Die Überraschung – Teil 2

Die Überraschung – Teil 2

Teil 1

Unterwegs fiel mir ein, das ich ja noch die Kleidung die ich die letzten 3 Wochen getragen habe bei mir trug. Wie sollte ich meiner Mutter das erklären? Und schon wieder schossen mir unzählige Gedanken in den Kopf die ich nur schwer unter Kontrolle bringen konnte. Was sollte ich machen. Ich musste meine Gedanken erstmal sortieren bevor ich nach Haus ging. Also in das nächste Cafe und sammeln.
Letztlich war die Lösung ganz einfach. Ich erzählte ihr einfach wie es war, und auch, dass ich diese 3 Wochen das Leben meiner Mutter geführt hatte und wie meine Mutter auch vollständig verschleiert war.
Meine Mutter schaute mich skeptisch an. Ich vermute sie wusste nicht wie sie das ganze einordnen sollte. Wir saßen am Küchentisch wie eh und je und doch war es anders. Ich hatte eine neue Erfahrung gemacht und erzählte ich davon. Ich denke für sie stellte sich nun die Frage, war es ein Anfang oder nur eine Episode im Leben. Das wusste ich ja selbst nicht genau, wenn ich ehrlich zu mir bin. Ich hatte für mich zwar entschieden mein altes Leben weiter zu leben, aber ich könnte nicht sagen ob dies immer so bleiben wird. Ich musste mich erst mal wieder daran gewöhnen. Und genauso unsicher wie ich war auch meine Mutter.
Mir war bewusst, dass sie mich nicht verlieren wollte. Natürlich würde sie immer meine Mutter bleiben. Aber es wären unterschiedliche Kulturen und für Sie muss es sich wie ein Verlust anfühlen. Ich wollte Ihr das nicht antun. Aber andererseits habe ich auch eine leibliche Mutter die eben diesen Lebensstil führt.
Mir wurde langsam bewusst, dass ich zwischen verschiedenen Stühlen saß und eigentlich nur verlieren konnte, egal wie ich mich entschied. Einen von beiden würde ich mit meiner Entscheidung vermutlich verletzen. Ohne es zu ahnen habe ich mich ungewollt in die Nesseln gesetzt. Aber so richtig. Und ich hatte keine Ahnung wie ich dort wieder rauskommen sollte. So fieberhaft ich auch überlegte, mir fiel keine Lösung ein. Ich musste mit jemandem darüber reden, aber wem konnte ich diese Geschichte anvertrauen, ohne Gefahr zu laufen, dass die Geschichte Stadtgespräch wird.
Mit einem Mal wusste ich mit wem ich sprechen konnte. Katie meine Chatfreundin aus den USA. Ihr könnte ich alles anvertrauen ohne Gefahr zu laufen, dass das weiter erzählt wird.
“Hi Katie wie geht’s dir?”
“Gut und dir”
“Eigentlich auch gut, aber ich brauche deine Hilfe.”
“Gern. Schieß los was brennt dir auf der Seele”
Ich schilderte ihr die ganze Geschichte von Anfang an bis zum heutigen Tage.
“Jetzt hast du aber ein richtiges Problem”
“Ja ich weiß und ich habe keine Ahnung was ich nun tun soll”
“Liebes erstmal solltest du dich entspannen und ein paar Tage ins Land gehen lassen bevor du irgendeine hektische Aktion startest die letztlich nach hinten losgeht. Gewinne Abstand und versuche zunächst auf andere Gedanken zu kommen. Das beste ich du machst ein oder 2 Wochen Urlaub um dich abzulenken. ”
“Danke du hast mir echt geholfen. Ich war fieberhaft am Überlegen was ich tun soll und wollte das Problem am liebsten sofort lösen. Aber du hast recht es ist besser einige Zeit verstreichen zu lassen um das ganze aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Danke du bist die beste”
“Zuviel des Lobes. Wenn du später noch eine Entscheidungshilfe benötigst können wir gern nochmal chatten.”
“Danke und bis bald.”
Urlaub ist jetzt genau das richtige um den Kopf frei zu bekommen aber wohin. Nach kurzer Überlegung war klar, dass es Italien sein wird. Das Dolce Vita wird mich bestimmt auf andere Gedanken bringen. Also Internet angeschmissen und nach Hotels geschaut. Nachdem ich ein tolles Hotel gefunden hatte habe ich meiner Mutter von meinen Plänen erzählt und mich kurzfristig verabschiedet.
Der Urlaub war herrlich und entspannend. Ich habe mich die ganze Zeit amüsiert, war am Strand und am Abend auf der Promenade auf der immer viel los war. Vor allem habe ich nicht ständig an die Situation gedacht in die ich mich gebracht hatte. Die Gedanken diesbezüglich wurden immer weniger und ich genoss die Zeit, die nicht hätte enden müssen. Aber leider ist auch die schönste Zeit einmal zu Ende und die Rückkehr stand an.
Wieder Zuhaus, stand für mich fest, mein Studium zu beenden und dann einen Job zu suchen und zu arbeiten. Die 3 Wochen mit meiner leiblichen Mutter waren sehr schön und ich werde diese Zeit auch immer in Erinnerung behalten, aber es war letztlich nur eine Episode. Ich hatte mich damit gegen meine leibliche Mutter und für meine Mutter die mich aufgezogen hat entschieden. So war zumindest mein Gefühl.
“Rede Dir bitte keine Schuldgefühle ein. Du hast eine Entscheidung für dein Leben getroffen und nicht gegen deine Leibliche Mutter oder mich, wenn du dich dafür entschieden hättest deiner leiblichen Mutter zu folgen. Auch ich habe in den letzten 3 Wochen nachgedacht und hätte auch eine andere Entscheidung akzeptiert. Ich habe in der Zeit als du im Urlaub warst Kontakt mit deiner Mutter und deinem Vater aufgenommen. Schließlich haben sie ja auch meine Tochter groß gezogen. Deine Mutter hat meine leibliche Tochter inzwischen auch über diese Verwechslung informiert. Es ist ihr nicht leicht gefallen, auch da Soraya ziemlich geschockt war. Deine Eltern werden mit Soraya und ihrer jüngsten Tochter in 2 Wochen nach Deutschland kommen. Dann werden wir uns treffen und miteinander besprechen wie es weitergehen soll. Leider ist durch die Offenbarung deiner Mutter ein weiteres Problem aufgetaucht. Der Mann von Soraya hat, obwohl weder Soraya noch ihre Eltern etwas für die Verwechslung konnten, umgehend die Scheidung eingereicht. Ich verstehe nicht was in den gefahren ist, insbesondere, dass keiner von uns betroffenen auch nur die geringste Schuld hat. Soraya und auch deine Mutter sind, was mehr als verständlich ist, total am Boden zerstört. ”
Das kann doch wohl nicht wahr sein, das ganze wird immer komplizierter. Jetzt auch das noch.
“Und wieso hat er die Scheidung eingereicht. Das macht doch überhaupt keinen Sinn. ”
“Er hat das damit begründet, das Soraya gar nicht zur Familie gehörte und er daher getäuscht wurde, als ihm die Tochter zur Ehefrau versprochen wurde. Das Problem an der ganzen Sache ist, das Soraya keine Staatsbürgerin ist, da sie verwechselt wurde und somit keine leiblicher Abkömmling ist. Aufgrund dessen darf sie auch nicht in Saudi-Arabien bleiben, und da sie auch kein Visum bekommt.”
“Ich fass es nicht. Wo leben wir eigentlich.”
Ich konnte nicht glauben was meine Suche nach meinen leiblichen Eltern alles für Folgen nach sich zog. Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich die Suche sicher nicht gestartet.
Und plötzlich schoß mich ein Gedanke durch den Kopf. Ich weiß nicht wieso. Eigentlich konnte mich das auch gar nicht treffen. Meine Eltern hatten dem nun nicht mehr Schwiegersohn, Soraya, ihre Tochter, zur Ehefrau versprochen. Diese Tochter bin eigentlich ich. Heißt das jetzt das ich diesen Typen heiraten muss? Oder ist das ganze hinfällig?
Quatsch. Das konnte mich ja gar nicht betreffen, da ich deutsche Staatsbürgerin bin und ich mich auch nicht so einfach verkuppeln lassen würde.
