Herz aufgeregt schlagen. Nach einer Minute eng umschlungen greift Jake in seine Tasche und zieht ein kleines Kästchen heraus.

“Nun habe ich den ersten Schritt hier gemacht, den Du nicht vorbereitet hast. Mit ein bißchen Hilfe von Ahmed fand ich gestern nacht einen Juwellier. Ich hoffe der Ring paßt, denn ich habe Deine Finger ja noch niemals gesehen.”

Jake hält einen Ehering in der Hand. Zu seiner Überraschung zieht sie ihren rechten Handschuh aus und streckt ihm ihren Ringfinger entgegen. Der Ring sitzt perfekt. Nachdem sie ihren Finger eine Weile bewundert haben, zieht sie ihren Handschuh wieder an. Dann nimmt sie den anderen Ring und steckt ihn auf Jakes ausgestreckten Finger. Und sie umarmen sich erneut. Offenbar fühlt sie die Wölbung in seiner Hose, da sie auf die Knie geht und ihr seidenes Gesicht daran reibt. Jake beugt sich schnell herunter, hebt sie auf und trägt sie ins Bett.

Dieses Mal ist es ein wenig wie beim ersten Mal. Sie sind beide extrem erregt und kommen zügig zum Höhepunkt. Dann liegen sie eine Weile ruhig im Bett, bis sie nach ihrem Telefon greift

“Mein Name ist Jenny Mitchell. Ich wohnte in Deiner Straße grade Dir gegenüber. Als Du mit Deiner letzten Freundin Schluß gemacht hast, klagte sie darüber, daß Du von ihr verlangt hättest, ihr Gesicht mit Seidentüchern verhüllen, während Du mit ihr Sex hattest. Sie fand das widerwärtig und ekelhaft, ich dachte, das sei fantastisch. Seitdem habe ich Dich bespitzelt und nach einer Gelegenheit gesucht, Dich unter passenden Umständen zu treffen. Erinnerst Du Dich, woher Du die Idee hattest, in Arabien Urlaub zu machen? Von einem enthusiastischen Beitrag in der facelessfetishes Gruppe. Vor einem Jahr habe ich eine schöne Summe geerbt und kann uns eine Weile versorgen, wenn Du nicht gleich einen vernünftigen Job findest. Aber zuerst kommt die Konvertierung zum …”

Der Summer ertönt.

Jake ist eine Weile still, dann sagt er, indem er seinen Ring präsentiert

“Jenny, ich muß zugegeben, daß ich Dich nie besonders beachtet habe. Du bist eine attraktive Frau, etwas jünger als ich, wie ich mich erinnere. Aber jetzt ist es egal, ob Du grün bist und drei Augen hast. Ich liebe Deine Berührungen, Deine Stimme und die weiche Seide, die Du trägst. Jetzt sind wir verlobt und werden bald heiraten, aber weshalb soll ich zum Islam konvertieren. Können wir nicht einfach zum Standesamt gehen?” Jenny schüttelt den Kopf.

“Du möchtest keine staatliche Trauung, gut. Schauen wir eben nach der nächsten Kirche in dieser Gegend.” Jenny schüttelt den Kopf erneut.

“Du möchtest eine religiöse Trauung, aber keine christliche. Du willst eine muslimische?” Jenny nickt.

Sie zieht ihn zur Tür seines Zimmers und weist auf seinen Computer. Jake schaltet ihn ein und sucht nach “Muslimische Hochzeit” im Internet. Sogleich liest er ‘Eine Ehe zwischen einer muslimischen Frau und einem nicht-muslimischen Mann ist nicht erlaubt, weil der Mann das Familienoberhaupt ist und ein nicht-muslimischer Mann seine Frau von der Erfüllung ihrer religiösen Pflichten abbringen könnte.’ Jake steht auf und findet Jenny im Wohnzimmer. Ihr Anblick beantwortet seine nächste Frage. Sie hat einen kleinen Teppich ausgerollt und macht die charakteristischen Bewegungen eines muslimischen Gebetes. Er setzt sich auf das Sofa und sieht ihr zu. Er hat eine Viertelstunde zu warten. In der Zeit denkt er sich ‘Mein Mantel, Jenny und ich wollen in diesem Land leben, so wie die, die hier geboren sind. Das sind alles Muslime. Viele Probleme sind aus der Welt, wenn ich auch Muslim werde.’ Alkohol und Schweinefleisch sind den Muslimen verboten. Damit kann er gut leben, vielleicht mal bei einem Urlaub mit alten Freunden in Canada ein Bier trinken. Er muß nur lernen, was man von ihm erwartet, wenn er Muslim wird. Als Jenny den Teppich einrollt, sagt er zu ihr

“ich hätte gern einen Kaffee, bitte.”

Fünf Minuten später, als sie am Tischende steht und ihm den Kaffee einschenkt, fragt Jake sie

“Hast Du irgendwelche Literatur darüber, was es bedeutet, Muslim zu werden? Und nebenbei: hast Du auch Kleider und Schleier in anderen Farben? Jetzt muß ich Dich nicht länger an Deinem roten Kleid erkennen, andere Farben wären auch nett.”

Jenny geht und kommt mit einer Visitenkarte des Hotels zurück.

“Ja, das stimmt, ich habe immer noch das Zimmer im Hotel mit meinen Sachen. Du auch?”

Jenny nickt. Sie deutet für ein paar Sekunden ein Gebet an und weist dann auf die Karte.

“Du hast die Informationen über den Islam auch im Hotel?” Jenny nickt.

