Astrid und Bernd

Astrid und Bernd

von Peter

Sie haben nicht das Recht, die Gegenwart zu verachten
Vous ʼn avez pas le droit de mépriser le présent.

Charles Baudelaire

I. Astrid

1.

Unter den Rädern des Zuges dröhnt die Main-Neckar-Brücke. Ein Lastkahn liegt am Anleger des Heizkraftwerkes West und löscht seine Ladung. Dahinter die Neubauten auf der Mole des ehemaligen Westhafens. An deren Ende ragt der „Bembel“ in den Himmel – ein grüner Glaszylinder, der an ein „Geripptes“ erinnert, wie die Frankfurter ihre Äppelwoigläser nennen. Als ich vor ein paar Jahren das letzte Mal in der Stadt war, standen hier überall noch die alten Lagerhallen und Hafenkräne. Jetzt soll das die nobelste Gegend sein, Wohnungen mit eigenem Bootsliegeplatz direkt am Haus. Wie doch die Zeit vergeht. Nur läßt der schwarze Stoff des Kleides, der vor meinen Augen liegt, leider die Einzelheiten verschwimmen. Schnell noch einen Blick auf den Fluss, bevor der hinter den Gebäuden der Uniklinik verschwindet.

Der Zug wendet sich jetzt, an den Tennisplätzen inmitten des Gleisdreiecks vorbei, dem Südbahnhof zu. Hier in Sachsenhausen ist alles noch so wie früher. Da drüben in der Textorstraße habe ich dreißig Jahre lang gewohnt. Dann lernte ich am Zahnärztlichen Institut der Uniklinik Bernd kennen, meinen Knuddelbär. Bernd spielte bald mit dem Gedanken, sich selbständig zu machen. Alleine wollte er aber nicht. Gut, sagte ich, machen wir zusammen eine Praxis auf. Aber nur, wenn dabei mein Kindheitstraum in Erfüllung geht. „Du spinnst!“ antwortete er spontan, nachdem ich ihm diese Geschichte erzählt hatte. Und dann machte er mit.

In Mittelhessen, nur ein paar Schritte von Deutschlands ältester Blindenanstalt entfernt, kauften wir von unseren Ersparnissen und meiner Erbschaft einer alten Zahnarztwitwe ihr Haus ab. Die früheren Praxisräume im Erdgeschoß standen leer, die renovierten wir mit ein paar Freunden am Wochenende. Wozu brauchten wir eine fabrikneue Praxiseinrichtung; im Internet fanden sich zwei werkstattüberholte Behandlungseinheiten und ein erst drei Jahre altes Röntgengerät. Die waren für knapp neunzigtausend betriebsfertig installiert. Sanitär- und Elektroinstallation mußten natürlich im ganzen Haus erneuert werden. Für uns bauten wir das Dachgeschoß aus, die Wohnung im Obergeschoß war für zwei viel zu groß. Und wir mußten mit drei Helferinnen auch schmerzfrei über das erste Jahr kommen. Alles zusammen eine knappe Million. Davon fehlte uns ein Fünftel, ungefähr der Wert der Etagenwohnung. Die Geldsäcke in den Bankfilialen machten darüber ein Faß auf. Die verzocken das Geld ihrer Kunden ja lieber im Amiland, als sich hier mit dem langweiligen Kleinkreditgeschäft abzugeben. Dagegen freuten sich unsere alten Kollegen in Frankfurt, daß sie wieder einmal ein paar Zinsen bekamen.

Daß in der Praxis zunächst ein paar Monate lang nicht viel lief, war eingeplant. In dieser Zeit lernten wir zusammen mit unseren drei Helferinnen die Brailleschrift und hospitierten drüben in der Schule. Wir hielten dort Vorträge, machten Reihenuntersuchungen und brachten den ganz Kleinen bei, wie man sich die Zähne putzt. Das sprach sich in den Verbänden herum und schon bald kamen Sehbehinderte aus ganz Hessen und dem südlichen Niedersachsen zu uns. Die Termine sind längst knapp, wie in anderen Praxen auch. Sehende Patienten behandeln wir nur noch im Bereitschaftsdienst. Aber für die Kinder aus der Blista, das haben wir fest versprochen, werden wir immer Zeit haben. Derentwegen haben wir ja die Praxis aufgemacht.

Der Zug hält im Südbahnhof. Im Gang des Waggons höre ich Schritte und Stimmen, aber die Tür unseres Abteils bleibt zu. Mein Knuddelbärchen fängt an mich zu streicheln. Das tut mir so gut … Wenn nur diese blöde Erkältung nicht gekommen wäre. Weiß der Teufel, wo ich mir die geholt habe. Zwar haben die meisten unserer Patienten noch ein Restsehvermögen und leben nicht im Dunkeln. Aber die zwei Prozent, an denen in Deutschland der Begriff „Blindheit“ festgemacht wird, sind quasi nichts. Also würde sich niemand daran stören, wenn ich den Mundschutz den ganzen Tag über nicht mehr abnahm. Tat‘s und gut war’s.

Dachte ich. Bis das eine Lungenentzündung zu werden drohte. Lisa, unsere Hausärztin, gab mir Antibiotika. Was auch sonst. Und weil es noch ein paar Tage so schön war, setzte ich mich am vergangenen Freitag unten an der Lahn in die Sonne. Immerhin hatten wir hier Ende September noch einmal fünfundzwanzig Grad. Schon am zeitigen Nachmittag glich meine Haut dem Fleisch einer reifen Melone. Bald darauf sah ich aus wie ein Stück Kirsch mit Streusel. Und dazu bekam ich dann auch noch Temperatur. Die Quaddeln juckten, es war kaum auszuhalten. Lisa fiel fast in Ohnmacht, als ich sie anrief. Eigentlich hätte ich noch fürs Wochenende einkaufen müssen. Aber sie verordnete mir Hausarrest und bat Bernd zu sich. Er brachte dann die Nachricht, daß wir beide am Abend um neun zu ihr kommen sollten.

Dr. med. Lisa Haufe, Allgemeinmedizinerin mit dem Schwerpunkt Allergologie, übernahm vor Jahrzehnten die Praxis ihres Vaters. Trotz ihrer mehr als sechzig Lenze besucht sie bis heute alle Weiterbildungen. Diese Konsultation bei Lisa, so etwas habe ich noch gar nicht erlebt. Die blaue Stunde war längst vorbei, die Nacht hereingebrochen, aber in der ganzen Praxis blieb das Licht aus. Auch der Monitor des Computers blieb dunkel, der sonst den ganzen Tag lief. Die Vorhänge am Fenster waren zugezogen, durch den roten Stoff schimmerte das Licht einer Tischlampe. An der Seite stand eine dieser altertümlichen spanischen Wände, hinter denen sich die Patienten früher umgezogen hatten. Davon hat sie sich aus unerfindlichen Gründen nie trennen können. Das Ding wurde gegen das Fenster gestellt, vor die Lampe hinter dem Vorhang. Auf ihrem Schreibtisch brannte eine Rotlichtlampe, deren Licht eine Seite ihres Gesichtes beleuchtete, ein Double unserer Lisa an die Wand zeichnete und sich zaghaft im Zimmer verstreute. Dazu fehlte jetzt nur noch ein Tarot auf dem Tisch …

Der Zug wird langsamer und hält schließlich an. Das ist Offenbach, das Stationsschild kann ich sogar in meinem Kleid lesen. Von Hanau werden wir nordwärts fahren, durch die Rhön und die Kasseler Berge schließlich nach Hannover. Draußen auf dem Gang sind Schritte zu hören. Diesmal wird die Tür des Abteils geöffnet. Eine Frauenstimme fragt im feinsten Frankfurter Dialekt, ob noch zwei Plätze frei seien. Ich merke an meiner Schulter, daß Bernd nickt.

Die Frau setzt sich mir gegenüber ans Fenster. Ganz in schwarz gekleidet, bietet sie für mich nur den Anblick eines Scherenschnittes. Geringe Kontraste filtert der Stoff meines Kleides aus. Inmitten dieser glatten Fläche sehe ich nur zwei helle Stellen, ihre Hände. Sonst ist von ihr nichts zu sehen. Überraschend ist das für mich nicht, diese Stadt leidet keinen Mangel an Muslimen. Und wer sich im Erwachsenenalter bewußt für eine Religion entscheidet, nimmt ihre Regeln meistens auch ernst. Daher kommt es, daß der Gesichtsschleier vor allem von Konvertitinnen getragen wird, die hier geboren und aufgewachsen sind. Die rechte Hand der Frau geht über ihren Kopf, dabei wird von ihrem Gesicht ein schmaler Hautstreifen sichtbar. Offenbar trägt sie einen arabischen Niqab und hat gerade die obere Lage zurückgeschlagen. Dann sagt die Frau etwas in einer Sprache, die ich nicht verstehe. Soeben konnte sie sie doch noch fließend hessisch babbeln? „Ei gude, wie?“, antworte ich, das sollte sie schon gehört haben. Und dann, ohne darüber nur eine Sekunde nachzudenken – ausgerechnet ich, von mir sieht man ja nun rein gar nichts – frage ich sie, weshalb sie den Schleier trage.