“Sag mal, was ist denn jetzt eigentlich mit dem Ehemann von Soraya. Kann der von meinen leiblichen Eltern jetzt eigentlich verlangen, dass sie Ihm die richtige Tochter zur Ehefrau geben?”
“Wie kommst du den jetzt auf so ein Schmarrn.”
“Der Gedanke ist mir eben gekommen. Ich bin eigentlich ihre leibliche Tochter Soraya.”
Meine Mutter wurde mit einem mal aschfal. Dieser Gedanke war wohl weder ihr noch meiner leiblichen Mutter gekommen.
“Daran hatte ich ja noch gar nicht gedacht. Und ich denke deine Mutter auch nicht. Aber ganz ehrlich, ich denke nicht, dass er das verlangen wird. Aber wir sollten trotzdem gleich anrufen und mit Fatima darüber sprechen..”
Der Gedanke war geboren und ließ mich nicht wieder los.
“Hallo Hier ist Karin Meier. Hallo Fatima, Melanie hört auch mit. ”
“Hallo Karin, hallo Melanie, schön von euch zu hören. Wie geht es euch”
“Uns geht es gut, Melanie ist heute aus dem Urlaub zurückgekehrt und ich habe ihr erzählt, das ihr bald nach Deutschland kommt. Ich habe ihr auch von eurem Schwiegersohn und der Scheidung erzählt. Und Melanie hatte plötzlich einen Gedanken, der uns nicht loslässt. Wenn ich mich recht entsinne hattet ihr eurem Noch Schwiegersohn eure Tochter Soraya als Ehefrau versprochen. Das ist doch richtig oder?
“Ja”
“Wie lange gilt so ein Versprechen und muss es immer eingelöst werden?”
“Es sollte immer eingelöst werden. Natürlich können Umstände eintreten in denen dieses Versprechen nicht eingelöst werden kann. Es gilt eigentlich so lange, bis es eingelöst ist oder sich anderweitig erledigt hat, die Braut oder der Bräutigam sterben vor Einlösen mal als Beispiel. Aber ich verstehe nicht worauf ihr hinauswollt.”
“Ganz einfach Melanie ist eure eigentlich eure Tochter Soraya. ”
“Das ist wahr, daran hatte ich ja noch gar nicht gedacht. Das wird immer komplizierter. Ich weiss nicht ob in diesem besonderen Fall das Versprechen als eingelöst gilt. Ich werde mit Mahmood sprechen. Ich melde mich wieder”
Die Nesseln in die ich mich gesetzt hatte wurden immer größer. Als ich Abend im Bett lag schoß mir unvermittelt der Gedanke in den Kopf, dass der geschiedene Ehemann von Soraya nun von seinen Schwiegereltern die Erfüllung des Versprechens fordern würde und meine Eltern mich mit dem früheren Schwiegersohn verheirateten. Ich würde dann ein Leben in Purdah führen wie ich es ähnlich kennen gelernt hatte. Nur würde das dies mal kein Ende haben sondern dauerhaft sein.
Es war vollkommen verrückt, der Gedanke quasi zu so einem Leben gezwungen zu werden erregte mich ungemein. Ich war noch nie so erregt und befriedigte mich selbst. Als ich von meinem Höhepunkt wieder auf Normal angelangt war, habe ich die Situation sachlich analysiert.
Selbst wenn das Versprechen, welches meine Eltern gegeben hatten weiterhin Bestand haben sollte, lebe ich in Deutschland und nicht in Saudi-Arabien. Und ich lasse mich auch nicht einfach so verheiraten. Das können meine Eltern nicht von mir erwarten. Außerdem, wer wollte mich auch dazu zwingen, einen solchen Schritt zu gehen. Deutschland ist ein freies Land mit gleichen Rechten für jeden Menschen. Würde der Schwiegersohn meiner Eltern überhaupt die Erfüllung ihres Versprechens fordern. Das mag vielleicht in Saudi-Arabien möglich sein, aber nicht in Deutschland. Auch wenn meine Eltern mir leidtun, sich in einer solchen Situation wieder zu finden, können Sie von mir nicht verlangen das Versprechen einzulösen. Glücklicherweise lebe ich in Deutschland und nicht in Saudi-Arabien. Mit diesem Gedanken bin ich eingeschlafen.
Am nächsten Morgen, nachdem wir gefrühstückt hatten klingelte das Telefon und meine leibliche Mutter war dran.
“Hallo Melanie, schön mit dir zu sprechen. Wie geht es dir. ”
“Mir geht´s gut Mama und euch?”
“Uns geht es auch gut. Dein Vater hat gestern mit einem geistlichen und einem Rechtsanwalt gesprochen. Die Rechtslage ist nicht eindeutig. Der Rechtsanwalt meinte, dass das Versprechen verwirkt ist, da wir in gutem Glauben gehandelt haben. Wir konnten nicht damit rechnen, dass ihr vertauscht worden seid. Es gibt aber keinen Präzedenzfall, daher ist es schwierig eine konkrete Aussage zu treffen.
Gleichwohl könnte ein geistlicher Richter die Auffassung vertreten, dass das Versprechen nicht erfüllt wurde und daher noch der Erfüllung bedarf. Der Geistliche tendierte in die gleiche Richtung. Es hängt davon ab, was vorgetragen wird und wem der Richter Glauben schenkt. Glücklicherweise ist bisher noch keine Aufforderung zur Erfüllung des Versprechens eingegangen.”
“Und was machen wir, wenn euer früherer Schwiegersohn auf die Erfüllung des gegebenen Versprechens besteht? ”
“Ich denke wir sollten das besprechen, wenn wir in Deutschland sind. Ich freue mich dich wieder zu sehen und deine Mutter kennen zu lernen. Soraya und Aisha möchten dich auch kennenlernen. ”
“Ok. Dann besprechen wir das dann. Ja ich bin auch schon sehr gespannt meine Schwestern zu sehen.”
Nachdem wir noch ein wenig miteinander gesprochen hatten haben wir uns verabschiedet.
“Tja Mama und Papa haben auch noch keine Lösung und offensichtlich ist das rechtlich auch nicht ganz klar. Wir wollen das besprechen, sobald wir uns hier treffen.”
“Ok. Ich werde aber auf alle Fälle einen Rechtsanwalt aufsuchen um den Sachverhalt zu klären.”
Die nächsten Tage zogen sich wie Kaugummi. Ich saß in Vorlesungen, aber bekam nur wenig mit. Ich musste immer wieder daran denken, was passiert, wenn der frühere Schwiegersohn auf die Erfüllung des Versprechens drängt.
Meine Mutter hatte inzwischen mit einem Rechtsanwalt gesprochen und dieser hat ihr bestätigt, dass das in Saudi-Arabien gegebene Versprechen hier in Deutschland nicht einklagbar ist. Da ich deutsche Staatsbürgerin bin, käme auch eine Auslieferung, auch wenn das sehr weit hergeholt wäre nicht in Betracht. Also kein Grund sich irgendwelche Sorgen zu machen.
Endlich war der Tag da, das meine Eltern ankommen sollten. Wir würden sie im Hotel treffen.
Ich hatte mich konservativ gekleidet wie damals als ich meine leibliche Mutter das erste Mal getroffen habe. Ich hatte aber auch die Sachen dabei die mir meine leibliche Mutter geschenkt hatte. Ich hatte mir überlegt sie damit zu überraschen. Vorher hatte ich das mit meiner Mutter besprochen, ob sie etwas dagegen hat. Sie war etwas überrascht, als ich Sie danach fragte und meinte nur, wenn ich das möchte. Also habe ich die Sachen eingepackt und so betraten wir das Hotel. Nachdem mein Vater mir geöffnet hatte, verschwand ich kurz im Bad um mich umzuziehen. Ich wollte nicht vollständig verschleiert durch die Stadt laufen und erst recht nicht durch unser Wohngebiet.
Nachdem ich fertig umgezogen war und das Wohnzimmer betreten hatte, kamen auch meine Mutter, und meine Schwestern Aisha und Soraya dazu. Alle drei waren wie ich auch, vollständig verschleiert. Karin meinte im Scherz, wenn ich mich verschleiere, könnte Soraya umgekehrt den Schleier ablegen und meine Kleidung tragen. Ich dachte ich höre nicht richtig als meine Mutter das aussprach. Und noch verwunderter war ich als mein Vater und meine leibliche Mutter dem zustimmten. Wie sich später herausstellte hatten die sich vorher schon abgesprochen.
Soraya verschwand also so schnell als möglich mit meiner Kleidung im Bad und zog sich um.