“Nun, ich habe versprochen, mit Dir hier zu bleiben, also sollten wir ins Hotel fahren und unsere Sachen holen. Zeige mir bitte, wie man ein Taxi ruft,” bittet sie Jake.

Jenny nimmt ihr Telefon und zeigt, daß da eine Kurznachricht mit einem alphanumerischen Code gespeichert ist. Sie weist auf den Knopf zum Senden. Jake sagt

“Ja, ich kann in ein paar Minuten fertig sein. Wie ist es mit Dir?”

Sie schickt die Nachricht ab. Beide beeilen sich, sich anzuziehen. Jake in Thobe und Ghutra, Jenny in schwarz.

Im Hotel geleitet Jenny Jake zur Bar in der Lobby. Sie tritt zum Kellner, spricht kurz mit ihm und geht dann. Der Kellner serviert Jake ein großes Glas Bier. Jake genießt es, er weiß, daß es das letzte für eine sehr lange Zeit sein wird. Eine Gefälligkeit für sein Versprechen an Jenny? Jake wird bewußt, daß er er nur hierher kommen könnte, würde sein Verlangen nach Alkohol unerträglich. Womöglich hat Jenny das als Hemmschwelle vor seiner Konvertierung einkalkuliert.

‘Sie sündigen genauso’ sagt Jake sich, als er sich umschaut und eine Anzahl Araber in der Bar sieht.

‘Und Jenny sündigt. Wird nicht von Muslimen erwartet, sich außerehelichen Sex zu enthalten?’

Schließlich läßt Jake von diesen tiefsinnigen Betrachtungen ab und erfreut sich einfach des Anblicks der Lobby, wo ständig schwarze Mäntel graziös herein- und herausschweben. Nach zwanzig Minuten sieht Jake, daß Jenny zurück sein muß. Ein schwarzer Mantel kommt zur Bar und verläßt sie sofort wieder, vermutlich als sie sieht, daß sein Glas noch nicht leer ist. Sie nimmt einen Sessel in der Hotellobby, von dem sie sich beide sehen können. Eine Viertelstunde darauf fragt Jake nach der Rechnung.

“Es wurde mit der Bestellung bezahlt, Mister” antwortet ihm der Kellner.

Jake gibt ihm ein Trinkgeld und geht langsam in die Lobby und behält einen Blick auf den Mantel, der offenbar Jenny ist. Sie steht auf, führt ihn an die Rezeption und setzt sich wieder.

“Wie schade, daß Sie uns wieder verlassen, Mr. Jake. Wir hoffen, daß Sie den Aufenthalt bei uns genossen haben und einmal wiederkommen,” sagt eine schöne Stimme aus dem Seidenschleier der Empfangsdame.

“Bitte sagen Sie Ihren Kollegen, daß es mit großem Abstand der beste Hotelaufenthalt in meinem Leben war. Hier ist meine Kreditkarte.”

“Ich werde den Dank meinen Kollegen übermitteln. Die meisten kennen Sie und Ihre generöse, verschleierte Geschäftspartnerin. Sie hat Ihre Rechnung bereits bezahlt.” kommt es aus der schwarzen Seide, als sie ihm die Kreditkarte zurückgibt.

“Hier ist Ihr Paß und Ihre Quittung, Mr. Jake. Bitte nehmen Sie kurz Platz, währen wir Ihnen ein Taxi rufen und Ihre Koffer bringen.”

“Besten Dank,” sagt Jake und ist ein bißchen traurig über das Ende der Konversation mit diesem lieblichen Seidengesicht.

Sollte er den Sessel neben der Frau nehmen, die er meint Jenny zu sein? Er hat nicht mitbekommen, ob sie sich an dieselbe Stelle setzte. Aber dann erinnert er sich, daß selbst verheiratete Paare in der Öffentlichkeit nicht eng aneinander gehen und einen anderen Sessel nehmen. Binnen fünf Minuten bedeutet ihm ein schwarzes Kleid, das Hotel zu verlassen. Als er die Tür des Taxis erreicht, ist sie dicht hinter ihm. Er gibt dem Fahrer die Karte mit ihrer Adresse und das Taxi fährt los. Jake wendet sich an Jenny und sagt

“Besten Dank. Aber ich bin nicht pleite, wie Du weißt. Ich konnte meine Rechnung noch ganz gut selbst bezahlen. Wie werden wir uns darüber einigen, wie wir unsere Ausgaben teilen, wenn meine Geschäftspartnerin nur ein paar Minuten am Stück mit mir spricht?” Er bekommt keine Antwort.

Am Haus nimmt der Fahrer die Koffer aus dem Auto und wartet, bis Jake die Hoftür aufgeschlossen hat.

“Lassen Sie sie hier stehen,” sagt er, als er bezahlt.

Er öffnet und läßt Jenny die drei Koffer ins Haus ziehen, die sie in das Schlafzimmer bugsiert. Jake beobachtet ihre Arbeit. Aus einem der Koffer gibt sie ihm ein Buch über den Islam. Sie weist auf seinen Koffer und auf einen der Schränke, dann auf sich selbst und den anderen Schrank. Anschließend führt sie Jake zum Sofa, bringt ihm ein Glas und eine große Colaflasche. Sie füllt ihm das Glas und Jake fängt an zu lesen.

Eine halbe Stunde später beobachtet Jake, wie Jenny den Mittagstisch deckt, jetzt in einen einfarbig blauen Mantel marokkanischen Stiles mit Kapuze und schwarzen Handschuhen gekleidet. Ihr Gesicht ist völlig mit einem schwarzen Schleier verhüllt, der ihr lose auf der Brust liegt. Der Gesichtsschleier scheint ihm sehr dicht zu sein, er wundert sich, wie sie darin sehen kann. Minuten später wird er an den Tisch gebeten. Der Tisch ist wie bisher für eine Person gedeckt, aber in Anbetracht des lose hängenden Schleiers sagt Jake

“Würdest Du bitte mit mir essen? Entschuldigung. Ich möchte, daß Du mit mir ißt.”