Bernd muß lachen, das ist vollkommen klar. Aber die beiden uns gegenüber lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Es klingt eher nachsichtig, als sie jetzt beginnt, aus ihrem Leben zu erzählen. Ihre Stimme kommt mir irgendwie bekannt vor. Und auch das, was sie da erzählt. Ist das nicht die Göre von den Nachbarn? Die war doch genauso impertinent und vorlaut, wie es das Mädel mir gegenüber jetzt von sich jetzt behauptet. Muß doch fragen, ob sie früher in der Textorstraße gewohnt hat. Und prompt kontert sie, ob ich nicht etwa Frau Dr. Werner sei. Jetzt bin ich platt: Werner ist tatsächlich mein Mädchenname.

Daß sie von zu Hause ausbüxte, wundert mich gar nicht. Das war nur konsequent. Dumm war sie nicht, des Nachbars Tochter. Aber faul, wie es im Buche steht. Deshalb kam sie mit ihren Eltern überhaupt nicht klar. Dann las sie der Marokkaner, der jetzt neben ihr sitzt, im Bahnhofsviertel auf. Wer weiß, was aus ihr noch geworden wäre, denn dieser Mann spricht allen Vorurteilen Hohn. Verschaffte ihr eine Lehrstelle bei seinem Zahnarzt, strietzte sie, daß sie diese Ausbildung ordentlich abschloß und beschwert sich jetzt bitterlich, daß sie dort ein Jahr nach der Lehre rausflog. Meine Neugierde geht mit mir durch. Wird nicht immer und überall behauptet, die Muslime würden ihre Frauen daheim einsperren? Und, wenn ich fragen darf – gute Helferinnen wachsen nun mal nicht am Brombeerstrauch – warum hat der Zahnarzt sie rausgeworfen?

„Mein Mann und mich einsperren“, die Frau amüsiert sich köstlich. „Und zu Ihrer zweiten Frage: Das ist kein Geheimnis, das sehen Sie ja schon selbst. Wir haben voriges Jahr in Marrakesch geheiratet, ich natürlich bis auf die Augen verschleiert. Das erste Mal in meinem Leben. Das war ein Erlebnis! Plötzlich hatte ich die Fleischbeschau so gründlich satt, daß ich meinem Mann noch in der Hochzeitsnacht schwor, das Tuch während unserer Ehe nicht mehr abzulegen. Der Zahnarzt hat mich dann sofort entlassen.“ Ihr Mann zuckt nur resignierend die Schultern: „Was sollte ich machen? Ich hab‘ ihr gesagt, daß das daheim nicht gut ankommt. Ihre Antwort war, nimm mich verschleiert oder die Scheidung. Wenn sich eine Frau einmal so etwas in den Kopf setzt …“ Na ja, seine Frau sei eben alles andere als eine Vogelscheuche, das wisse er ja. Die Kerle hingen ihr hier in Sachsenhausen ständig am Rock wie die Kletten. Insofern kann ich den Gedanken schon nachvollziehen. Nur glaube ich nicht, daß sie dann die Scheidung eingereicht haben würde.

Er will mir antworten, aber da ertönt der Lautsprecher: Wir würden jetzt Fulda Hbf erreichen. Während noch zwei Anschlußzüge genannt werden, greift die Frau hinter ihren Kopf, läßt den schmalen Hautstreifen ihres Gesichtes verschwinden und erhebt sich. Ich fasse es nicht: Die wollen hier aussteigen, in diesem stockkonservativen Nest! Einen Moment, sage ich schnell, suche hastig nach einer Visitenkarte und bitte den Mann, er möchte doch nächste Woche einmal am Abend anrufen. Dabei hält der Zug, seine Frau drängt ihn aus dem Abteil.

„Da, schau mal, die beiden stehen auf dem Bahnsteig und winken“, sagt Bernd, als der Zug wieder anfährt. „Was hast Du eigentlich vor?“ Mensch, Bernd, sage ich zu ihm, dieses Mädchen schickt uns der Himmel. Sieh Dir das an, die hat es drauf und rennt vollverschleiert durch Fulda! Sowas stellt doch keiner ein. Wie sie bei uns in der Praxis rumläuft, ist mir egal. Maria, meine gute Seele, kann neuerdings mit ihren Beinen kaum noch stehen. Setzen wir sie nicht bald an den Tresen, wird sie nicht mal mehr die letzten Monate bis zu ihrer Rente schaffen. Und wer tut es sich denn heutzutage sonst noch an, wegen so einer Teilzeitstelle Braille zu lernen? Ich will die jetzt, sofort. Wir können doch so eine Frau nicht hinhalten, bis am Jahresende der Kredit abbezahlt ist. Und es wird ja ohnehin ein halbes Jahr dauern, bis sie bei uns ohne Hilfe klarkommt. „Wann geht denn Maria in Rente? War das nicht erst in zwei Jahren?“ Ich schüttele den Kopf: Bernd, wo lebst Du, sie geht im Sommer, zusammen mit ihrem Mann. Und ich gönne es ihr von Herzen. Bernd erschrickt: „Dann wird es ja höchste Zeit, nach einer Nachfolgerin zu suchen. Ist sie als Helferin wirklich so gut, dann ist es von dem Kollegen eine Dummheit gewesen, sie rauszuwerfen. Aber das wird sich ja herausstellen.“ Bernd, wäre sie eine Niete, hätte sie der Kollege nach der Lehre doch gar nicht erst behalten, sondern sich gleich eine neue Azubine genommen. Die beiden wissen ganz genau, daß sie mit Aufschneiden keinen Blumentopf gewinnen. „Und Du meinst, daß Ihr miteinander klarkommt? Ihr scheint Euch doch in Sachsenhausen regelmäßig in den Haaren gelegen haben.“ Jetzt muß ich lachen. Und wir? War doch bei uns am Anfang genauso. Aus einem richtigen Zoff entstehen die besten Freundschaften. Mein Gott, Bernd, die hat ihre Chance genutzt. Da werde ich ihr doch jetzt nicht die Kehrwochen nachtragen, die sie als Schulmädchen vergessen hat. Bernd nickt: „Gut, wenn Du Dir so sicher bist, dann beantragen wir eben einen Zuschuß vom Arbeitsamt. Ist Dir übrigens aufgefallen, daß sie Dich nicht nach Deinem Kleid gefragt hat?“ Ja, gerade deshalb, antworte ich nur.

Bernd holt tief Luft, er schließt den Vorhang an der Tür. Der Zug fährt weiter. Um die Praxis muß ich mich jetzt nicht weiter kümmern. Morgen früh werde ich in Bochum dem Professor gegenübersitzen. Und der wird sich mit Lisas Arztbrief nicht zufrieden geben. Unsere liebe Lisa und ihre Kleinkunstbühne …

Lisa wußte, daß sie uns nicht mit hohlen Phrasen kommen durfte. Also schenkte sie mir ohne lange Umschweife reinen Wein ein: Ich müsse damit rechnen, daß das Antibiotikum eine Photoallergie ausgelöst habe. So etwas komme zwar statistisch gesehen nur einmal alle zweihundert Jahre vor. Aber – Statistik hin oder her – Lisa hatte vor Jahren schon einmal so einen Fall. Die Patientin war stadtbekannt, als Steuerberaterin hatte sie auch viele Ärzte betreut. Sie sei schließlich nach Tromsø gezogen. So dicke müsse es bei mir zwar nicht gleich kommen, Gewißheit würden wir aber erst mit den Testreihen haben. Und die könnten nicht in Angriff genommen werden, solange die akuten Symptome nicht abgeklungen seien.

Soweit leuchtet mir das ein. Momentan bin ich zwar glatt wie ein Babypopo, aber Lisa befürchtet offenbar, daß sich das stündlich ändern kann. Ihre Worte werde ich so schnell nicht vergessen: Ab sofort, sagte sie zu mir, habe ich jegliche Eitelkeit abzulegen und mich stets vernünftig anzuziehen. Darüber hinaus sei zunächst nichts zu veranlassen. Lisa ist nun unsere letzte sehende Patientin und wir vertrauen uns gegenseitig blind, aber ich mußte dabei ziemlich verständnislos dreingeschaut haben. Einerseits war ich auf Medikamente nun wirklich nicht mehr scharf. Andererseits konnte ich nicht so recht glauben, daß diese Quaddeln, die so unerträglich juckten, einfach so verschwinden sollten, wie sie gekommen waren? Ohne Salbe, einfach so? Und was heißt ‚vernünftig anziehen‘? Ich lebe zwar nicht im Kloster, aber einen BH trage ich trotzdem. Dennoch juckt meine Brust ebenso wie das Gesicht und die Arme. Lisa hörte mir mit ihrer Engelsgeduld zu, zog dabei eine Schublade auf und nahm zwei Vordrucke heraus. Das eine, hochkant mit zwei halblangen Durchschlägen daran, war eindeutig eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Das andere im Querformat, entweder eine Überweisung zum Facharzt oder eine Krankenhauseinweisung, aber auf keinen Fall ein Rezept. Während sie mir ruhig weiter zuhörte, griff Lisa nach einem Stift und begann diese Formulare auszufüllen. Schließlich blickte sie mich an und nahm ihre Brille ab. „Nein, Astrid, einfach so ändert sich an diesem Zustand gar nichts“, antwortete sie, mit der Brille gestikulierend, „Abgesehen davon, daß Dir bald ein kräftiger Vitamin-D-Mangel droht und der auf Dauer gar nicht lustig wäre, brauchst Du keine Medikamente. Trotzdem wird Dir diesmal nichts, aber auch gar nichts geschenkt.“ Sie unterschrieb die Formulare und fragte mich, ob ich meinen Pulli und diesen Hauch von BH schon einmal gegen das Licht gehalten hätte. Und danach Bernd, was ich seiner Meinung nach noch unbedeckt lassen könne. Er sah meine auf Kartoffelgröße geschwollenen Augen an und zuckte schließlich nur noch mit den Schultern.