Soraya
Das lief besser als gedacht. Endlich konnte ich diesen verhassten Schleier und diese unmöglichen Kleider ablegen. Naja wenn die Kleidung die Melanie trug, als Sie hier ankam, ihr Standard ist, dann muss ich erstmal einkaufen gehen. Aber ich kann mir nicht vorstellen das das ihr Standard ist. Vater, falsch, er ist nicht mein Vater, also Mahmood hat erzählt wie sie sich bei ihrem ersten Treffen gekleidet hat. Also wird diese unmögliche Kleidung wohl nur für heute ausgewählt sein.
Nachdem ich mich einige Zeit im Spiegel betrachtet hatte und mi gefiel was ich dort sah, zog ich mich schließlich an. Ich hoffe, das wir nicht mehr all zu lange bleiben. Ich wollte nur weg aus diesem Leben und die Freiheit genießen. All diese Floskeln, die uns immer wieder über die westlichen Frauen aufgetischt wurden habe ich sowieso nie geglaubt. Und jetzt war die Freiheit ganz nah.
Wenn Sultan sich so verhält, wie ich ihn instruiert hatte, würde er einen ziemlichen Wirbel veranstalten. Natürlich würde er nie eine Klage gegen Mahmood einreichen und ihn und Fatima in die Armut treiben. Aber ein wenig Spiegelfechterei musste sein um Melanue/Soraya dazu zu bringen sich für ihre Familie aufzuopfern und Sultan zu heiraten. Letztlich haben ihn meine Androhung, ihm das Leben zur Hölle zu machen gefruchtet. Melanie/Soraya würde dies sicherlich nicht tun, allein schon um ihre Eltern zu schützen. Und die Aussicht auf eine devote und gehorsame Frau, die Soraya sicherlich sein wird, hat ihn schließlich überzeugt meinem Plan zuzustimmen.
Zeit mich zu zeigen.
Meine Mutter kam auf mich zu und umarmte mich:
„Endlich kann ich dich in meine Arme nehmen. Lass dich ansehen. Du siehst umwerfend aus, auch wenn dir die Kleidung nicht steht. Ich denke die Kleidung von Soraya wird dir passen. Die ist auch für eine Frau in deinem Alter angemessen.“

Melanie
Beide sahen sich mit einem Leuchten in den Augen an. Ich wurde richtig neidisch.
Als ich das sah, gingen meine Gefühle auf Achterbahnfahrt. Meine Mutter umarmt eine fremde und nennt diese Tochter. Ich bin doch ihre Tochter.

Halt nein, sie ist nicht meine Mutter, sondern sie hat mich großgezogen und ich habe sie immer als meine Mutter angesehen. Genetisch ist sie eine Fremde. Seltsamer Gedanke. Die Frau, die sie umarmt ist tatsächlich auch ihre Tochter. Ich gönne ihr die Freude endliche ihre Tochter in die Arme nehmen zu können. Auch ich freue mich darüber. Gleichwohl liegt in der Szenerie etwas, was ich nicht richtig greifen kann. Es kommt mir vor, als ob wir beide einen Rollentausch vorgenommen haben. Ich bin jetzt die vollverschleierte Soraya und sie ist die sexy Melanie. Seltsamer Gedanke. Der nächste Gedanke der mir durch den Kopf schoss war, was wäre, wenn meine Eltern mich jetzt, vollständig verschleiert als Soraya ausgebend mit sich nach Saudi-Arabien nehmen.
Ich hatte das Gefühl, als ob sich die Verhältnisse geändert hatten. Hier ich als Soraya vollständig verschleiert, und dort Soraya als Melanie, mit meiner Kleidung, meiner Handtasche und vor allem meinem Pass. Wenn Sie nun verschwinden würde, wie sollte ich dann nachweisen, dass ich deutsch Staatsbürgerin bin.
Es kam mir vor, als ob ich durch eine Tür in eine neue unbekannte Welt getreten bin und die Tür hinter mir soeben zugefallen ist.
Bevor ich mich noch weiter meinen Gedanken hingebe, beginnt mein Vater uns den Stand der Dinge darzulegen. Bisher hat sich sein früherer Schwiegersohn noch nicht bei ihm wegen der Einlösung des Versprechens gemeldet. Es lässt sich auch nicht abschätzen, ob dieser das Versprechen einfordern wird. Sodann ist zu prüfen ob dies Versprechen überhaupt noch zu erfüllen ist, da meine Eltern ihm damals Soraya zur Frau gegeben haben. Es gab es keine Anhaltspunkte dafür das Soraya nicht ihre Tochter ist. Der Rechtsanwalt ist der Meinung, dass das Versprechen damit erfüllt worden ist, und nicht wieder auflebt. Auch ein Geistlicher ist nach Sharia der Meinung, dass das Versprechen erfüllt wurde. Aber das sind persönliche Meinungen. Einen Präzedenzfall gab es bisher noch nicht.
Meine Mutter Karin berichtet sodann von ihrem Besuch beim Rechtsanwalt, der bestätigt hat, dass ich deutsche Staatsbürgerin bin und mir diese Staatsbürgerschaft auch nicht aberkannt werden kann. Einklagbar ist das Versprechen in Deutschland sowie so nicht. Hinzu kommt, dass ich volljährig bin und daher ein Selbstbestimmungsrecht habe, welches durch solche Versprechen nicht übertrumpft werden kann.

Nachdem nun alles besprochen war, was hinsichtlich dieses Versprechens notwendig war, schlug Karin vor, dass Soraya für die Zeit ihres Aufenthalts bei ihr wohnt und ich bei meinen leiblichen Eltern im Hotel. Wie beim letzten Mal hatten meine Eltern einen Aufenthalt von 3 Wochen gebucht.
Soraya war sofort damit einverstanden. Da auch meine Eltern zustimmten blieb mir gar nichts anderes übrig als auch zuzustimmen. Letztlich meldete sich auch meine kleine Schwester Aisha zu Wort und brachte noch den Vorschlag ein, dass ich für die Zeit im Hotel Soraya heißen solle und Soraya meinen Namen tragen solle da es sicher einfacher wäre.
Nach einem kurzen Gelächter meinte mein Vater “Das ist eine gute Idee Aisha, so machen wir das. ”
Jetzt war eingetreten was ich vorhin befürchtet hatte, wir hatten die Rollen getauscht. Aber was sollte ich machen. Ich wollte nicht die Spielverderberin geben und gab schließlich nach und willigte ein.
Meine Mutter kam zu mir und sagte: ” ich bin stolz auf dich Soraya. Ich freue mich dich wieder zu haben. ” und umarmte mich.