Jenny holt schnell ein weiteres Gedeck. Sie zeigt aber Jake natürlich nicht ihr Kinn oder gar ihren Mund, sondern hebt nur den Schleier etwas vom Gesicht, um die Gabel oder ihr Glas darunter zu schieben.

Nach dem Mittagessen bekommt Jake ein weiteres Buch über den Islam. Er blättert darin die ganze folgende Stunde lang. Jenny steht dabei am Tischende. Nachdem er das Buch durchgesehen hat, bittet er sie um ihr Telefon.

“Bitte verlasse das Zimmer. Ich möchte ein privates Gespräch führen.”

Jenny geht. Jake ruft Ahmed an und sagt ihm, er wolle eine Moschee besuchen. Ahmed nennt ihm den Namen seiner Moschee. Jake sendet eine Nachricht an die Taxizentrale. Dann ruft er

“Jenny! Bring mir die Thobe und die Ghutra!”

Als Jenny kommt und ihm die Thobe zum Anziehen hält, sagt er

“Ich treffe Ahmed und möchte von ihm eine persönliche Ansicht zum Leben als Muslim haben. Ich bin sicher zum Abendbrot zurück. Wenn es spät wird, schicke ich Dir eine Textnachricht.”

Zwanzig minuten später trifft Jake seinen Freund Ahmed. Nachdem Ahmed ihm einige Räume der Moschee und ihrer Nebengebäude gezeigt hat, fragt Jake

“Ist das wirklich so einfach: Ich bete fünfmal am Tag, meide Alkohol und Schwein, nehme eine eher schlichte Bekleidung, besuche freitags eine Moschee, faste im Ramadan und gehe wenigstens einmal nach Mecca. Und natürlich studiere ich den Koran. Dann bin ich ein Muslim?”

“Ja, es ist mehr oder weniger eine persönliche Sache jedes Einzelnen. Wenn Deine Freunde und Kollegen Dich zu den Freitagsgebeten hier sehen und Du daran teilnimmst, wenn Du mit anderen zusammen zu den richtigen Zeiten betest, dann werden Dich die meisten Leute für einen guten Muslim halten. Und die Konvertierung ist noch die einfachste Sache. Du mußt nur den ersten Vers des Korans nachsprechen, so wie ihn Dir ein Muslim vorliest, während mindestens zwei Muslime als Zeugen dabei sind,” antwortet Ahmed.

“Können wir das dann gleich machen? Meine Frau legt da gerade großen Wert darauf. Nachdem ich mich hier umgeschaut und mit Dir gesprochen habe, bin ich auch selbst überzeugt davon. Und weil Männer und Frauen das getrennt für sich machen, möchte ich das jetzt gerne in Angriff nehmen. Ich denke, das ist der richtige Ort und vielleicht kannst Du ein paar von den Männern hier bitten dabeizusein, während Du aus den Koran liest,” sagt Jake.

“Jake, ich bin so glücklich, daß Du beschlossen hast zu konvertieren. Aber ich werde nicht selbst lesen. Ich werde den Imam fragen. Es ist besser, wenn das jemand mit der richtigen Ausbildung macht und ich bin mir sicher, er ist glücklich darüber, einen Neuen in seine Herde zu bekommen.”

Ahmed hat recht. Der Imam freut sich sichtlich, einige Minuten Jakes Konversion zu widmen. Während er Jake in Englisch die Bedeutung der Worte erklärt, die er dann aus dem Koran lesen wird, fragt Ahmed in der Moschee, ob jemand als Zeuge dabei sein wolle. Er kommt mit sechs Männern zurück zum Büro des Imams. Der Imam sagt sehr langsam einen Satz in Arabisch und Jake bemüht sich nach Kräften, ihn ihm richtig nachzusprechen. Keine zwei Minuten später schüttelt ihm der Imam die Hand und gratuliert ihm als Muslim. Dann folgen alle anderen Männer und gratulieren ihm genauso. Jake dankt dem Imam herzlich und fragt, was für eine Hochzeit erforderlich sei. Die Brautleute müssen lediglich einen Ehevertrag unterschreiben und ihn öffentlich registrieren lassen, wozu es wieder zweier Zeugen bedarf. In diesem Land muß das in einer Moschee vorgenommen werden. Der Imam wäre, abgesehen von den Gebetszeiten, jederzeit bereit dazu.

Ahmed fährt Jake nach Hause. Als Jake das Auto verläßt, fragt er ihn

“Was ist mit der anderen Sache, bei der ich Dich bat mir zu helfen?”

“Nun, Mohammed sagte mir, ein neues zu bekommen würde Monate dauern. Deshalb habe ich eines von ihm geborgt, was er heute geliefert hat. Du kannst den Vertrag machen, wann immer Du willst.”

Als Jake das Haus betritt, wartet Jenny schon ungeduldig an der Tür. Jake begrüßt sie

“Liebe muslimische Schwester, ist das Abendbrot fertig?”

Jenny fällt auf die Knie und dankt Allah. Sie umarmt Jake und streichelt mit ihrem verschleierten Gesicht das seinige eine Weile. Dann läßt sie ihn los, nickt und geht in die Küche.