Jetzt streichelt seine Hand mir über den Stoff, der meinen Kopf umschließt. In den Tunneln, die bald zwischen Fulda und Kassel im Stakkato folgen, werde ich bei dem trüben Licht im Abteil faktisch blind sein. Alleine unterwegs, würde ich jetzt die Panik kriegen, das weiß er nur zu gut. Hätte ich ihn nicht vor Jahren einmal ins „Grande Opera“ geschleppt, ich wäre mir jetzt durchaus nicht so sicher, ob er an diesem Bondagespiel nicht doch seinen Spaß hat. Damals ließ seine Antwort keine Fragen offen: Nach der Besichtigung des Spielkellers verließ er mit mir das Lokal, führte mich demonstrativ in die schäbigste Bude am Ort, kaufte dort dem erstbesten Hausierer sämtliche Rosen ab und machte mir bei Thunfischpizza und Cabernet Spätlese in aller Form seinen Antrag. Bald ist es eine Woche, seitdem er mein Gesicht nun nicht mehr sehen darf. Und mein letzter Anblick war für ihn auch alles andere als begeisternd. Wie lange er das wohl noch mit diesem Gleichmut hinnimmt?

Es ist längst dunkel, als der Zug schließlich in Hannover ankommt. Für heute ist unsere Fahrt beendet. Bernd hat ein Zimmer in dem Hotel gebucht, in dem wir früher bei unseren Vortragsreisen abgestiegen sind. Der Nachtportier empfängt uns wie immer ausgesucht freundlich und bringt uns ein fürstliches Abendmahl aufs Zimmer. Morgen werden wir bei Sonnenaufgang schon wieder im Zug sitzen und weiter nach Bochum fahren.

2.

Morgens um halb zehn hält der ICE im Bochumer Hauptbahnhof. Bernd stellt die Koffer auf den Bahnsteig und hebt mich aus dem Waggon. Zwei Frauen schauen mir interessiert dabei zu, wie ich trotz des dichten schwarzen Stoffes vor meinem Gesicht zielstrebig zum Ausgang marschiere. Auf dem Weg zum Taxistand geht Bernd in einen Buchladen im Bahnhof, um eine Tageszeitung zu kaufen. Da liegen auch Kataloge des Lingener Versenders, von dem mein Kleid stammt. Er nimmt einen mit. Den Taxifahrer bittet Bernd, uns ins katholische Krankenhaus zu bringen. Dessen Hautklinik begeht heuer, im Jahr 2011, ihr hundertjähriges Jubiläum. Lisa wußte offenbar ganz gut, weshalb sie mir diese Reise zumutete.

Der Fahrer trägt uns die Koffer in das Foyer der Klinik. Die Empfangsdame zeigt uns den Weg zum Bürotrakt. Aus dem Fahrstuhl treten wir in einen mäßig beleuchteten, fensterlosen Gang. Der kommende Montag ist der dritte Oktober. Heute, am Freitag, ist hier nicht viel los. Bernd sagt mir, was auf den Türschildern steht: Die Pflegedienstleitung, die Buchhaltung, ein paar Oberärzte. Hinten rechts fällt ein Lichtstreifen auf den Gang. Die Tür ist halb offen, das ist das Chefsekretariat. Bernd klopft, eine Frauenstimme ruft „Herein“. Ich stelle uns vor und erkläre, daß ich heute vormittag einen Termin bei Professor Reich hätte.

„Das bin ich“, sagt die Frau, „mein Name ist Ewa Reich. Bitte nennen Sie mich um Himmels Willen nicht ‚Frau Professor‘. Ich kann diesen Personenkult nicht ab. Und sie“ – sie weist auf die junge Frau hinter dem Schreibtisch – „ist Carla, sie ist jetzt im fünften Jahr ihrer Facharztausbildung.“ Ich schlucke: Solange dauert das Studium der Zahnheilkunde. Carla mußte vorher aber erst noch zwölf Semester Medizin absolvieren. Jetzt ist sie dreißig und hat noch keinen einzigen Euro verdient. Und da regen sich die Leute über die Gehälter von Fachärzten auf …

Wir sitzen an einem runden Tisch neben dem Fenster. Ich in der schattigen Zimmerecke, Frau Reich so neben mir, daß ihr die Sonne direkt ins Gesicht scheint und ich sie gut sehen kann. Bernd mit dem Rücken zum Fenster, er ist für mich jetzt ein Scherenschnitt, so wie gestern des Nachbars Tochter im Zug. Carla mir gegenüber, sie macht sich Notizen. Frau Reich blickt eine Weile auf den schwarzen Stoff des Kleides, der meinen Kopf verdeckt.

„Willkommen in unserer Klinik, Frau Škoda“, beginnt sie schließlich. „Und herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Hausärztin. So etwas Hartnäckiges wie Frau Dr. Haufe habe ich seit vielen Jahren nicht mehr erlebt. Und bei Youtube habe ich mir den Bericht angesehen, den die ARD vor drei Jahren über Ihre Praxis brachte. Der hat mich sehr beeindruckt. Bis zum Jahresende sind bei uns alle Betten belegt. Deshalb bitte ich Sie beide recht herzlich, meine Gäste zu sein. Aber zunächst muß ich Ihnen ein paar Fragen stellen. Dann sollten wir zu mir nach Hause fahren, da können Sie sich dann etwas frisch machen. Nach dem Mittagessen würde ich Sie gerne sehen wollen. Und um zwei sind wir wieder zurück in der Klinik, da erwartet uns die Kollegin im Labor. Sind Sie damit einverstanden?“ Was für eine Frage. Wie sollten wir nicht?

Nachdem sie mich nach meinem Medikamentenkonsum fragte (der beschränkte sich in den letzten Monaten auf diese unseligen Antibiotika), muß ich ihr über den vergangenen Freitag berichten. Sie interessiert sich bis ins Detail für meine Kleidung, in welcher Richtung die Sonne stand und natürlich auch dafür, was ich so mitbekommen habe. Das ist nicht viel: Ich hatte mich mit einem Buch auf eine Bank gesetzt, ab und zu in die Sonne geblinzelt und als ich plötzlich sah, daß meine Arme rot wurden, bin ich schleunigst nach Hause gegangen. Bei der Beschreibung der übrigen Symptome hilft Bernd. Lediglich mein knielanger Jeansrock habe einen Teil meines Körpers vor diesem Hautausschlag bewahrt. Überall sonst hatten sich mehr oder weniger rasch und deutlich diese Quaddeln verbreitet, auch unter meinem BH und auf dem der Sonne abgewandten Rücken. Das konnte kein Sonnenbrand sein. „Und Sie haben wirklich kein Prickeln gespürt?“, fragt Frau Reich. „Damit kündigt sich das Unheil meistens an.“ Ich zucke mit den Schultern: Wenn, dann habe ich darauf wohl nicht geachtet. Das Buch, es handelte von einer Namensvetterin, die Anfang der achtziger einen Brustkrebs überlebt, war ja nicht uninteressant. Alles, was Frau Reich darauf sagte, war ein „Hm, na ja, muß ja wirklich spannend gewesen sein.“

Das bin ich von Lisa aber anders gewohnt. Ich erkläre ihr, daß ich jetzt eine neue Assistentin einstellen wolle. Und ich fände es sehr unfair, dieser Frau Hoffnungen zu machen, während mir womöglich die Berufsunfähigkeit ins Haus stünde. Frau Reich schaut mich an: „Wieso denn BU? Warum nimmst Du nicht einfach schwarze Nitril-Handschuhe? Die haben noch dazu den Vorteil, daß Du Dir nicht auch noch eine Latexallergie einfängst.“ Weil Frau Reich mein Lächeln nicht sehen kann, frage ich sie betont ruhig, dabei beiläufig ihr Du aufgreifend, ob sie mir solche Handschuhe einmal zum Probieren geben könne. Sie stutzt einen Moment, dann antwortet sie: „Danke Astrid, ich bin die Ewa. Erinnert mich bitte im Labor daran, wir müßten auch schwarze haben.“

Nach einer kurzen Pause fährt sie fort: „Deine liebe Lisa Haufe hat mir Stein und Bein geschworen, daß Du hier beschwerdefrei ankommst und gedrängelt, daß wir auch sofort mit den Untersuchungen anfangen. Euch beiden stünde die Arbeit bis zum Hals. Zugeben, ich war neugierig, wie Ihr das zuwege bringen würdet. Die Antwort hast Du mir ja nun gegeben. Und jetzt kommst Du mir mit BU. Also nimm es mir bitte nicht übel, aber das irritiert nun schon etwas.“ Ich antworte ihr, daß Lisa eben eine Steuerberaterin vom Ort erwähnt habe, die wegen einer Lichtallergie nach Tromsø zog. Wer gibt denn ohne Not eine gut laufende Kanzlei auf und tut sich dafür die Polarnacht an? Ewa zuckt mit den Schultern: „Tja, Astrid, einige der ‚photoallergischen Reaktionen‘ kann man mit Abhärtung in den Griff bekommen. Andere werden in der Regel Lebensgefährten, so wie ein Tinnitus. Mit denen muß sich jeder auf seine Art arrangieren. Ob die Steuerberaterin nur nicht darauf kam oder ob Deine Lösung für sie so abwegig erschien, wie für Dich jetzt ihre damalige … Ihre Beweggründe werden wir nicht mehr erfahren. Was die Patienten aus unseren Ratschlägen machen, ist ja ihre Sache.“ Beim letzten Satz klang Ewas Stimme schon resignierend. So wie sich das anhört, kann man mit ihr Pferde stehlen, wenn man bei der Therapie nur konsequent mitmacht.