Melanie(neu)
Perfekt. Endlich konnte ich dieses verdammte Leben hinter mir lassen. Die können sich alle auf den Kopf stellen. Ich würde nicht mehr zurückgehen. Mein erstes Ziel hatte ich erreich. Gleich würde ich mit Karin, es ist immer noch ungewohnt sie Mama zu nennen, das Hotel verlassen und mein neues Leben starten. Ich bin echt gespannt, ob auch Soraya bereits realisiert hat, das sich ihr Leben verändert hat. Naja spätestens wenn Sultan auftaucht wird sie es realisieren. Ich bin dann zwar leider nicht dabei, aber ich habe mir das in den letzten Wochen immer wieder vorgestellt. Jedesmal hat mich dies unglaublich erregt.
Und jetzt bin ich gespannt auf mein neues zu Haus, es wird nicht so groß sein wie Sultans Palast, aber genaugenommen war das auch eher ein Gefängnis, bereit einen neuen Bewohner aufzunehmen. Der Gedanke machte mich schon wieder heiß. Aber ich muss jetzt erst mal cool bleiben um keine Fehler zu machen.
“Deine Schwester Anna ist sicher schon ganz gespannt, wie es gelaufen ist. Sie wäre am liebsten mitgekommen, aber das wäre keine gute Idee gewesen.”

Soraya(neu)
Beim letzten Mal war es einfach aufregend aber jetzt war es irgendwie anders. Würde Karin mich wieder aufnehmen, wenn ich mich hier nicht wohlfühlen sollte. Würden meine Eltern mich überhaupt gehen lassen? Schließlich ist ihre vermeintliche Tochter soeben mit Karin aus dem Zimmer verschwunden und nach Haus gegangen. Würde Melanie so einfach wieder zurückkehren, wenn sie erst einmal das westliche Leben kennengelernt hatte? War das noch mein zu Haus? Die Gedanken schwirrten mir nur so durch den Kopf und meine Gefühle fuhren Achterbahn als meine Mutter meinte es wird Zeit für das Gebet.
Wir gingen in den Bereich der für die Frauen vorbehalten ist und bereiteten uns vor. Zu dritt verrichteten wir nun das Gebet. Nach dem Gebet meldete sich nun auch AIsha zu Wort. Sie wollte von mir alles mögliche wissen und ich beantwortete ihr die Fragen so gut ich konnte. Nach einiger Zeit gesellte sich unsere Mutter zu uns.
“Ich kann mir vorstellen, was im Moment in dir vorgeht. ”
“Wirklich” fragte ich nicht besonders freundlich.
“Ja. Ich habe deine Reaktion gespürt als Melanie und Karin sich umarmt haben. Karin hat das mit Sicherheit nicht böse gemeint dir gegenüber, ich habe einige Male mit ihr telefoniert. Und sie war genauso aufgeregt wie ich, als ich dich das erste Mal sah und dich in meine Arme schließen konnte. Ich denke das war auch für deine Mutter nicht einfach, als du angerufen hast um ihr mittzuteilen, dass du hierbleibst.
Deine Mutter hatte Angst, dass ihre Tochter sie nicht sehen will bzw. ihr möglicherweise Vorwürfe macht oder ähnliches. Ich weiß, dass es dir wehgetan hat die beiden in enger Umarmung zu sehen. Aber hab keine Sorge, Karin wird immer für die da sein, genauso wie ich immer für ihre Tochter da sein werde. Ich bin mir sicher, spätestens wenn du eine Nacht darüber geschlafen hast, wirst du dich für die beiden freuen, genauso wie sich die beiden für uns freuen. Keiner möchte einem anderen etwas wegnehmen. Sieh es mal so. Wir alle haben Familie hinzugewonnen.”
Meine Mutter hatte mir mal ordentlich den Kopf gewaschen, was sicher auch nötig gewesen ist. Und ich muss zugeben sie hat recht. Ich war ziemlich egoistisch, Sie hat das zwar so nicht gesagt, aber es war genauso gemeint.
“Aisha hat vorhin einen Vorschlag gemacht, die Namen zu tauschen. Das musst du natürlich nicht tun, wenn du das nicht möchtest was ich verstehen könnte.”
Irgendwie hat sich die ganze Situation in eine Richtung entwickelt, die mir irgendwie nicht so richtig behagte. Ich konnte es nicht in Worte fassen, was mich störte, aber ich hatte ein ungutes Gefühl. So als ob ich bereits einen Pfad eingeschlagen habe, den ich eigentlich nicht gehen wollte.
Um aber den Frieden nicht zu gefährden sagte ich
“Wenn ich so darüber nachdenke ist das schon in Ordnung. Im Grunde haben wir ja auch die Plätze getauscht. ”
“Das freut mich. Ich habe dich sehr lieb gewonnen und ziemlich vermisst als wir damals abgereist sind. Es war ja auch nicht abzusehen, dass wir so schnell wiederkommen. Am liebsten würde ich dich gern mitnehmen, wenn wir wieder zurückfliegen damit du immer in meiner Nähe bist. Ich habe in den letzten Monaten immer wieder davon geträumt aus dir eine gute Muslima zu machen, die wie alle Frauen in unserer Familie ihr Leben nach den Regeln des Purdah strikt lebt.”
“Ich kann mir nicht vorstellen so zu leben.”
“Ich würde dich ja auch nicht dazu zwingen. Und du musst dich ja auch nicht sofort entscheiden.”

Melanie
Endlich waren wir zuhaus. Ich war etwas überrascht denn das Haus war noch kleiner als ich es mir vorgestellt hatte. Aber es war mein neues zu Haus in Freiheit. Das war das wichtigste.
Niemand mehr, der mir absurde Vorschriften macht. Ich würde hoffentlich bald neue Freundinnen kennenlernen und mein Leben genießen. Ich freue mich schon darauf mit Freundinnen im Café zu sitzen, mit Ihnen in einen Club oder Kino zu gehen.
Was mir allerdings etwas Sorgen bereitete, war Anna, meine Schwester. Wie würde Sie reagieren?
Nachdem Mama die Tür aufgeschlossen hatte, rief Sie nach Anna. Es dauerte auch nur einen Augenblick, bis Anna förmlich um die Ecke geschossen kam. Nach einem kurzen Moment der Überraschung kam sie auf mich zu und fiel mir um den Hals und drückte mich, als ob sie mich nie wieder los lassen wollte.
„Du bist Ali meine wirkliche Schwester. Ich freue mich, das du da bist.“
„Was hälst du davon, Melanie ihr Zimmer zu zeigen, ich stelle in der Zwischenzeit den Kaffee auf.“
Anna schaute Mama verständnislos an.
„Wir hatten vorhin im Hotel unter anderem vereinbart, das Soraya und Melanie auch die Namen tauschen.“
„Ok.“ War alles was Anna dazu sagte. “Komm mit, ich zeig dir dein Zimmer, und dann kannst du dich auch umziehen. Du siehst aus wie meine Oma.” hörte ich Anna lachend sagen, als sie die Treppe hinauf stürmte.
“Hier ist dein Zimmer, beziehungsweise das von Melanie oder Soraya oder wie auch immer, hier ist mein Zimmer und hier ist das Bad. Dort schläft Mama.”
“Ich danke dir.”
“Ich lass dich jetzt erstmal in Ruhe, wir können nachher quatschen.”
“Ja danke, ich muss mich erstmal an die Veränderungen gewöhnen.”