Jake bittet Jenny, mit ihm zu essen. Nach dem Abendbrot sagt er zu ihr, als sie gerade anfängt den Tisch abzuräumen,

“Ich möchte unsere Beziehung so schnell wie möglich legal haben. Sicherlich wird es möglich sein, morgen nachmittag einen Ehevertrag zu unterschreiben. Eine Stunde vorher gehen wir zu Ahmeds Haus, seine Frau hat ein Kleid für Dich. Und zur Feier haben wir hier ein kleines arabischen Mahl nur mit uns, Ahmed, Mohammed und ihren Frauen, freilich in getrennten Räumen. Kannst Du Dich um ein angemessenes Essen und die Getränke kümmern?”

Jenny nickt enthusiastisch. Jake faßt zusammen:

“Du kümmerst Dich um das Abendbrot für drei Männer und sechs Frauen. Ich um den Rest.”

Jenny nickt wieder und fängt an, den Tisch abzuräumen. Sie sind beide eine Weile jeder für sich beschäftigt, bis Jake etwas vor neun Uhr ruft

“Ich möchte einen Tee, bitte.”

Als der Tee serviert ist, stellt sich Jenny an den Tisch und Jake fragt

“Hast Du alles geschafft?” Jenny nickt.

“Schön, dann möchte ich, daß Du mit mir einen Tee trinkst.”

Eine kappe Stunde später sagt Jake

“Ich denke, wir sollten zeitig zu Bett gehen. Zwar müssen wir nicht gerade früh aufstehen, aber es wird ein langer Tag werden.”

Jenny geht um den Tisch und nimmt Jake an die Hand. Sie führt ihn in den Flur. Dann nimmt sie zwei Gebetsteppiche und rollt sie auf dam Fußboden aus. Beide stehen dicht nebeneinander und Jenny macht sehr langsam die Bewegungen für das Gebet, während Jake versucht, diese nachzuahmen. Als sie das zehnte Mal wiederholt sind, ist Jake überzeugt, sie erfaßt zu haben und hört auf, auf Jenny zu schauen. Anstatt dessen sagt er jetzt ein Gebet zu sich selbst.

Weniger als eine halbe Stunde später schlafen sie eng umschlungen.

5.

Es ist spät, als Jake aufsteht. Jenny hat das Schlafzimmer längst verlassen. Jake bleibt lange im Badezimmer. Das Frühstück und selbstverständlich Jenny warten, als er ins Wohnzimmer kommt. Jenny ist genauso wie gestern bekleidet und steht am Tischende, während Jake ißt. Als Jake vom Tisch aufsteht, nimmt sie ihn zur Badezimmertür und macht mit der linken Hand einen vollen Kreis.

“Es ist in Ordnung, daß Du lange brauchst, um Dich fertig zu machen. Das Frühstück war spät. Wir werden eben nur ein belegtes Brötchen nehmen, wenn wir von der Moschee kommen,” sagt Jake.

Er vertreibt sich die Zeit mit diesem und jenem. Als Jenny ins Wohnzimmer kommt, bleibt ihnen noch eine knappe Stunde Zeit. Sie ist komplett in schwarz gekleidet, so als wollten sie einkaufen gehen. Jake fragt

“Bis Du fertig zum gehen?” Jenny nickt. Jake fährt fort

“Dann werde ich eine neue Thobe und Ghutra nehmen und wir sind beide fertig.”

Jenny geht mit ihm zu seinem Schrank, nimmt eine Thobe heraus und hält sie ihm zum Anziehen entgegen. Dann nimmt sie eine Ghutra und setzt sie ihm mit einem Kopfband auf. Sie gehen zurück ins Wohnzimmer. Jake sagt

“Wir haben eine Menge Zeit. Zeitig zu kommen, gilt hier nicht als Höflichkeit. Jenny, Du siehst wundervoll aus, auch wenn ich weiß, daß das ein Alltagskleid ist, welcheas Du jetzt nur auf dem Weg zu Ahmeds Haus trägst. Bitte dreh Dich ein bißchen im Zimmer herum, um es uns richtig bewußt werden zu lassen, daß wir als verheiratetes Paar diesen Anblick bald legal genießen können. Ich liebe Dich!”

Für mehr als eine halbe Stunde sitzt Jake auf dem Sofa, und erfreut sich des gesichtslosen und konturlosen schwarzen Objektes, welches sich langsam vor ihm im Zimmer herumdreht. Das ist es, weshalb er hierher kam.

Er ruft ein Taxi. In Ahmeds Haus sitzt er mit seinem Gastgeber bei einer Tasse Kaffee im Männer-Empfangsraum. Jenny ist ins Haus verschwunden, wohin männliche Gäste niemals kommen. Ahmed hat seiner Frau versprochen, genauso wegzubleiben. Nach einer Stunde fahren Ahmed und Jake zur Moschee. Ahmeds Frau und Jenny werden von Mohammed ein bißchen später abgeholt. Jake bringt die Dokumente von Jenny und ihm selbst zum Imam. Der sagt, nachdem er sie sich angesehen hat, daß alles in Ordnung und der Ehevertrag eine halbe Stunde später fertig sei. Jake verläßt das Büro.