„Astrid, zur Diagnose gehört natürlich der Umfang der unverträglichen Lichtbestandteile. Entweder wirst Du die konsequent aus Deiner Umgebung fernhalten oder, wo das nicht geht, Deine Haut davor schützen müssen. Bei den meisten Patienten ist das nur UV-A, das Schwarzlicht und UV-B, die Dorno-Strahlung. Also den Wellenlängenbereich von 280 bis 380 Nanometer. Ich sagte ganz bewußt ‚nur‘, weil man sich dabei noch mit entsprechender Kleidung, starker Sonnencreme und UV-Schutzfolien behelfen kann. Bei Dir drängt sich eine Reaktion auf sichtbares Licht aber geradezu auf. Und da ist das natürlich viel schwieriger. Aber die LED-Technik ist heute soweit, daß man ein frequenzsauberes Licht auch bei akzeptablen Leuchtstärken erzielen kann. Heute muß keiner mehr im Dunkeln sitzen. Ihr seid Hauseigentümer und selbständig. Ihr habt, im Gegensatz zu dieser Steuerberaterin, eine für optische Herausforderungen unempfängliche Kundschaft. Das sind nahezu ideale Voraussetzungen, um selbst mit diesem Problem fertig zu werden.“ Hm, Ewa propagiert eine konsequente Vermeidungsstrategie, Abhärtung wäre das glatte Gegenteil. Ich zupfe mir die zwei Lagen Stoff vor meiner Nase zurecht. Es sieht mir schon ganz danach aus, als ob das Kleid für die nächste Zeit ein treuer Wegbegleiter würde. Aber Hannelore Kohl mußte diese Voraussetzungen doch vor zehn Jahren auch gehabt haben?

Ewa schüttelt den Kopf: „Nein. Das war quasi vor Urzeiten, wenn man den technischen Fortschritt betrachtet. Der Fall von Hannelore Kohl ist aber keiner wissenschaftlich fundierten Diskussion zugänglich. Die Familie hat bis heute nichts veröffentlicht. Und mit ihren eklatanten Widersprüchen disqualifiziert sich ein großer Teil der damaligen Berichterstattung selbst. Nimm nur die bekannten Tatsachen: Helmut Kohl trat 1998 nicht freiwillig ab. Und kurz darauf folgte die Spendenaffäre, wegen der er fast drei Jahre lang permanent unter Beschuß stand. Nachdem Hannelore Kohl die Millionen eingesammelt hatte, mit denen er die Familie in die Haftung gebracht hatte, ging sie. Diese Kraft hätten viele gar nicht aufgebracht. Falls sie tatsächlich an einer Lichtallergie litt, kann die nur ein Mosaikstein gewesen sein. Ich hatte schon damals den Eindruck, daß man vor allem ihr Andenken nicht beschädigen wollte. Machen wir es kurz, Astrid: Keine Lichtallergie ist lebensbedrohlich. Man darf nur nicht zulassen, daß die eigene Umgebung sie dazu macht.“

„Wie meinst Du das, Ewa?“, fragt Bernd. „Indem man sich nicht durch vermeintlichen oder tatsächlichen gesellschaftlichen Druck Auswege abschneiden und Lösungen verbauen läßt. Bernd, wir verfolgen die Presse doch auch. Da schreibt die Mopo Berlin von einer Frau, deren Lippen auf UV reagieren. Die deswegen tagsüber nur noch daheim bleibt und dadurch die Arbeitsstelle sowie ihr soziales Umfeld verliert. Und das nur, weil sie sich wegen der Leute nicht traut, ein Tuch vor dem Mund zu tragen. Ich bitte Dich, wegen der Leute! Und darüber dürfen wir uns dann noch nicht einmal öffentlich die Haare raufen. Meinst Du wirklich, wir könnten einer Patientin wie Deiner Frau zur Vollverschleierung raten?“

Können würdest Du schon, aber natürlich darfst Du das so direkt nicht, erwidere ich. Lisa hat das ja auch nicht gemacht. „So, hat sie das nicht?“ „Nein. Lisa hat wortwörtlich gesagt, ich möge alle Eitelkeiten beiseite legen und mich vernünftig anziehen. Darüber hinaus sei nichts zu veranlassen.“ Ewa lacht: „So kann man das auch sagen. Und, was hältst Du für vernünftig?“ Vieles, aber Hausarrest der Presse und dahergelaufener Flachpfeifen wegen bestimmt nicht, antworte ich. „Stimmt auffallend. Aber bring‘ das mal einer Patientin wie dieser Berlinerin bei“, sagt Ewa und schaut auf die Uhr. „Wir müssen jetzt aber los, wenn Du noch unter die Dusche willst.“

Vor dem Eingang des Klinikgebäudes fiel mir vorhin schon dieser VW-Bulli auf, der direkt unter einem Halteverbotsschild parkt. Dieses Schmuckstück entpuppt sich jetzt als das Auto der Klinikchefin. Sie bittet uns einzusteigen. Mit einer Geste zu dem Verkehrsschild erklärt sie: „Der einzige Luxus, auf dem ich bestehe, wenn ich hier schon Tag und Nacht antreten muß. Parkplätze sind überall Mangelware. Unser Abschlepper lebt ganz gut davon, mir den hier freizuhalten.“ Ewa setzt sich zu uns in die Sitzgruppe, Clara fährt. Sie verläßt die Stadt auf einer Ausfallstraße, biegt irgendwann links ab und folgt dann einem Waldweg. Nach zwanzig Minuten Fahrt hält sie vor einem Tor. Dahinter steht rechts ein großes Blockhaus, links davon schimmert ein See durch die Bäume.

Ewa bittet uns herein. Es geht eine Treppe hinunter, durch zwei Brandschutztüren. Die bilden eine Lichtschleuse. Zwischen den Türen ist der Heizungsraum. Hier unten haben alle Lampen rote Glühbirnen. Ewa öffnet links eine Tür, ein roter Strahler leuchtet auf. „Das ist jetzt Euer Zimmer“ sagt sie. „Die Kellerfenster hat Carla letztes Wochenende mit schwarzer Farbe verdunkelt. Die müssen sowieso nächstes Jahr raus. Den Leuchtstofflampen haben wir die Zünder entfernt. Ihr braucht also keine Angst haben, den falschen Lichtschalter zu erwischen. Fühlt Euch wie zu Hause. Links neben Eurer Tür sind Gästebad und Toilette. Wir haben es jetzt halb zwölf durch. In einer halben Stunde gibt es Mittagessen. Ich bin im Zimmer gegenüber.“

Ich bin froh, jetzt endlich aus meinen Sachen zu kommen. Das Hotelzimmer in Hannover war nicht abzudunkeln gewesen. Unter dem Umhang, den mir mein Schwesterherz aus einer Burka genäht hat, damit ich unterwegs essen und trinken kann, würde ich im Bett keine Luft bekommen haben. Wir gehen zusammen in die Dusche und holen schnell die Nacht nach. Kurz nach zwölf klopft Ewa an. Es gibt Thunfischpizza, freilich nicht mit Rotwein. Ewa und Carla schauen mich im roten Licht des Strahlers interessiert an. Dann erzählt Ewa von dem Tanzkreis, dessen Vorsitzende sie ist. Drei ihrer Paare machen bei den Turnieren eine gute Figur und greifen auch immer wieder Preise ab. Die Mehrzahl der Gruppen habe aber Breitensportcharakter. Wer einen vernünftigen Discofox und einen akzeptablen langsamen Walzer aufs Parkett brächte, würde sich gar nicht blamieren können. Morgen beim Tanztee gehe ohnehin alles ganz entspannt zu. Die Pizza war prächtig, Carla räumt ab. Bernd und Ewa heben den Tisch beiseite.