Nachdem Anna das Zimmer verlassen hatte, habe ich mir erstmal alles genau angesehen. Ich muss sagen die Kleidung die Soraya in ihrem Schrank hängen hat, ist viel mehr nach meinem Geschmack als das was sie trug als sie ins Hotel kam. Und dies alles ist nun meine Kleidung. Je mehr ich mich von Fatima und Mahmood und ihrem Einfluss entfernte, desto sicherer wurde ich. Ich war nun absolut sicher genau das richtige zu tun. Nie würde ich wieder zurückgehen. Es kommt mir vor wie ein Sprung aus dem Mittelalter in die Neuzeit. Und genaugenommen war es das auch. Endlich hatte ich meine Freiheit und die will ich auch ausnutzen, also mal sehen was ich so an Kleidung finde.
Nachdem ich einige Schubladen durchsucht hatte, habe ich gefunden was ich suchte. Einen knappen Spitzentanga und einen dazu passenden BH. Erstaunlicherweise passte mir der BH fast wie angegossen. Als ich mich im Spiegel betrachtete, gefiel mir das was ich sah unglaublich gut. Der Tanga der mehr freigab als er bedeckte und der BH der meine Brüste so richtig zur Geltung brachte.
Ein schwarzer Minirock, der meine Beine wunderschön zur Geltung bringt und ein enges knappes rotes Top mit freiem Bauch runden das Outfit ab. Ich fühle mich wunderbar. Es ist unglaublich, was Kleidung ausmacht. Im Spiegel mir gegenüber sehe ich eine sexy junge Frau und nicht die Schleiereule, die ich bis vor wenigen Stunden noch war. Meine dunklen Haare fallen frei bis auf den Rücken. Nun noch die Schuhe, Soraya hat Unmengen an Schuhen. Zuerst dachte ich an High Heels, habe mich aber für Ballerinas entschieden, die hervorragend zu meinem Outfit passen.
Noch ein letzter Blick in den Spiegel und ich bin fertig für meinen Auftritt. Mit dem was ich sehe bin ich sehr zufrieden.
Den Rest meines neuen Zimmers und der Kleidung werde ich später in aller Ruhe ansehen. Allerdings muss ich auch vorsichtig sein und es nicht übertreiben, um Mama und Anna nicht misstrauisch zu machen. Schließlich kam dieser ganze Tausch für mich “überraschend”. Ich muss zumindest so tun.

Ich ging langsam die Treppe hinunter in die Küche. Als ich dieselbe betrat, drehte sich meine Mutter um und starrte mich mit großen Augen und Offenem Mund an.
“Du siehtst toll aus” meinte Sie nach einem Moment, nachdem sie sich wieder gefangen hatte.
“Danke”
“Das steht dir richtig gut. Besser noch als Soraya. Sie hat zu blasse Haut um bauchfrei zu tragen”
Ich fühlte, das alles so lief wie ich es mir vorgestellt hatte. Eigentlich noch besser. Mama nannte die Frau die sie groß gezogen hat ohne nachzudenken Soraya und fand sogar, das mir die Kleidung besser stand.
“Danke, ich habe einfach etwas herausgegriffen. Ich denke ich muss die Kleidung die im Schrank hängt erstmal durchgehen was zusammenpasst. Vielleicht kann Anna mir ja dabei helfen. Ich habe schließlich keine so große Erfahrung” sagte ich in dem Moment, als Anna in die Küche kam.
“Wow, Du siehst ja richtig super aus. Tom wäre bestimmt total aus dem Häuschen, wenn er dich jetzt so sehen könnte. ”
“Wer ist Tom?”
“Melanies oh entschulidge Sorayas Freund. Soraya hat das Outfit gekauft, als sie mit Tom vor 4 Wochen in der Stadt war. Tom fand das unglaublich sexy. Soraya war allerdings nicht so begeistert. Und ja ich werde dir helfen die richtigen Outfits zusammenzustellen. ”

Das lief besser als erwartet. Ich hatte mit mehr Zurückhaltung seitens Anna und Mama gerechnet. Aber möglicherweise war nicht alles Gold was glänzt im Verhältnis der drei zueinander. Das konnte mir nur Recht sein. Und wenn Sultan erst seinen Auftritt hatte, hoffe ich, wird Soraya so reagieren wie ich es erhoffe. Sie hat schließlich einiges in die Suche nach ihren Eltern investiert und ob sie dann ihre Eltern einfach so hängen lassen würde. Schwer vorstellbar.

Allein schon wie einfach es war sie in diese schrecklichen Klamotten zu stecken. Welche vernünftige Frau würde dies freiwillig tun.

Alles lief nach Plan und besser.