Zwanzig Minuten später tritt Mohammed auf dem Hof zu Jake und Ahmed, also ist Jenny jetzt in der Frauensektion der Moschee. Zur angegebenen Zeit gehen die drei Männer in das Büro des Imams und unterschreiben den Vertrag. Sie nehmen ihn mit in den Hof der Moschee, wo Ahmeds Frau wartet. Sie bringt den Vertrag in die Frauensektion und kommt damit ein paar Minuten später wieder. Die Männer gehen ins Büro. Der Imam gratuliert Jake herzlich und fertigt eine Kopie für das Archiv an. Ahmed und Mohammed gratulieren Jake ebenfalls. Sie gehen dann zurück auf den Hof, wo Jake auf seine Braut zu warten hat. Jake starrt natürlich nicht ständig in die Richtung, aus der die Frauen kommen. Er blinzelt nur dann und wann dahin. Ein paar schwarze Mäntel gehen vorbei, ohne von den drei Männern Notiz zu nehmen.
Aber dann kommt sie – sein Traum der Wüste. Als Jake sich ihr zuwendet, drehen auch die anderen beiden ihre Köpfe etwas und bewundern den Anblick, der sich ihnen bietet, ohne freilich ganz offen zu zeigen, wohin sie blicken. Ahmed und Mohammed treten zur Seite, um Jake seine Frau empfangen zu lassen, die sich ihnen ganz vorsichtig nähert. Wenn sich Jake nicht bewegt, werden sie sich jedoch nicht treffen. Jenny wurde nur ungefähr in die Richtung geführt, in der Jake steht, aber mit ihrem engen Blickfeld gerade vor ihre eigenen Füße kann sie ihn natürlich nicht sehen. Sie trägt das rote Kleid mit goldener Stickerei, schwarzem Kopftuch und goldener Maske, die eine von Mohammeds Frauen in der Wüste präsentiert hat. Das Kleid hat hier und da noch etwas Gold bekommen und die Maske sieht wieder wie neu aus, brilliant wie eine zweite Sonne im Lichte des Nachmittags. Jake tritt in Jennys Weg und nimmt sie in seine Arme.

“Meine liebe Jenny. Du bist noch viel schöner, als ich mir das in der Wüste vorstellen konnte und mir wünschte, Du mögest mich in so einem Kleid heiraten.”

Jake geht auf die Knie

“Vielleicht kannst Du nun das Gesicht Deines sehr glücklichen Ehemannes sehen.”

Jake steht nach einer Minute auf und führt Jenny zur Straße. Ein Taxi wartet und als der Fahrer die Karte mit Jakes Adresse erhält, sagt er zu ihm

“Sie sind sehr glücklich, Herr. Unsere Frauen sollten ihre alte Tracht beibehalten haben.”

Vor ihrem Haus parkt ein Auto, obwohl Ahmed und Mohammed erst in zwei Stunden kommen werden. Zwei Kopien von Jenny, so wie sie sich Jake in ihrem auffälligen roten Mantel und dem bunten Gesichtsschleier im Hotel zeigte, treten von diesem Auto an ihn heran, als er die Hoftür öffnet. Eine der beiden sagt

“Herzlichen Glückwunsch zur Hochzeit, Mr. Jake! Wir sind Ihre Dienstmädchen für heute abend. Für die Zeit, in der wir Ihnen Ihr Haus für die Feier schmücken, haben wir für Sie erst einmal ein kleines Mahl vorbereitet.”

Jake beeilt sich, auch die Haustür zu öffnen und geht dann zurück auf die Straße, um Jenny ins Haus zu führen. Er trägt sie über die Schwelle und setzt sie im Wohnzimmer aufs Sofa. Als er sich neben Jenny setzt, wird vor ihnen der Tisch für zwei Personen gedeckt. Ein Teller kommt direkt vor ihn auf die linke Seite, der andere auf die rechte Seite des Tisches, aber Jenny sitzt neben Jake in der Mitte. Nach ein paar Minuten kommen beide Dienstmädchen ins Zimmer. Eine serviert den Kaffee und die andere auf einem breiten Tablett belegte Brötchen. Der Kaffee wird ausgeschenkt und die Kanne zurück in die Küche gebracht, während das andere Dienstmädchen Jake das Tablett mit den Brötchen reicht. Er nimmt sich zwei davon und legt sie auf seinen Teller. Dann legt das Mädchen auch zwei Brötchen auf den Teller rechts neben Jenny, bevor sie das Tablett auf den anderen Tisch stellt und sich neben Jenny aufs Sofa setzt. In der Zwischenzeit ist das andere Dienstmädchen aus der Küche zurück und stellt sich gegenüber Jake auf, die Hände im Schoß gefaltet und den Kopf nach unten gebeugt. Jake blickt zu Jenny, die ihren Kopf zu seiner Tasse neigt. Er nimmt einen Schluck aus seiner Tasse und beißt in ein Brötchen. Als er zum zweiten Mal abbeißt, neigt sich Jenny zu dem Mädchen neben ihm. Das Mädchen führt sofort die Tasse mit der rechten Hand vor Jennys Mund und hebt mit der linken die untere Ecke von Jennys Maske an. Jenny nimmt einen Schluck Kaffee. Das Mädchen stellt die Tasse ab und führt ein Brötchen zu Jennys Mund. Jenny beißt in das Brötchen. Dann dreht Jenny ihren Kopf zurück zu Jake, damit er sie ansehen kann. Jenny wird den ganzen Abend so gefüttert werden, weil ihr Kleid keine Ärmel hat. Jake würde sie am liebsten schnurstracks ins Bett tragen, aber damit muß er sich gedulden, bis die Gäste am späten Abend wieder gegangen sind. Er will sie streicheln, kann aber nur ihre Maske berühren, die sich überraschenderweise wie weiche Haut anfühlt. Jake fährt fort die Maske zu streicheln, während er den nächsten Schluck Kaffee nimmt und in das Brötchen beißt. Er nimmt sein Brötchen und führt es langsam zu Jenny, während seine andere Hand zur Ecke der Maske gleitet. Bevor er aber die Maske anheben kann, um sie sein Brötchen essen zu lassen, dreht sich Jenny weg. Sie will bis zur Nacht für ihn ein Mysterium bleiben und zieht es daher vor, sich von dem Mädchen füttern zu lassen. Jake beschließt, vor dem Festmahl nachher jetzt noch nicht allzuviel zu essen und sagt daher zu dem Mädchen direkt vor ihm

“Ich bin fertig, besten Dank. Ich denke Sie zwei sollten sich jetzt der Vorbereitung des Abendbrots widmen.”