Ewa schiebt mich vor den Strahler und schaut sich meine Haut genau an, vor allem das Gesicht und die Augenpartie. „Kaum zu glauben und das nach der Reise. Darf ich mal sehen?“ Bernd holt meine Sachen und zeigt Ewa das Kleid. Das hat zwar nur kurze Ärmel und reicht gerade mal bis knapp über den Schritt. Der Clou ist der lange Kragen, der eigentlich als Wasserfall getragen werden soll. Ein Schlauch, in der Mitte seiner Länge nach innen gefaltet, die beiden offenen Enden zusammen unten am Oberteil des Kleides angenäht. An der Bruchkante mit zwei Ösen und einer Kordel versehen. Kann man also wie einen Sack über dem Kopf zusammenbinden. Die Innenlage des Kragens hat einen kleinen eckigen Ausschnitt bekommen, so daß ich durch den dort jetzt nur noch einfach liegenden Stoff ganz gut sehen und atmen kann. Dann ein Overall aus starkem, lichtundurchlässigem schwarzen Stoff, Socken und lederne Fingerhandschuhe. Ewa nimmt das Kleid zur Hand und blickt durch den Ausschnitt in der Innenlage des Kragens. Sie schüttelt den Kopf und schaut noch mal nach meiner Augenpartie. Bernd zieht unter dem Overall eine schwarze Schlafmaske hervor. In die sind zwei schmale Augenschlitze eingearbeitet, in der Mitte nicht etwa drei Millimeter breit. „Die Quaddeln waren damit im Laufe des nächsten Tages verschwunden, so wie Lisa uns das vorhergesagt hat“, erklärt Bernd. Autofahren kann ich damit natürlich nicht. Wenn das nicht weggeht, werde ich meinen Führerschein zurückgeben, füge ich hinzu. Ewa nickt. „Ich hatte ja insgeheim schon gehofft, Ihr könntet zaubern. Denn durch einen Stoff, durch den man atmen kann, kommt immer auch Licht durch.“

Carla geht ans Regal, nimmt aus einer Schale einen dunklen Stift und zeigt ihn mir. „Der reflektiert kein infrarotes Licht. Ich werde Dir jetzt die Stellen markieren und nummerieren, an denen nachher im Labor die Reaktion Deiner Haut getestet wird. Anschließend fotografiere ich Dich, um das zu dokumentieren. Die Kamera ist auf Infrarot umgebaut und Deinen Kopf wird man auf den Bildern nicht sehen.“ Carla malt acht Rechtecke, jeweils zwei auf meine Oberarme und die Oberschenkel und schreibt zweistellige Zahlen dazu. Ewa erklärt: „Das nennt man Lichttreppentest. Wir bestrahlen diese Stellen Deiner Haut mit Licht bestimmter Wellenlänge. Die Zahlen sind Nanometerzehntel. Das Spektrum reicht von Ultraviolett, was langwelliger ist als Röntgenstrahlen, bis ans Infrarot. Daß Patienten auch auf sichtbares Licht reagieren, kommt schon selten genug vor. Und da ging die Empfindlichkeit bisher auch nur in den Blaubereich, also noch weit unter 500 Nanometer. Wir hier überall rote Lampen, weil da der Abstand auf jeden Fall groß genug ist.“ Carla brüht mir eine Tasse Tee auf. „Bis Du den getrunken hast, ist dann auch die Farbe getrocknet.“

Ewa nutzt die Zeit und schaut sich derweil noch einmal mein Kleid an. „Gefällt mir, das ist schön geschnitten. Wo habt Ihr das her?“ „Das kannst Du im Internet bestellen“, antwortet Bernd, „bei EMP in Lingen. Die nennen das Ding ‚Turtleneck Longshirt‘.“ Ewa nimmt einen Zettel und schreibt sich das auf. Dabei sagt sie zu mir: „Komm, zieh Dich an. Die Kollegin im Labor wartet schon.“ Ich ziehe die dicken Socken und die langen Handschuhe an, Bernd hilft mir in den Overall. Die Schuhe und die Schlafmaske, dann streife ich mir das Kleid über. Zum Schluß gleitet der Kragen über mein Gesicht nach oben und schließt sich über mir, Bernd bindet die Kordel straff zu. Fertig. „Gut, dann raus mit Euch. Ich mache noch mal das Fenster auf und bin dann gleich am Auto.“

3.

Der alte T1 hat zwei einander zugewandte Sitzbänke, dazwischen ist ein schmaler Tisch. Wir sitzen hinten, Bernd hilft mir beim Schließen des Sicherheitsgurtes. Carla sitzt auf dem Fahrersitz und hat sich zu uns umgedreht. Sie sagt, daß die Chefin einen Narren an ihr gefressen haben müsse, denn sie darf nun schon das zweite Jahr bei ihr wohnen, müsse nur den Haushalt schmeißen und bekomme dafür auch noch ein kleines Gehalt. Ich frage nur, was sie jetzt im fünften Jahr machen müsse. Jetzt, zum Ende der Ausbildung, sei die Arbeit mit Allergiepatienten an der Reihe. Und außerdem, das sei zwar im Curriculum so nicht vorgesehen, verlange die Chefin von jedem ihrer Absolventen eine Publikation unter eigenem Namen. Wer später mal habilitieren wolle, habe damit schon mal den ersten Schritt gemacht. Auf meine Frage antwortet sie, daß sie bislang noch kein Thema habe. Ich wende meinen Kopf zu Bernd, er nickt: „Warum nicht? Carla, wenn Du willst, werden wir das Ewa schmackhaft machen.“ Sie schüttelt mit dem Kopf: „Besten Dank. Das Thema muß sich jeder selbst suchen. Ewa will vorher nur gefragt werden, seitdem ihr jemand mal den Witz vom Regenwurm erzählen wollte. Den kannte sie eben schon.“

Ewa kommt aus dem Haus, setzt sich zu uns. Carla schließt die Flügeltür auf der rechten Seite des Busses. Bevor sie den Motor startet, dreht sie sich zu Ewa um und erklärt ihr, daß sie mit mir ihre Arbeit schreiben möchte. Ewa schaut mich an. Ich antworte ihr, daß ich das sehr gut fände. „Na dann, viel Erfolg, Carla. Am Sonntag fährst Du zusammen mit Bernd, am Dienstag bist Du bitte am Abend wieder hier. Ein Tag muß für die Besichtigungen reichen.“ Carla dreht den Zündschlüssel, Ewa wendet sich jetzt mir zu: „Die Zeit bis Weihnachten werdet Ihr brauchen, damit Ihr Euer Leben wieder in den Griff bekommt und Du Deine Sicherheit am Stuhl zurückgewinnst. Bis dahin wird Lisa Dich krankschreiben.“

Wir kommen ins Labor. Natürlich muß Carla jetzt den Lichttreppentest durchführen, Ewa und die Laborleiterin schauen ihr dabei zu. Zunächst fragen sie Carla den Testablauf ab. Nach einer Viertelstunde schaltet die Laborleiterin schließlich die Raumbeleuchtung aus. Jetzt darf ich mich ausziehen und auf die Liege. Carla hatte mir acht Rechtecke aufgemalt und die mit der Zahl dreißig beginnend in Fünferschritten beschriftet. Ewa meint zu mir, daß eigentlich nicht mehr als die Hälfte der Punkte Reaktionen zeigen sollten. Nach einer knappen Stunde fängt es tatsächlich an meinen Beinen zu prickeln an, der linke Arm kommt dann auch noch dazu. Die sechs Stellen werden bald darauf rot, dann dick. Und auch dieser teuflische Juckreiz läßt nicht mehr lange auf sich warten. Ich könnte alle Dermatologen der Welt auf den Mond schießen. Aber was soll’s, denke ich mir dann, Bernd und mich sieht man ja auch lieber von hinten …

Als wir wieder in Ewas Bulli sitzen, setzt sie sich selbst ans Steuer und schickt Carla zu uns nach hinten. Die Autobahn A40 ist wie immer zu dieser Tageszeit zugeparkt, wir fahren durch Höntrop, Steele und Bergerhausen. Dann kommt das Ortseingangsschild Essen in Sicht. Ewa stellt den Bulli am Kopstadtplatz ab, wir marschieren auf die andere Seite des Gebäudes zum EMP Store. Vollkommen klar, daß dieses Ding nicht einfach nur Laden, Geschäft oder Niederlassung genannt werden darf.

Carla schleppt Bernd und mich zunächst in die Ecke mit dem Modeschmuck. Er müsse, wenn er daran Freude haben wolle, sein Tannenbäumchen nun schon selbst anputzen. Da mag ich ihr zwar nicht widersprechen, aber im Katalog fand ich nur ein paar Hals- und Armketten als Silberimitat. Dafür aber wunderschönen Ohrschmuck ohne Ende, mit dem ich natürlich nichts anfangen kann. Also bitte ich Ewa, morgen mit mir noch bei Bijou Brigitte vorbeizufahren. Carla zeigt mir einen fast knöchellangen schwarzen Mantel mit einer riesigen Kapuze, dazu ein Paar Stiefel mit dreißig Zentimetern Schaftlänge. Das war bisher nicht so mein Fall, jetzt bin ich hin und weg. Damit, ein Paar Handschuhen und einem dichten, langen Gesichtsschleier, wäre ich nach ein paar Handgriffen schon abmarschfertig angezogen. Bernd nimmt das letzte Kleid meiner Größe, denn ich werde wohl länger bleiben müssen als ursprünglich gedacht. Für heute reicht das. Die Verkäuferin drückt Ewa ein Paket in die Hand, Ewa reicht ihr einen Zweihunderter über den Tresen. Sie bekommt davon noch ein bißchen Kleingeld zurück. Bei mir reicht das dagegen noch nicht einmal, obwohl man über die Preise dieser Truppe wirklich nicht meckern kann.

4.

astrid_und_bernd
Ewa beim Morgenspaziergang, das Bild wurde von Carla aufgenommen

Ewa bat gestern Bernd, sie bei ihrem Morgenspaziergang rund um den See zu begleiten. Sie wolle das Kleid testen, wie sie sagte; Carla konnte nicht anders, als sie dabei zu fotografieren. Sie verschwanden, während ich noch schlief. Als ich dann aus dem Bad kam, sah sich Ewa gleich meine Quaddeln an, während Carla in unserem Zimmer das Frühstück servierte. Jetzt sitzen wir auf der Terrasse und genießen den Blick auf den See. Gesprächsstoff gibt es genug, Bernd muß morgen schon in aller Frühe zum Bahnhof. Mich wird später mein Schwesterherz nach Hause bringen. Clara bittet uns um einen Grundriß der Praxis. Ihr Freund sei Innenarchitekt und könne uns nachher, wenn er komme, vielleicht schon ein paar Tipps geben.