Soraya
Der Rest des Tages verlief wie sonst auch mit dem lesen des Koran und Gebeten. Als ich nach dem Abendgebet im Bett lag, gingen mir wieder die gleichen Gedanken durch den Kopf wie beim ersten Mal. Diesmal waren die Gedanken ernsthafter und weniger erregend. Ich stellte mir vor wie es ist für immer in Purdah zu leben. Ich konnte mir nicht vorstellen jemals so zu leben. Es war unvorstellbar.
Kurz bevor ich wach wurde hatte ich einen seltsamen Traum. Ich sah mich vollständig verschleiert mit zwei ebenfalls verschleierten Kindern in die Kamera blicken, die von meinem Mann ausgelöst wurde. Ich war verheiratet, lebte in Purdah und hatte mindestens zwei Töchter, die ich in Purdah erzog. Und ich war glücklich ich hatte zwei Töchter und einen wunderbaren Mann. Als es klopfte wurde ich wach. Mir wurde bewusst, dass es ein Traum war und nicht die Realität.
Ich konnte den ganzen Tag diesen Traum nicht aus meinen Gedanken bannen. Immer wieder kamen mir die Bilder vor mein inneres Auge. Ich wusste nicht was das zu bedeuten hatte. War das ein Blick in die Zukunft oder hat mir mein Gehirn aufgrund der ganzen Situation einen Streich gespielt?
Ansonsten verlief der Tag ganz normal wie beim ersten Besuch auch. In der nächsten Nacht hatte ich wieder den gleichen Traum. Ich konnte mir nicht erklären was das bedeuten soll.
Die nächsten Tage verliefen wie sonst auch. Es gab keine Abweichungen. Auch Aisha beteiligte sich an unseren Koranlesungen und natürlich auch an den Gebeten. Sie erzählte mir von sich und löcherte mich über mein Leben.
Nach einer Woche erzählte ich meiner Mutter, nachdem sie mich gelöchert hatte, da sie merkte, dass mich irgendetwas beschäftigte, von dem Traum.
“Es ist immer der gleiche Traum. Immer morgens bevor ich richtig wach bin. ”
“Ich bin keine Traumdeuterin, aber vielleicht will dir Allah den rechten Weg zeigen und tut dies durch einen Traum. ”
“Meinst du wirklich” fragte ich skeptisch.
“Ja Allah tut das was ihm gefällt. Und er sieht wie du den Koran liest und regelmäßig betest um eine gute Muslimah zu werden.”
Wieder hat meine Mutter etwas mit einer Selbstverständlichkeit ausgesprochen was ich selbst so gar nicht empfinde. Oder lüge ich mir was in die Tasche und meine Mutter hat recht. Bin ich wirklich auf dem Weg eine Muslima zu werden? Im Moment glaubte ich nicht daran.
Eine Woche war inzwischen rum und wir hatten von Karin und “Melanie” noch nichts wieder gehört. Ich denke die beiden genießen ihre Zweisamkeit. Sie hatten sich bestimmt sehr viel zu erzählen. Außerdem ist es auch für Soraya/Melanie nicht einfach ein anderes Leben zu führen. Ich hoffte nur, dass beide am Ende der 3 Wochen ins Hotel kamen, so dass wir die Plätze wieder tauschen konnten.
Während ich meinen Gedanken nachhing, kam es im Wohnbereich plötzlich zu einem Wortgefecht welches ich nicht verstand, da es auf Arabisch stattfand.
Meine Mutter kam in mein Zimmer gestürmt und rief nur “Sultan ist da”.
“Wer ist Sultan” fragte ich zurück.
“Der frühere Ehemann von Soraya” kam die Erwiderung von meiner Schwester, da meine Mutter in schockstarre verharrte. “Der kommt bestimmt, um die Einlösung des Versprechens zu fordern.”
Aisha war vollkommen ruhig geblieben. Ich hatte nach Ihrer Eröffnung wer Sultan sei, einen riesigen Schreck bekommen.
Ach du dickes Ei was passiert den jetzt? Sollte er tatsächlich die Erfüllung des Versprechens verlangen wie meine Schwester vermutete.
Nach dem ich mich vom ersten Schreck erholt hatte, war mir klar, dass kann er vergessen. Ich lasse mich nicht einfach verheiraten. Schließlich klopfte es und mein Vater bat und ins Wohnzimmer zu kommen, aber nur meine Mutter und mich.
Was hatte das denn zu bedeuten?
Statt wie erwartet, rechtlich die Erfüllung des Versprechens zu fordern, war er direkt zu meinen Eltern gegangen und wollte das Versprechen einfordern. Da er meine Eltern nicht antraf, hat er nachgeforscht und herausgefunden, dass meine Eltern aktuell hier in Deutschland sind. Nach einem Gespräch mit dem Chef von meinem Vater, wusste er auch warum meine Eltern in Deutschland sind und hat sich gleich auf den Weg gemacht um das Versprechen einzufordern und auch um mich in Augenschein zu nehmen. Und nun saß hier im Wohnbereich.
Meine Befürchtungen hatten sich eher bewahrheitet als ich befürchtet hatte. Glücklicherweise sind wir in Deutschland. Wäre ich nach Saudi-Arabien geflogen und hätte meine Eltern dort getroffen, hätte ich sicherlich ein viel größeres Problem. So hatten wir nur das Problem Sultan wieder los zu werden.
Mein Vater und Sultan sprachen mit einander. Es ging um die Frage ob das Versprechen erfüllt worden ist oder nicht. Sultan war der Meinung, dass das Versprechen nicht erfüllt worden ist. Mein Vater war der Meinung, dass mit der Hochzeit mit Soraya das Versprechen erfüllt worden war, da er in gutem Glauben darauf, dass Soraya seine erstgeborene Tochter ist, sie ihm zur Frau gegeben hat.
Dies wollte Sultan nicht gelten lassen und sah mich an und fragte dann meinen Vater ob ich die richtige Soraya bin. Mein Vater nickte nur mit dem Kopf.
“Offensichtlich habt ihr eure Tochter gefunden und sofern sie nicht verheiratet ist, spricht nichts dagegen sie mir zur Frau zu geben.”
“Du irrst. Das Versprechen ist erfüllt worden. ”
“Das sehe ich nicht so. Das Versprechen ist noch nicht erfüllt und deine Tochter ist noch nicht verheiratet oder?”
“Nein”
“Also was spricht dagegen, sie mir zur Frau zu geben.”
“Zum einen ist das Versprechen bereits erfüllt, und zum anderen ist Melanie nicht in Saudi-Arabien sondern in Deutschland aufgewachsen. Sie ist deutsche Staatsbürgerin und selbst wenn ich wollte, könnte ich sie nicht zwingen dich zu heiraten.”
“Das mag ja alles sein, aber sie sitzt hier voll verschleiert, wie es sich für eine gute Muslima gehört und du sagst mir, du kannst sie zu nichts zwingen”
“Sie kleidet sich für die Zeit unseres Aufenthalts hier in Deutschland freiwillig wie eine gute Muslima. Wir haben sich nicht dazu gezwungen, und ich bin mir sicher, dass sie sich auch nicht dazu zwingen lassen würde. Sollten wir versuchen irgendwelchen Druck auf Sie auszuüben, würde sie vermutlich sofort den Raum verlassen und wir würden Sie nie wiedersehen und hätten Sie für immer verloren. Und dann hättest Du auch keine Möglichkeit Sie zu heiraten, da sie sich dann erst recht nicht dazu zwingen lassen würde”
“Dann bleibt mir also nur noch die Möglichkeit mir auf dem Klageweg mein Recht einzufordern. Oder Sie würde mich freiwillig heiraten”
“Das sie dich freiwillig heiraten wir kann ich mir nicht vorstellen.”
“Vielleicht sollten wir deine Tochter fragen ob sie mich freiwillig heiraten würde.”
“Gut einverstanden.”
“Aber bevor sie sich entscheidet, möchte ich gern mit ihr noch unter vier Augen sprechen. Ich denke das ist kein Problem, da sie ja angemessen gekleidet ist.”
Meine Eltern verließen den Raum und da saß ich nun mit meinem zukünftigen Ehemann?
“Es ist zwar absolut ungewöhnlich, dass ein muslimischer Bräutigam vor der Hochzeit mit seiner zukünftigen Ehefrau spricht, aber die Situation ist halt ungewöhnlich.”
“Moment, Sie solltest das Fell des Bären nicht verteilen bevor er erlegt wurde.”
“Wie bitte”
“Ich meinte damit, dass ich nicht Ihre zukünftige Ehefrau bin. Und ich beabsichtige auch nicht meine Meinung zu ändern.”
“Soso. Du bist ganz schön widerspenstig. Aber das gefällt mir”
“Haben wir schon mal zusammen Schweine gehütet oder warum duzen Sie mich”
“Oho. Auch noch frech. Das wird ja immer besser. Das wird mir ein richtiges Vergnügen sein, dich zu einer folgsamen Muslima zu erziehen.”
“Das wird ja immer besser. Hör mir mal zu: Wenn die drei Wochen vorüber sind, werde ich die Klamotten wieder ablegen und mit meinem Leben fortfahren wie bisher. Ein Typ wie du hat darin keinen Platz. Also schlag dir das mit der Hochzeit aus dem Kopf”