Das Mädchem auf dem Sofa steht auf und beide Mädchen räumen schnell den Tisch ab. Jake blickt die goldene Maske an, die sich ihm zuwendet. Er sagt

“Das ist der wundervollste Tag in meinem Leben und zum Glück ist die Hälfte noch nicht einmal vorbei. Ich weiß, daß ich nicht gerade der schönste Kerl auf der Welt bin, und vielleicht fehlt Dir da auch nichts, da Du die ganze Zeit nur meine Thobe siehst, aber vielleicht solltest Du einmal Deinen Kopf zurücklehnen, um einen kurzen Blick auf den glücklichsten Mann der Welt zu werfen.”

Ein bißchen zu Jakes Überraschung lehnt seine Wüstenrose den Kopf tatsächlich für vieleicht fünf Sekunden zurück und Jake erhascht einen Blick auf schwarze Seide hinter den Augenschlitzen der Maske. Natürlich sind da noch mehr Lagen von Seide, außer der, die da gerade zu sehen ist. Jake versucht, mit seinem Blick die Lagen Stoffes auseinanderzuhalten. Langsam nähert sich die goldene Maske seinem Gesicht. Sie kann ihn nicht küssen, aber das weiche Leder berührt seine Haut, streichelt sie und jagt Schauerwellen durch seinen Körper. Nachdem sich die Maske eine Weile an eine Wange geschmiegt hat, wendet sie sich und nähert sie sich auch der anderen. Jake ist im Himmel. Natürlich hat er auf das Finale zu warten. Aber mit dieser Art des Wartens könnte es stundenlang Tag für Tag weitergehen. Jetzt verschwindet die Maske aus seiner Sicht, als Jenny ihren Kopf auf seine Schulter legt und Jake fühlen läßt, daß die Brust hinter dem rotgoldenen Kleid schöne Kurven hat, die von dem weiten Schnitt sonst verborgen werden. Während sie so lange Zeit sitzen, kann Jake die schönen roten Mädchen dabei beobachten, wie sie den Tisch am anderen Ende des Raumes für das Festmahl vorbereiten.
Ein seidener Mantel in seinem Schoß und gesichtslose Schönheiten, die sich graziös herein und heraus bewegen ist Jakes Version des Himmels auf Erden. Es dauert fünfzehn bis zwanzig Minuten, bis beide Mädchen zum Sofatisch kommen und sich mit im Schoß gefalteten Händen und den Kopf nach unten gebeugt aufstellen. Jake dehnt sich ein bißchen ohne Jenny zu stoßen und sagt

“Ja, Mädchen. Wenn Sie etwas zu sagen haben , dann bitte tun Sie das.”

Dieselbe Stimme wie beim ersten Mal sagt

“Mister Jake, Ihr Haus ist für die Gäste fertig und das Abendbrot wird zu gegebener Zeit serviert werden. Jetzt ist es an der Zeit für Sie, sich im Bad ein bißchen frisch zu machen. Mir ist aufgetragen worden, Sie daran zu erinnern, daß Sie nach dem Eintreffen des ersten Gastes im Männer-Empfangsraum bleiben, bis der letzte Gast das Haus verlassen hat. Eine von uns wird die Frauen bedienen und die andere die Männer. Ich wünsche Ihnen ein schönes Fest.”

Als Jake nach einer Weile die Badezimmertür öffnet, steht Jenny in der vollen Schönheit ihres Kleides vor ihm. Er urmarmt sie fest, bevor sie ins Bad geht. Jake sieht sich den Männer-Empfangsraum an, den die Mädchen dezent geschmückt haben. Im Zimmer steht ein Tisch, dessen eine Seite für drei Personen gedeckt ist und auf dessen anderer Seite dann die Speisen präsentiert werden. Jake ist sehr zufrieden, geht zur Küchentür und wartet, daß ein Mädchen erscheint. Als sich die Tür öffnet sagt er

“Der Empfangsraum ist eine Augenweide. Besten Dank für die gute Arbeit.”

Das Mädchen verneigt sich, im selben Moment hört Jake ein Seidenkleid hinter sich. Jenny ist bereit für die Feier. Jake umarmt Jenny, sie bleiben eng umschlungen stehen, bis die Türglocke ertönt. Jake hält Jenny ein Stück vor sich, um sie betrachten zu können, küßt ihr auf die Maske, dort wo der Mund sein müßte, und geht zur Tür.

Mohammed ist angekommen, Jake umarmt ihn. Seine vier schönen schwarzen Seidenmäntel werden hinter ihm von einem Mädchen hereingeführt. Ein bißchen später kommt Ahmed mit seiner Frau. Jake kann sie gut sehen, weil sie sich nicht bewegen kann, solange Ahmed und Jake sich begrüßen. Ihr Kleid ist wie ein Sack von Seide, ohne eine Öffnung, von der nach unten abgesehen. Es ist nicht zu sehen, wo ihr Gesicht ist. Nur wenn ein Mädchen sie berührt und sie dann zu gehen anfängt, wird die Richtung offensichtlich, in der sie steht.