Während Bernd zeichnet, frage ich Carla, was sie gestern im Labor festgestellt habe. Sie druckst herum, aber Ewa läßt ihr nichts durchgehen: „Komm, Carla, heraus mit der Sprache. Nächstes Jahr mußt Du alleine laufen.“ Carla greift in ihre Mappe und nimmt ein Diagramm heraus, welches das Spektrum des sichtbaren Lichtes zeigt. Sie tippt mit dem Finger auf die Wellenlängenangabe: „Bis 500 Nanometer waren bei Dir an sämtlichen Meßpunkten kräftige Reaktionen da. Die 600 und 650 nm blieben dagegen eindeutig stumm.“

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Sie schiebt mir das Blatt herüber, Bernd zeigt für mich noch einmal auf diese Punkte, schließlich kann ich die Zahlen nicht sehen. Der schwarze Stoff meines Kleides dämpft das Licht und verringert Kontraste, ohne dabei die Farben zu verfälschen. Bei 500 Nanometer geht Blau in Türkis über. Carla hat zu dem Meßpunkt bei 550 Nanometer nichts gesagt. Also wird der kein eindeutiges Ergebnis gebracht haben, muß irgendwo in der Gegend die gesuchte Grenze liegen. Grün und Gelb sind da schon ziemlich dicht dran, Carla wird also die Testreihen wie im Iterationsverfahren fortsetzen müssen.

Das heißt, die Wellenlängen von Violett und Blau gelten jetzt schon als vermintes Gelände, frage ich schließlich Carla. „Du sagst es, Astrid.“ Na, prima, antworte ich. Für die Polymerisation einer Kompositfüllung verwenden wir Licht blauer LED’s, dessen Wellenlänge so zwischen 450 und 490 Nanometern liegt. Und ganz abgesehen davon: Egal, was sich bei Deinen nächsten Tests zeigen wird – bei Tageslicht und außerhalb der Wohnung werde ich entweder permanent verschleiert oder binnen Stundenfrist eine reife Tomate sein. Das steht jetzt schon mal fest. Ich mache eine kurze Pause und frage dann: Also geht es jetzt doch nur noch darum, welche Wellenlänge das Licht in der Wohnung haben soll? Denn so könnten wir heute schon anfangen zu planen und müßten nur die Leuchtmittel außen vor lassen.

„Im Prinzip schon“, antwortet sie. „Es sei denn, kannst beim Arbeiten zumindest zeitweise auf Farbechtheit verzichten und Du delegierst das Aushärten der Füllungen.“ Ich zucke mit den Schultern: Auch wenn das die neue Helferin erledigen würde, müßte ich sie dabei noch beaufsichtigen. Dabei den Stuhl oder gar das Zimmer zu verlassen, ist nicht.

„Na dann, herzlich willkommen in Khamis Mushait“, antwortet Carla.

Bevor ich fragen kann, was sie damit meint, tritt ein junger Mann an den Tisch. Carla steht auf und stellt Felix vor, ihren Freund. Carla erklärt ihm unsere Situation. Aber Felix würdigt Bernds Zeichnung kaum eines Blickes, seine Augen kleben förmlich an mir. „Astrid, ich würde an Eurer Stelle die Sprechzimmer tauschen, so Du hinten neben dem Röntgengerät arbeitest“, sagt Carla schließlich. „Im hinteren Drittel des Korridors mit zwei lichtdichten Vorhängen eine Schleuse einbauen. Dann brauchst Du nur noch die zwei Fenster verdunkeln, um das Licht in dem ganzen Bereich mit der Teeküche unter Kontrolle zu haben. In der Küche würde ich dafür, wie im Korridor, bodenlange Vorhänge verwenden. Im Sprechzimmer dagegen eine elektrische Jalousie und die von der Behandlungseinheit aus steuern.“

Das klingt ganz gut, sage ich. Ich könnte so eine Reihe Arbeiten ohne die Augenmaske erledigen, die mein Gesichtsfeld ja doch ganz schön einengt. Bernd, was meinst Du? „Gute Idee. Ein paar Vorhänge, eine Jalousie und neue Stuhlbeleuchtung für Dich – damit werden wir wenigstens in der Praxis noch mit einem blauen Auge davonkommen.“ Ich zucke etwas unschlüssig mit den Schultern: Die LED-Leuchten mit Vollspektrum finden keine ungeteilte Begeisterung unter den Kollegen. Die würden manches Kompositmaterial fast schon am Spatel hart werden lassen. Deshalb hatte ich es mit dem Ersatz meiner Halogenlampe bisher noch nicht so sonderlich eilig gehabt.

Jetzt endlich bekommt Felix einmal die Augen von mir los: „Bedenken Sie dabei bitte“, sagt er zu Bernd, „daß textile Vorhänge vorzügliche Brandbeschleuniger sind. Sie dürfen dafür nur schwerentflammbar imprägnierte Stoffe verwenden. Anderenfalls macht Ihnen der Brandinspektor die Praxis zu. Diese Stoffe dürfen Sie auch nicht waschen, weil dabei die Appretur verloren ginge. Die meisten Raumausstatter bedienen nur Privatkunden. Und die sind ihrerseits auch nicht bereit, für mehr Sicherheit Geld auszugeben. Gerriets in Umkirch, das liegt im Breisgau, fertigt auch Bühnenvorhänge. Dort wird man Sie kompetent beraten.“ Damit dreht sich sein Kopf auch schon wieder zu mir.

Ewa hat derweil ihren Laptop aufgeklappt und zeigt Carla etwas. Die winkt ihren Freund zu sich. „Felix, guck Dir das bitte mal an“, sagt sie, auf Ewas Laptop weisend. Ich frage, ob ich neugierig sein dürfe und mir das jemand vorlesen könne. Ewa antwortet, sie hätte bei Google „husband never see his wife’s face“ eingegeben. Da seien von 2007 bis 2010 verschiedene Zeitungsberichte aus Saudi-Arabien verzeichnet. Geht es um dieses Khamis Mushait, von dem Carla vorhin sprach, frage ich. Ewa nickt: „Ja, zwei Artikel. Einer davon ist vom 5. Dezember letzten Jahres, scheint aber dasselbe Thema zu sein. Dann sind da noch Berichte aus 2007 und 2008, von der Daily Mail. Südlich von Riad gibt es verschiedene Gegenden, wo sich die Mädchen am vierzehnten Geburtstag verschleiern und den Schleier vor niemandem mehr abnehmen. Auch nicht daheim vor den eigenen Eltern, dem Ehemann und den Kindern. Hier wird berichtet, daß ein Mann nach dreißig Ehejahren den Schleier seiner Frau lüften wollte, während sie schlief. Und sie hat daraufhin die Scheidung verlangt. Und nach einem anderen Bericht will ein junges Mädchen ein halbes Jahr lang ihren Bruder geschnitten haben, nachdem der ihr an die Wäsche ging. Ihre Mutter hätte ihm das Leben zur Hölle gemacht, würde sie ihn verpfiffen haben.“

Hm, aus unserer Sicht vielleicht ein bißchen übertrieben, meine ich. Aber wie viele Frauen werden hier in Europa im Alter sitzen gelassen, weil der Mann sich eine Jüngere geangelt hat? Und die Versorgung einer Geschiedenen ist dort sicherlich zu vernachlässigen, es drücken sich ja hier schon genug Kerle vor dem Unterhalt. Also ist das nichts anderes als eine durchaus vernünftige Altersvorsorge, noch dazu völlig unabhängig vom Zinsniveau am Kapitalmarkt. Die funktioniert freilich nur, wenn die Männer keine Alternativen haben. Das Konzept wird wohl durch gruppendynamische Prozesse abgesichert sein.

Ich wundere mich gerade, weshalb Ewa das jetzt Carla zeigt. Da springt deren Freund an, in einem Tonfall, der es mir kalt den Rücken hinab rieseln läßt: „Carla, Du hast doch nicht etwa schon wieder Probleme mit Deiner Allergie?“ Carla zögert mit der Antwort; es ist offensichtlich, daß sie sich nur noch mühsam beherrscht: „Schau Dir die Astrid an, die sitzt bei praller Sonne ganz gemütlich mit uns im Garten. Andere hocken mit diesen Symptomen nur noch im Haus, ziehen an den Polarkreis oder gar auf den Friedhof. Wenn ich jetzt noch einmal ausfalle, waren die ganzen Jahre hier für die Katz, dann kann ich auch die Einstellung abschreiben. Und ich bin auch so nicht mehr bereit, mir diese Folter noch einmal anzutun.“

„Hm, na ja, aber was willst Du machen?“ fragt er irritiert. Carlas Geduld ist jetzt am Ende: „Mensch, Du kriegst doch Deine Augen die ganze Zeit über nicht von Astrid los. Wieso fragst Du da noch? Nach dem Ringtausch wird mir die Standesbeamtin den Schleier anlegen. Damit fange ich nicht zum ersten Pollenflug an, denn das wäre für mich die Kapitulation vor dem Gras. Im Winter habe ich die Augen noch frei. Außerhalb der Klinik bin ich ab Februar immer und überall komplett zu, so wie jetzt Astrid. Überlege Dir wirklich sehr gut, ob Du damit klarkommst.“