“Naja das werden wir ja sehen, wer am Ende lacht.”
Ein ziemlich frecher Kerl der mir da gegenüber sitzt. Aber er sieht auch unglaublich gut aus. Wenn die Umstände andere wären, würde ich ihn in einer Bar vermutlich sogar ansprechen um ihn kennen zu lernen.
Mir gefallen selbstbewusste Männer sowieso besser als diejenigen, die versuchen alles recht zu machen. Ich stehe eher auf Machos. Allerdings habe ich bisher noch keinen kennengelernt, der ein solches Machogehabe mit einer solchen Selbstsicherheit an den Tag gelegt hat wie Sultan. Das war eine echte Herausforderung. Aber das liebe ich.
“Das ist doch wohl klar wer am Ende lacht. Ich werde dir jetzt mal erklären wie das ablaufen wird. In zwei Wochen, wenn meine Eltern wieder nach Saudi-Arabien zurückfliegen, werde ich aus der Tür gehen, aber nicht so wie ich hier jetzt sitze, sondern ich werde extra für dich einen extra kurzen Minirock und ein extrem knappes Top anziehen, damit du siehst, dass ich mir von einem Mann gar nichts gefallen lasse und erst recht nichts sagen lasse. Der Mann, der mir sag will wo es lang geht der muss erst noch geboren werden”
Ich war auf seine Reaktion echt gespannt. Wenn er ein echter Macho ist, dann gibt er mir Kontra. Wenn er den Schwanz einzieht, dann kannst du den Typen in der Pfeife rauchen.
“Du irrst mein Schätzchen. Der Mann, der dir sagt wo es lang geht sitzt bereits vor Dir. Und ich werde Dir sagen wo es langgeht. Da ich annehme, dass du keine Muslima bist, wirst du als erstes die Shahada ablegen. Anschließend werden wir heiraten. Dazu werde ich hier in Deutschlang den nächsten Imam aufsuchen und mit ihm alles besprechen. Nach unserer Heirat werden wir unverzüglich nach Saudi-Arabien zurückkehren. Du wirst, wie es in unserer Tradition ist in Purdah leben, dich um den Haushalt und die zukünftigen Kinder kümmern. Das Haus wirst du nur mit meiner Erlaubnis und auch nur in Begleitung eines Mahram verlassen. Du wirst immer vollständig verschleiert sein. Sobald wir Besuch haben oder du das Haus verlassen darfst, wirst du einen Knebel tragen, damit niemand außer mir deine Stimme hört. Sofern wir Töchter haben, wirst du auch sie von klein an, auf ein Leben in Purdah vorbereiten. Du wirst alle Pflichten, die Allah uns auferlegt hat erfüllen. Ich akzeptiere keine Nachlässigkeiten. Du wirst, wann immer ich es wünsche mir zu Diensten sein. Ich war einmal zu nachsichtig. Das wird mir nicht noch mal passieren. Im Haus ist ein abgetrennter Bereich für die Frauen vorhanden. Du wirst diesen Bereich nur mit meiner Erlaubnis verlassen dürfen. Wenn wir Gäste haben, wirst du diese ungefragt und ohne Murren bedienen. Den Bereich für die Männer wirst du nur zu bestimmten Zeiten und auch nur mit meiner Erlaubnis betreten dürfen. Du wirst mir absoluten Gehorsam zeigen und keine Widerworte geben.”
Mir scheint der Typ meint das wirklich ernst. Also in der Pfeife rauchen kann man den nicht. Das war mal eine richtig klare Ansage. Und ich traue ihm auch zu, das so umzusetzen.
Verrückt, aber ich war plötzlich erregt wie noch nie, ich hoffe nur der Typ merkt das nicht. Was würde ich dafür geben, jetzt allein zu sein. Aber wie konnte das sein, dass mich so eine Ansage auch noch erregte. Ich bin eine gestandene und mündige junge Frau, die Studiert und eine eigene Meinung hat. Ich habe mir bisher nie etwas von Männern sagen lassen. Und nun saß mir der absolute Obermacho persönlich gegenüber, und ich wurde erregt. Normalerweise hätte ich ihm nun entweder eine runtergehauen oder wäre aufgestanden und gegangen.
Nur die momentane Situation war eine andere. Ich hatte mich bereits sehr weit auf das eingelassen, was er von mir verlangen würde. Ich lebte, wenn auch nur zeitweise, aber doch verschleiert und lebte bereits in Purdah, wie er es von seiner Frau verlangt.
Natürlich könnte ich sagen es ist nur ein vorübergehender Spaß das zu tun. Aber war es das, oder steckt vielleicht doch mehr dahinter? Ist das vielleicht der Wunsch kontrolliert zu werden, gesagt zu bekommen was ich zu tun und zu lassen habe?
Mir wurde klar, dass ich mich bereits gefährlich weit auf sein Spielfeld gewagt habe. Je länger ich darüber nachdachte, wurde mir bewusst, dass wir im Fall einer Klage nicht mehr damit argumentieren können, ich wäre westlich erzogen worden und würde auch so leben. Aktuell ist es genau das Gegenteil von dem westlichen Lebensstil. Und auch der Einwand das wäre ja nur während des Aufenthaltes meiner Eltern so gewesen, ist auch nicht besonders zugkräftig. Welche westlich erzogene junge Frau kleidet sich freiwillig so wie ich es im Moment tue und lebt auch noch in Purdah? Wenn wir dieses Argument bringen würden, würde der Richter uns vermutlich auslachen.
Ich sah schon die Felle davon schwimmen die Klage zu gewinnen. Was aber würde passieren, wenn mein Vater die Klage verliert. Entweder würde ich die Ehe mit diesem Obermacho eingehen müssen, oder .. was wäre die Alternative. Solange ich in Deutschland bin, hätte er kaum eine Chance mich zu heiraten und mich nach Saudi-Arabien zu holen. Welche Konsequenzen hätte eine Niederlage für meinen Vater, wenn ich nicht zustimmen würde ihn zu heiraten.
“Angesichts deiner Schweigsamkeit denke ich du kennst deine Optionen. Natürlich könnt ihr es auf eine Klage ankommen lassen und natürlich besteht auch die Möglichkeit diese zu gewinnen. Aber auch eine Niederlage ist möglich und wenn du mich dann nicht heiraten würdest, würde ich Schadenersatz von deinen Eltern verlangen. Ich bezweifle, dass deine Eltern dazu in der Lage wären diesen Schadenersatz zu begleichen. Ganz abgesehen davon, dürfte auch der Chef deines Vaters darüber nachdenken, ob er einem Mann Personalverantwortung gibt, der nicht zu seinem Wort steht.
Ich bin mir aber sicher, dass ich eine Klage gewinnen werde. Insbesondere, da du schon wie eine gute Muslima lebst und dich entsprechend kleidest. Das wird das Gericht sicherlich überzeugen. Es liegt also ganz bei dir, ob wir das auf die einfache oder harte Tour durchziehen. Zu meinem Recht werde ich so oder so kommen.”
Der Typ war nicht nur ein Obermacho, er war darüber hinaus auch noch intelligent und er wusste genau wo der wunde Punkt liegt. Was sollte ich ihm entgegnen. Diese Selbstsicherheit, die er an den Tag legt, war ziemlich beeindruckend. Und ich konnte dem nichts entgegensetzen. Ich hatte noch nie mit einem solch selbstbewussten Menschen zu tun gehabt. Bisher habe ich jeden Typen, der etwas von mir wollte um den Finger gewickelt. Doch bei Sultan hatte ich keinen Erfolg.
Diese Situation war für mich vollkommen neu und ich wusste nicht wie ich reagieren sollte. Während ich noch fieberhaft nach Lösungen suchte, haben mich meine Gefühle übermannt. Ich war vollkommen hilflos. Sämtliche Rückzugslinien hat er mühelos durchbrochen. Meine Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein waren dahin. Er hatte es einfach zertrümmert, um es mal drastisch auszudrücken. Obwohl er meine Minensprachen nicht erkennen konnte, wusste er, dass er gewonnen hatte. Während er sprach und mir klarmachte, dass er nicht gewillt war einfach klein bei zu geben, sondern vielmehr absolute Siegesgewissheit ausstrahlte war ich in mir zusammengesunken und hatte den Kopf gesenkt. Wenn ich meine Eltern nicht ruinieren wollte, blieb mir nichts anderes übrig, als ihn zu heiraten. Selbst wenn wir die Klage gewinnen sollten, bestand immer noch die Gefahr, dass mein Vater seine Stelle verliert und die Familie damit zugrunde richtet. Ich saß wie die Fliege im Spinnennetz.