Jake, Ahmed und Mohamed haben ein wundervolles Mahl. Über Frauen wird nicht gesprochen, aber Mohammed fragt Jake dann doch, woher die außergewöhnlichen Schleier der Dienstmädchen herrühren. Jake antwortet

“Das weiß ich nicht. Meine Frau trug so einen Schleier, als ich sie das erste Mal traf. Ich vermute, daß die Mädchen so gekleidet sind, um mich daran zu erinnern.”

Im Wohnzimmer feiern die Frauen. Sie amüsieren sich mindestens genauso gut wie die Männer. Alle Gäste haben ihre schwarzen Schleier abgelegt und zeigen teure Designerkleider, delikates Make-up und aufwendig frisierte Haare. Nur Jenny hat ihre Maske nicht abgenommen, aber sie hat ein paar Minuten lang auf dem Sofa ihren Kopf zurückgelehnt, während die Gäste sich vor ihr auf dem Boden herumgedreht haben, um sich ihr zu präsentieren.

Beim Abendbrot sitzen zwei von Mohammeds Frauen neben ihr und wechseln sich dabei ab, sie zu füttern und die Maske zu liften, damit sie sprechen kann, solange das Dienstmädchen in der Küche ist. Nach dem Essen tanzen sie alle zu zweit oder zu dritt, während die anderen dazu mit den Händen den Rhythmus klatschen. Jenny tanzt auch, wobei sie ein Mädchen führt, welches seinen Arm auf ihre Schulter gelegt hat.

Kurz nach Mitternacht möchte Ahmed gehen. Es ist nicht spät. Aber er ist sich sicher, daß Jake sich nach etwas sehnt, was ihm noch mehr Spaß macht. Das Dienstmädchen geht zu den die Frauen. Binnen weniger Minuten verwandeln sich die farbenfrohen, lachenden und sich angeregt unterhaltenden Frauen in schwarze Mäntel und warten darauf, hinaus geführt zu werden. Als die Mädchen die Frauen zu ihren Männern führen, folgt Jake ihnen in den Hof, um den Abschied etwas in die Länge zu ziehen und und ihren Anblick noch ein paar Minuten länger zu genießen.

Sobald die Autos abgefahren sind, läuft Jake ins Wohnzimmer zu seiner Wüstenrose. Aber der hintere Teil des Wohnzimmer ist durch einen breiten roten Seidenvorhang abgetrennt. Als Jake eintritt, ertönt rhythmische arabische Musik. Ein Stuhl steht ein paar Meter vor dem Vorhang in der Mitte des Raumes. Jake setzt sich und sofort erscheinen die zwei Mädchen an beiden Seiten des Vorhanges. Ihr rotes Kleid ist nicht zum Tanzen gedacht. Aber sie bringen es in Bewegung, in dem sie ihren Körper verdrehen und die Arme heben. Und dabei werden plötzlich aus konturlosen Figuren schön verhüllte Lebewesen. Die Musik plätschert noch ruhig vor sich hin, so wie es den die Bewegungen der Tänzerinnen in ihren Kleidern eben entspricht. Nach ein paar Minuten erreicht sie einen Höhepunkt, die Mädchen lassen mit einem Akkord die Röcke und die Oberteile fallen. Jetzt verhüllen nur noch farbenfrohe Schleier die Köpfe ihrer auf den ersten Blick scheinbar nackten Körper. Als auch diese Schleier auf den letzten Akkord gelöst und fallen gelassen werden, sieht Jake, daß sie jetzt in ein leuchtend rotes, halbtransparentes Haremskostüm gekleidet sind. Unter dem Kostüm sowie den von ihm nicht bekleideten Stellen sieht man etwas fleischfarbenes, jedoch keine Haut. Ihre Körper sind vollständig mit einem eng anliegenden, ihre Formen betonenden Lycra-Anzug bekleidet. Nachdem die farbigen Schleier gefallen sind, zeigt sich ein gesichtsloser Kopf ohne Haare, gerade noch etwas mit einem sehr dünnen roten Gesichtsschleier bedeckt, der die einfarbigen Konturen ihrer Gesichter kaum verhüllt. Die ‘Haremsfrauen’ tanzen jetzt zu einer sich langsam beschleunigenden orientalischen Melodie. Jake erfeut sich dieser außergewöhnlichen Form gesichtsloser Schönheit und eines Anzuges, der zwar den Körper vollständig bedeckt, aber dabei jede Rundung seiner Trägerin zeigt. Und er freut sich darauf, den Körper seiner Liebe bald das erste Mal zu sehen. Diese Tänzerinnen wissen, daß sie ihn daran zu erinnern haben, was ein frisch vermähltes Paar tun sollte. Und sie machen das gut, sehr gut. Jake sieht sie als zwei Kopien von Jenny, die darum wetteifern, welche ihn am meisten zu erregen vermag. Als die Musik ihrem Höhepunkt zustrebt, befürchtet Jake, seinen auch zu erreichen, ohne dabei mit Jenny vereint zu sein. Er schafft es noch, obwohl er extrem erregt ist, als die Musik in einem lauten Crescendo endet und die Mädchen den Vorhang herunterziehen. Da steht sie und erhellt den Raum mit ihrem goldenen Gesicht. Jake springt auf und umarmt sie kräftig. Die Mädchen schieben ihn zu Seite und gehen, Jenny untergehakt, ins Schlafzimmer. Jake folgt einen halben Schritt dahinter.