Felix nimmt Carla in den Arm und gibt ihr einen Kuß. „Reicht das als Antwort?“ „Mir würde es bei weitem nicht reichen“, sagt Ewa betont ruhig und sieht ihn dabei an. Carla schüttelt den Kopf: „Nein, Felix. Nachher gehen wir mit Astrid und Bernd zu einem kurzen Bummel in die Stadt, dann zum Tanztee und am Abend ins Konzert. Du bist eingeladen, mich zu begleiten.“ Die Stimmung ist eisig geworden, mich fröstelt. Ewa steht auf und klappt den weißen Laptop zu. „Astrid, Ihr wolltet doch noch etwas einkaufen. Lassen wir die zwei jetzt alleine, zum Mittagessen sind wir wieder da.“

Wir sind kaum losgefahren, da beginnt Ewa zu erzählen: „Carla ist quasi ein wandelndes Kompendium für Allergologen. Sie wollte vom ersten Tag des Studiums an Dermatologin werden, weil sie den Kollegen nach ihrer Odyssee durch Kindheit und Jugend nun nicht mehr über den Weg traute. Kann man ja verstehen. Sie will die neuesten Fachkenntnisse über ihre Krankheit haben. Also besucht sie sämtliche Weiterbildungen und hält mit mir zusammen die Patientenvorträge. Später will ich sie dann bei uns die Lichtallergiker behandeln lassen, deshalb kamt Ihr uns wie gerufen. Alles in allem eine schöne Aufgabe für Carla. Aber leider mußte ihre Facharztausbildung nun schon verlängert werden, weil sie im Sommer immer wieder ausfiel. Wir haben jetzt seit Jahren endlich wieder mal eine Stelle frei. Die kann ich ihr nicht ewig warm halten, irgendwann steigt mir der Betriebsrat wegen der Überstunden auf’s Dach. Die Einstellungszusage der Klinik wird aber ohne Facharzt hinfällig. Nur damit Ihr wißt, was für sie auf dem Spiel steht.“

Mir bleibt zunächst die Spucke weg. Du hast also das Thema vorhin nicht zufällig auf dem Rechner gehabt, frage ich Ewa schließlich. „Nein, Carla hat mich darum gebeten. Auf der Suche nach einer Lösung ihrer Probleme ist sie auch auf die Klamotten der Araberinnen gestoßen. Sie hat den halben Schrank voll von den Sachen und die auch diesen Sommer hier im Garten getragen. Zu Ostern und Pfingsten ging es ihr damit auch ganz gut. Bis sie nach den Feiertagen und einer Woche Urlaub wieder in die Klinik ging, da war alles wieder vorbei. Davon scheint der Felix nichts zu wissen.“ Nichts wissen zu wollen, korrigiere ich Ewa, das trifft es wohl eher. Ich weiß nicht. Fachlich ist vielleicht an ihm nichts auszusetzen, der Hinweis von ihm ist schon wichtig, aber … Vorhin kriegte der doch meinetwegen die Hose schon nicht mehr zu.

„Astrid, das ist mir auch aufgefallen. Carla ist auf ihn richtig sauer geworden, so habe ich sie noch nie erlebt. Ich bezweifele nur, daß er unter dem Druck des Mobs zu ihr halten wird.“ Steht er denn überhaupt zu ihr, so wie er sie vorhin angeblafft hat, frage ich zurück. Und wann wollten die beiden denn eigentlich heiraten? „Kommendes Wochenende.“

5.

Wir sitzen in einem Cafe im RuhrPark, schräg gegenüber ist die Filiale von Bijou Brigitte. Der Geruch des Kaffees, den sich Ewa hat kommen lassen, kriecht langsam durch die zwei Lagen Stoff vor meiner Nase. Bernd übt sich in Solidarität mit mir und schaut Ewa zu. Sie stellt die Tasse ab und fragt mich, was ich denn gerne haben wolle. Das Kleid sei ganz nett, meint sie, aber so völlig ohne Schmuck könne man als Frau dann doch nicht herumlaufen. Vielleicht etwas am Kopf, um das Bündchen zu kaschieren, antworte ich. Es darf nur nicht wie eine Bommelmütze aussehen. Und dann noch eine lange Kette, möglichst schlicht. Mit dem Schmuck gestern bei den Essenern bin ich nicht so recht warm geworden, ich möchte da lieber etwas mehr Eleganz.

„Ich könnte mir an Deinem Kleid auch rot gut vorstellen“, meint Ewa. „Bernd was sagst Du? Jetzt komm uns bloß nicht damit, daß es Dir egal ist.“ „Wieso nicht? Am Geschmack meiner Frau war noch nie etwas auszusetzen. Was sie macht, sitzt einfach auf dem Punkt.“ „Mag ja sein. Jetzt mußt Du ran, in dem Kleid ist sie erheblich sehbehindert.“ „Stimmt. Und genau das geht nicht immer und überall, Ewa. Ich bin ja mit Astrid vollkommen einer Meinung, daß ein glatter Stoff erheblich besser aussieht als zwei unmotiviert in der Landschaft sitzende Knopflöcher. Alltagstauglich ist das Kleid aber nur bedingt, das hast Du ja heute früh selbst festgestellt. Und seitdem trägst Du den Kragen nur noch offen.“

„Bernd, für Astrid war es im ersten Moment eine schnelle Lösung, mit der sie offenbar auch zufrieden ist. Immerhin, sie ist damit recht flott und auch ohne fremde Hilfe angezogen. Das werdet Ihr noch zu schätzen wissen. Mit ihren arabischen Klamotten hat Carla da deutlich mehr Aufwand zu treiben, manchen Handgriff schafft sie nicht mal alleine. Deshalb bin ich sehr dankbar, daß Ihr uns das Kleid gezeigt habt. Für Carla ist es ideal, wenn im nächsten Jahr wieder die Pollen fliegen. In der Klinik selbst hat sie keine Probleme. Aber sie muß den Arbeitsweg schaffen, kann auch draußen bei mir nicht ständig in der Bude hocken. Und damit hat sie stets eine Maske zur Hand, die abgenommen nicht besonders auffällt.“

Bernd, Augenschlitze würden, so schmal sie für mich sein müßten, in jedem Kleidungsstück eher wie Mottenfraß aussehen. Außerdem muß das Teil mit den Augenlöchern so am Kopf fixiert werden, daß die stets exakt vor meinen Pupillen bleiben. Das funktioniert bei dem Kleid nicht, da brauche ich ein größeres Sichtfeld. Ein großes Loch und eine Augenmaske darin sichtbar – das wäre das Letzte, worin ich nach der Arbeit herumlaufen würde, ja noch nicht einmal zu Hause. Mit dem Kleid bin ich jetzt erst einmal zufrieden, im Moment brauche ich da eigentlich nichts. Bernd schüttelt dazu nur energisch mit dem Kopf: „Ewa, gibt es hier nicht ein Geschäft, wo man Stoffe kaufen kann?“ „Ja, alfatex in der Dorstener Straße, warum?“ „Ich brauche für Astrid ein paar Gesichtsschleier, in denen sie auch lesen, nach der Uhrzeit schauen, am Computer arbeiten und sich in schlechtem Licht bewegen kann. Und sie muß darin gut atmen können. Sie ist ja noch eine Weile hier und kann in der Zeit nicht einfach nur Däumchen drehen.“

Als wir kurz vor Mittag zu Ewas Haus kommen, steht das Auto von Felix nicht mehr da. Bernd stellt den Bulli ab und lädt zwei Ballen schwarzen Stoffes aus. Ewa hat seine Kritik nicht auf sich sitzen lassen. Noch im Textilgeschäft drückte sie Bernd den Autoschlüssel in die Hand, zog sich unter den Augen der Verkäuferinnen den Kragen über den Kopf und verknotete die Kordel straff. So steigt sie jetzt aus dem Bus und macht auch keine Anstalten, sich den Schleier abzunehmen. Carla läuft aus dem Haus und bewundert mich. An der linken Seite meines Kopfes prangt eine rote Rose, meine Brust ziert eine schlichte Kette aus Edelstahl. Schwarz-Rot-Gold mußte es dann doch nicht sein.

Heute vormittag trug Carla eine Bluse. Jetzt hat sie einen weißen Pulli an. „Sag mal Carla, waren wir uns nicht einig, die Kleider anzuziehen?“, fragt Ewa. Carla stutzt einen Moment. Solange nur ich verhüllt war, war stets klar, wer gerade spricht. Anstelle einer Antwort bekommt Ewa von ihr zwei Ringe in die Hand: „Besten Dank, Ewa. Das Schreiben hier sollten wir nachher beim Standesamt einwerfen, wenn wir in die Stadt fahren.“ „Und wo ist Felix?“ „Mit einem dumpfen Knall geplatzt ist es, das forsche Büblein. Ich kam vorhin in meiner blauen Abaya, weißem Halbniqab und Handschuhen auf die Terrasse. Da endlich begriff er, daß es mir ernst ist. Er warf seinen Verlobungsring auf den Tisch, stieg ins Auto und fuhr ab. Ohne ein einziges Wort.“

II. Bernd

Was eine Frau haben will, bekommt sie letztlich auch. In Astrids Fall war ich das Objekt der Begierde. Allerdings, das muß man im Rückblick sagen, war der Zeitpunkt dafür denkbar ungünstig gewählt. Am Institut schien es gerade einige gegeben zu haben, die Dienst und Schnaps nicht so recht auseinanderhalten konnten. Bemerkungen von Patienten häuften sich, die Geschäftsleitung ging dem nach. Das Ergebnis war ein Rundschreiben mit der dringenden Bitte, das Institut nicht mit der Schwarzwaldklinik zu verwechseln. Dazu eine Urlaubssperre auf Grund neuerlicher Personalengpässe in der Ambulanz. Das ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Astrid hatte sich also die Aufgabe gestellt, einen kapitalen Hecht aus dem Teich zu ziehen, ohne dabei naß zu werden. So etwas kann man auch als sportliche Herausforderung sehen.

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Freilich ahnte ich davon nichts. Eines Tages lud mich eine gute Bekannte zu einer Ü30-Party ein. Sie suchte keine Begleitung, sie ging mit ihrem Mann hin. Ich hatte die beiden schon lange nicht mehr gesehen und sagte deshalb spontan zu. Und es kam mir auch nicht einmal seltsam vor, daß zu dieser Party nur Ehepaare eingeladen waren. Fast, denn da war noch diese Frau …

Sie wollte inkognito bleiben. Es war früher ganz selbstverständlich, den Wunsch einer Dame zu respektieren. Warum nicht auch heute. Der Stoff vor ihrem Gesicht versprach einen spannenden Abend mit ihr, auch ohne Alkohol. Und die Gewißheit, daß sie mir nicht in der nächsten Minute Zigarettenrauch ins Gesicht blasen würde. Denn damit wäre das Spiel für mich beendet gewesen. Weit nach Mitternacht, auf meine Frage, ob ich sie noch einmal sehen dürfe, antwortete sie nicht etwa „Vielleicht“, sondern „Warum denn nicht? Mich zu erkennen, wird Dir ja nicht schwerfallen.“

Das war Ende Februar. Ich schlug ihr Kino, Operette und klassisches Konzert vor, sie entschied sich für letzteres. Und kam im langen roten Abendkleid, darunter einen schwarzen samtenen Zentai und auf dem Kopf eine lange blonde Echthaarperücke. Anschließend gingen wir noch Tanzen. Wir standen im Mittelpunkt des Interesses, nur nicht das des Barkeepers.

So vergingen die Wochen: Sie investierte in Anzüge, ich in Eintrittskarten. Das machte auch ihr mehr Spaß, als sich in den Bars einnebeln zu lassen. Ich wollte natürlich wissen, mit wem ich es zu tun hatte. Aber auch, wer von uns beiden in diesem Spiel den längeren Atem haben würde.

Sie trug später meistens einfarbige, dunkle Lycraanzüge unter ihren Kleidern. Die waren von erheblich besserer Qualität als die Sachen am Anfang: Da gab es keine Falten am Unterarm, da löste sich keine Naht … Ich fragte sie, wo man denn heute noch so etwas bekäme. „In Freiberg, in Sachsen. Stell‘ Dir vor, ich habe den Steffen angerufen. Abends um acht. Der wollte von mir tatsächlich die Länge jedes einzelnen Fingers wissen. Und das ist im Preis mit drin.“ Sie zeigte mir ihre Hände, da war tatsächlich nirgends Luft in den Fingerspitzen. Auch nach einem halben Jahr blieb ihre Kopfhaube stets zu. Sie erwartete mich irgendwo im Park auf einer Bank, nach dem Abend setzte ich sie in ein Taxi. Inzwischen hatte sie soviele Anzüge gekauft, daß es so problemlos noch ein Jahr weitergehen konnte.

Ende August hatten wir Streß im Institut. Das bestand aus mehreren Abteilungen, neben der Ambulanz gab es beispielsweise noch Sektionen für Prothetik oder Kieferorthopädie. Wir Spezialisten kamen ins Spiel, wenn sich Probleme in der Ambulanz nicht lösen ließen. Was manchen von uns dazu verleitete, die Arbeit dieser Kolleginnen geringzuschätzen. Dafür soll ich das Paradebeispiel gewesen sein.

Eine Patientin zog zu Gericht und die Dokumentation gab nicht das her, was der Anwalt für den Prozeß brauchte. Deshalb focht ich am Vormittag mit einer Kollegin aus der Ambulanz einen heftigen Streit aus. Am späten Nachmittag dieses Tages traf ich mich dann mit meinem Zentai-Girl am Stadtwald. Wir gingen eine Weile spazieren, als sie mir plötzlich den Rücken zuwandte, sich in den Nacken griff und den Reißverschluß der Kopfhaube öffnete. Im Umdrehen drückte sie mir einen Dauerbrenner auf den Mund, daß mir Hören und Sehen verging. Und noch während des Kusses griff sie wieder in ihre Haube, die trennte unsere Lippen, ich nahm im Reflex den Fotoapparat hoch. Bis der Autofokus zugriff und den Verschluß freigab, war nur noch ihre Stirn zu sehen:

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Ich hatte durch den Sucher nur kurz in ihre Augen gesehen, wußte aber, wer da vor mir stehen mußte. Und richtig: Während ich noch von dem Kuß ganz benommen war, wusch sie mir schon nach allen Regeln der Kunst den Kopf. Natürlich hatte sie Recht: Wir mußten das Dilemma mit der Patientin zwar ausbaden, hatten es aber beide nicht verbockt. Ich bat sie um Verzeihung, sie zögerte keine Sekunde: „Wenn Du daraus lernst, gerne. Aber so etwas bietest Du mir kein zweites Mal.“ Und eine Weile später kam es aus dann ihrem Anzug: „Und wenn Du möchtest, daß meine Kopfhaube noch einmal lose kommt, dann laß bitte in Zukunft das Knipsdingens zu Hause.“

Ich wurde wieder rot, hätte sie natürlich um das Bild bitten müssen. Es gibt eben Menschen, die nicht in ein Objektiv lächeln können. Die werden instinktiv sauer, wenn sie eine Kamera auf sich gerichtet sehen. Will man von ihnen schöne Bilder haben, muß man sie überraschen. Und danach zwei Tage lang mit der Katz fressen. Deshalb gibt es von Astrid keine Bilder. Nur solange sie ihr Gesicht verbarg, kam sie damit klar.

Ich ließ das Knipsdingens zu Hause, aber die Kopfhaube kam trotzdem erst im Spätherbst das nächste Mal lose. An dem Tag wollte Astrid wissen, ob ich auf Spielereien stehe. Sie schleppte mich also ins „Grande Opera“. Auf dem Weg in den Keller blieb sie auf halber Treppe stehen. Begeisterung sieht zwar ganz anders aus, aber sich darauf überhaupt einzulassen, setzt grenzenloses Vertrauen voraus. Schließlich konnte sie mit mir genauso gut ins Ledermuseum gehen. Ich kam hinter ihr die Treppe herunter, sah, wie sie da stand und um was es in dem Keller ging. Also nahm ich sie an die Hand und war mit ihr binnen Minutenfrist aus dem Etablissement verschwunden. An diesem Abend lud sie mich dann auch das erste Mal zu sich nach Hause ein. Nicht nur, um ihr nach dem Essen die Rosen nach Hause zu tragen. Die wären ihrem Anzug natürlich gar nicht gut bekommen.

Das dritte Mal sah ich ihr Gesicht am Morgen unserer Hochzeit. Sie wußte natürlich, daß man sie an dem Tag hunderte Male ablichten wollte. Das würde unweigerlich zu einem Eklat geführt haben. Ihre Lösung war ein Leotard mit angenähtem knielangem Rock, Armen, Handschuhen und geschlossener Kopfhaube. Das ganze Teil hatte keinen einzigen Reißverschluß, auch die Kopfhaube war ringsum am Oberteil vernäht. Sie trug dazu Leggings und weiße Pumps. Weißer Stoff würde ihr die Kontraste so weit herabgesetzt haben, daß sie darin blind gewesen wäre. Das Hochzeitskleid bestand aus dickem, rotem Lycrastoff. Und natürlich stammte es von den Freiberger Schneiderinnen, von wem sonst.

Die Standesbeamtin kam nach dem Frühstück ins Haus, sah sich unsere Ausweise an, es gab Ja-Wort, Unterschrift, Küsschen und Ringtausch – alles in Astrids Zimmer. Damit war der gesetzlichen Form Genüge getan. Astrid verschwand danach durch die Öffnung im Schritt ihres Brautkleides, Andrea steckte ihr einen Schleier aus rotem Tüll und ein Blumenkränzchen auf die Kopfhaube, dann gab es die komplette Zeremonie für die Gäste im Standesamt noch einmal. Der Fotograf war ziemlich irritiert, mit dem glänzend roten Stoff dieses Brautkleides kam der Autofokus seiner Kamera gar nicht zurecht.

Astrid hatte es tatsächlich die ganze Zeit über fertig gebracht, im Institut an mir vorbeizugehen, ohne dabei mit der Wimper zu zucken und mir mehr als ein kollegiales Lächeln zukommen zu lassen. Ein ganzes Jahr lang, bis zur Hochzeit. Das kann ich heute noch nicht begreifen. Genauso wie es jetzt viele nicht begreifen wollen, daß sie keine einzige Minute zögerte, sich für den Rest ihres noch jungen Lebens komplett zu verschleiern. Und daß sie dabei selbst Augenöffnungen in ihrer Kleidung mit solcher Vehemenz ablehnt.

Die genannten Institutionen existieren tatsächlich.

Die handelnden Personen sind dagegen erfunden, Namensgleichheiten und andere Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen sind rein zufällig.

Copyright © 2014, Peter

Weiter zum zweiten Teil der Trilogie, „Andrea“ …

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