Jenny zieht langsam ihr Beduinenkleid aus, sie ist darunter nackt. Am Ende trägt sie nur die goldene Maske über einem schwarzen Seidentuch, welches ihren ganzen Kopf verhüllt. Dann nimmt sie auch diese beiden ab. Jake sieht Jenny das erste Mal vollkommen nackt. Keiner von beiden sagt ein Wort. Sie zieht Jake aus und sie küssen sich eine Minute lang. Dann bindet sie sich das schwarze Tuch wieder um und sie genießen den ersten Sex ihrer Hochzeitsnacht. Diesmal spricht Jake als erster

“Du siehst wundervoll aus, Jenny. Viel besser, als ich Dich von Canada in Erinnerung habe, dort habe ich Dich freilich nicht nackt gesehen.”

“Danke, Liebling,” antwortet Jenny, “ich bin so glücklich, daß wir endlich verheiratet sind. Jetzt gibt es keine Ausflüchte über Geschäftspartner und Lügen vor Ahmed mehr. Und besten Dank für das wundervolle Kleid. Ich hätte niemals geglaubt, daß irgendetwas das Gefühl eines Seidentuches auf meinem Gesicht übertreffen könnte, aber die weiche Ledermaske ist noch ein Sahnehäubchen oben drauf. Ich liebe es nur einen schmalen verschwommenen Streifen von der Welt zu sehen. Vielleicht hörts Du mich noch einmal zwei Minuten in dieser Nacht. Und einer Woche wirst Du mich wiederseh …”

Der Summer ertönt.

6.

Es ist spät, als Jake am nächsten Morgen erwacht. In der letzten Nacht hat Jenny mehrmals mit ihm gesprochen. Nach einem langen Bad kommt er ins Wohnzimmer, wo der Tisch für ein Frühstück für eine Person gedeckt ist. Als er sich setzt, hört er die Küchentür, frischer Kaffee und Toast werden ihm serviert. Aber der Kaffee und das Toastbrot werden von zwei Mädchen gebracht. Oder zwei Frauen, die beide in gleiche lange schwarze Kleider, weiße Schürzen und weiße Handschuhe gekleidet sind. Ihre Köpfe sind beide vollständig mit einem schwarzen Seidentuch verhüllt und tragen die gleiche kleine weiße Kappe obenauf. Nachdem sie Jake Kaffee ausgeschenkt und Toast auf seien Teller gelegt haben, stellt sich eine gegenüber Jake auf, die Hände in ihrem Schoß gefaltet und den Kopf gesenkt. Die andere nimmt dieselbe Stellung am Tischende neben Jake ein. Natürlich sagt keine ein Wort, als Jake überrascht von einer zu anderen und zurück schaut. Jake sagt, während er seinen Blick weiter schweifen läßt

“Ich setzte voraus, daß jemand von Euch Jenny ist. Jenny bitte setz Dich und iß mit mir.” Die Frau ihm gegenüber setzt sich und schüttelt den Kopf. Jake blickt sie an

“Bist Du Jenny?”

Sie nickt. Jake fährt fort

“Ich weiß, daß Du mich gerne bedienst und das Kostüm eines Dienstmädchens ist dazu sehr passend, aber wer ist sie?” Jenny zeigt auf ihre Schürze und ihre Kappe. Jake sagt

“Sie ist ein Dienstmädchen. Hast Du für unsere Flitterwochen ein Mädchen eingestellt?”

Jenny zeigt auf seinen Teller, seine Tasse und ihren Schritt, während sie mit der Hüfte eine obszöne Bewegung macht. Jake lächelt. Er genießt das Frühstück und den Anblick des unbeweglich vor ihm sitzenden ‘Dienstmädchens’ und ihrer Kopie neben ihm. Von Zeit zu Zeit bringt eine kleine Geste zu dem stehenden Mädchen Butter und Käse zu seinem Teller oder füllt seine Tasse. Er schließt das Mahl mit den Worten

“Ich bin gefüllt. Was jetzt?”

Während das Mädchen neben ihm anfängt abzuräumen, geht die Frau ihm gegenüber um den Tisch und beugt ihren verhüllten Kopf zu seinem Kinn. Sein Gesicht mit ihrem Seidenschleier streichelnd, zieht sie ihn nach oben und umarmt ihn fest. Eng umschlungen gehen sie ins Schlafzimmer. Jenny zieht ihr Kleid hoch und entblößt schwarze Strümpfe sowie einen schwarzen Slip. Der Slip hat zu gehen und so folgt ein paar Stunden nach ihrem letzten Liebesspiel bereits dessen Fortsetzung. Es ist immer noch ein gewaltiges Vergnügen für beide. Ein bißchen später sagt Jenny

“Eine der beiden Mädchen von der letzten Nacht habe ich eingestellt, ständig bei uns zu bleiben. Sie wird die Hausarbeit mit mir machen oder alleine, wenn ich nicht mag. Sie kann auch Dein Zimmer putzen. Wir werden uns oft gleich anziehen, wenn ich Lust habe, Dich zu bedienen. Aber weil sie mit Dir keinen Sex haben wird, spricht sie niemals zu Dir oder zeigt Dir und männlichen Gästen auch nur das kleinste Stück Haut. Du kannst ihr alles auftragen, außer sich auszuziehen. Und in ein paar Jahren, wenn wir sie beide mögen und eine engere Beziehung mit ihr wollen, können wir eine neue einstellen und Du kannst sie heiraten. Jetzt, da wir Muslime sind, kannst Du, wie Mohammed, vier verborgene …”

Der Summer ertönt.

Copyright © 2006, Bo_Emp ; bo_emp ‘at’ yahoo ‘dot’ com

Übersetzt durch Peter

Back to tales in non-English languages…

 

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One thought on “Verborgene Liebe

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