Einerseits mochte ich dieses Selbstbewusstsein und diese Selbstgewissheit, die Sultan zur Schau stellte überhaupt nicht, andererseits zogen mich grade diese auf arrogante Art und Weise zur Schau gestellte Selbstsicherheit ungemein an. Noch nie war mir ein Mann gegenüber so arrogant aufgetreten. Bisher hätte ich dem Typen eher einen Tritt in den Hintern gegeben, als auch nur ein einziges weiteres Wort mit ihm zu wechseln. Aber dieser Typ machte mich total hilflos und
Mehr aus Trotz denn aus Überzeugung antwortete ich Ihm “Ich bin ganz entspannt. Du kannst gern klagen. Aber ich bin mir sicher, dass die Klage abgewiesen wird.”
“Ich denke wir haben unsere Standpunkte klargemacht. Ich erwarte Deine Entscheidung bis Übermorgen 15:00. Bis dahin kannst du dir überlegen, ob es Sinn macht es auf eine Klage ankommen zu lassen. Ich werde jetzt gehen und übermorgen zur vereinbarten Zeit hier sein. Du kannst dich mit deinen Eltern besprechen.”
“So long.” sagte ich noch bevor sich die Tür hinter ihm schloss.
Meine Eltern betraten den Raum. “Wie seid ihr verblieben?” fragte mich mein Vater
“Sultan will bis übermorgen Mittag eine Entscheidung haben. ” sagte ich gradeheraus. “Ich habe noch nie einen solchen arroganten und selbstherrlichen Kerl kennengelernt. Er tat so, als würde er alles bekommen was er sich vorstellt. Egal ob direkt oder mittels Klage. Er ist sich auch absolut sicher die Klage zu gewinnen. Und sollte ich nicht spätestens übermorgen in die Hochzeit einwilligen, würde er euch Schadenersatzpflichtig machen. Ich frage mich woher nimmt er diese Selbstsicherheit”
“Ich kann nur vermuten, dass er über seine Verbindungen irgendetwas eingefädelt hat. ”
“Aber was ist mit dem Schadenersatz”
Ich hatte mich damals an einem Unternehmen beteiligt und einen ordentlichen Teil unseres Geldes dort investiert. Aufgrund eines unvorhergesehenen Ereignisses, war ich gezwungen Geld nachzuschießen, um die Firma zu retten. Das Geld was ich noch flüssig machen konnte reichte allerdings nicht aus. Da Sultan aus einem reichen Haus stammt und er Soraya heiraten sollte, habe ich mit ihm gesprochen und er hat mir ein Darlehen gewährt. Das Problem ist, dass wir, aufgrund der schlechten Wirtschaftslage zu der damaligen Zeit, die Firma verkaufen mussten. Die Darlehen die wir der Firma gewährt hatten waren damit verloren. Aus dem Verkauf der Firma sind noch Schulden geblieben. Ich konnte auch das Darlehen von Sultan nicht zurückzahlen. Er hat mir noch mehr Geld geliehen um die anderen Gläubiger auszahlen zu können. Ich hatte mich mit Sultan darauf geeinigt, dass er das Darlehen erlässt, wenn er Soraya heiratet. Ich denke er wird nun versuchen, dieses Darlehen einzufordern. Angesichts des Einflußes, den seine Familie hat, stehen seine Chancen ganz gut. Ich habe zwar einen guten Job, aber damit könne ich das Darlehen nicht zurückzahlen. Und dann ist die Frage, ob mein Chef mich noch halten kann, wenn so etwas passiert. Ich wäre bankrott und meine Familie würde auf der Straße leben.
Mein Chef ist ein alter Freund, der mir sehr geholfen hat und auch diese Reise und das Hotel bezahlt. Anders hätten wir die Reise nie finanzieren können.”
Das war ja ein richtiges Horrorszenario. Mir wurde langsam klar, warum Sultan mit einem solchen Selbstbewusstsein aufgetreten war. Es war letztlich egal wie alles lief, meine Eltern konnten nur verlieren.
“Ich wusste gar nicht, dass es so schlimm steht.”
“Wir hatten bisher auch nie darüber gesprochen. Es wäre auch alles kein Problem, wenn nicht diese Klage und deren Folgen im Raume stehen würden. Es tut mir leid, dass ich dich enttäuscht habe”
“Du hast mich nicht enttäuscht. Jeder kann mal Pech haben. Ich werde immer zu Dir stehen, egal was passiert.”
“Ich danke Dir. Es ist Zeit zum Gebet. ”
Wir suchten unsere Räume auf und beteten das Mittagsgebet.
Nach dem Zusammentreffen mit Sultan hatte ich keinen Hunger. Mir lag irgendetwas quer im Magen, aber ich wusste nicht was. Ich brauchte Zeit zum Nachdenken. Ich versuchte erstmal meine Gedanken zu ordnen.
Und ich ging wie ich es auf den Uni gelernt hatte, die Fakten durch bevor ich irgendwelche Schlüsse zog.
Fakt 1: Ich bin die leibliche erstgeborene Tochter.
Fakt 2: Mein Vater hat Sultan seine erstgeborene Tochter als Ehefrau versprochen.
Fakt 3: Soraya und ich wurden vertauscht.
Fakt 4: Durch den Tausch hat Sultan nicht die richtige erstgeborene Tochter geheiratet.
Fakt 5: Ich bin deutsche Staatsangehörige
Fakt 6: Meine Eltern stecken in argen finanziellen Schwierigkeiten
Fakt 7: Sultan verlangt die Erfüllung des Versprechens und mich zur Ehefrau
Fakt 8: Sultan würde meine Eltern verklagen, wenn ich nicht zustimme seine Ehefrau zu werden.
Soweit die Fakten. Aber was bedeutet das im Einzelnen. Zeit die verschiedenen Szenarios durch zu spielen:
Szenario 1: Ich stimme einer Heirat zu. Damit wäre alles klar. Mein Vater bräuchte keine Klage fürchten aber ich würde ein Leben führen wie Sultan es skizziert hat.
Szenario 2: Ich stimme der Heirat nicht zu. Sultan würde umgehend Klage erheben. Dies würde wiederum zu verschiedenen Teilszenarien führen:
1. Sultan verliert die Klage. Dann hätten meine Eltern zunächst nichts zu befürchten und ich würde über meinen weiteren Lebensweg selbst entscheiden. Allerdings ist nicht klar über welche Verbindungen Sultan und seine Familie verfügen, um meinem Vater und meiner Familie zu schaden.
2. Sultan gewinnt die Klage. Dann ergeben sich wieder verschiedene Szenarien:
1. Ich willige ein ihn zu heiraten, dann wäre alles wie bei Szenario 1.
2. Ich willige nicht ein und Sultan klagt gegen meine Eltern auf Schadenersatz.
1. Gewinnt er sind meine Eltern bankrott.
2. Gewinnt er nicht ist alles wie bei einer gewonnenen Klage.
Es ist also letztlich fast egal welches Szenario eintritt, Sultan sitzt vermutlich am längeren Hebel.
Jetzt stellt sich nur die Frage der Wahrscheinlichkeiten der jeweiligen Teilszenarien in Szenario 2. Im WorstCase verliert mein Vater die Klage und muss eine Entschädigung zahlen, es sei denn ich willige doch noch in eine Heirat ein. Im BestCase Szenario wird die Klage auf Schadenersatz abgewiesen. Nachdem was mir mein Vater erzählt hat, schätze ich die Chance eine Schadenersatzklage abzuwehren als gering ein. Selbst hier in Deutschland würde der Ehemann vermutlich einen Ersatz verlangen können wenn die Ausrichtung der Hochzeit Sache der Braueltern gewesen wäre, der Bräutigam aber zahlt. Vielmehr muss dies für Saudi-Arabien gelten, was in seinen patriachalischen Strukturen mit hoher Wahrscheinlichkeit für den Bräutigam entscheiden wird.
Je länger ich über alles nachdenke, umso deutlicher wird, dass ich allein den Schlüssel in der Hand halte. Die einzige Möglichkeit meine Eltern zu schützen, ist eine Heirat mit Sultan. Egal wie ich es drehte und wendete. Ich kam immer wieder zu dem Ergebnis, das Sultan am längeren Hebel sitzt. Sultan ist hochintelligent und sicher auch skrupellos genug um seinem Begehren an der einen oder anderen Stelle entsprechend nachzuhelfen. Die Aussichten aus der Sache rauszukommen waren gleich null. Sofern ich mich weigerte ihn zu heiraten, würde dies meine Eltern in den Bankrott treiben. Das könnte ich mir nicht verzeihen.
Ich saß in der Falle. Egal wie ich mich entscheide, Sultan würde immer gewinnen. Weigere ich mich, müssen meine Eltern und letztlich auch ich darunter leiden. Heirate ich Ihn, hat er was er wollte, meine Familie kann in Ruhe weiterleben. Nur ich bin diejenige die verliert. Und zwar immer. Egal wie ich es drehe, ich habe immer die schlechteste Karte.
Was für eine Ironie der Geschichte, ich versuche meine leiblichen Eltern zu finden und Ende als eine in Purdah lebende Muslima. Ich habe die verschleierten Frauen immer mitleidig betrachtet. Jetzt werde ich selbst mitleidig betrachtet werden.
Ich dachte daran wie ich demnächst leben würde. Für immer vollständig verschleiert. Ans Haus gefesselt, nur meinem Mann gehorchend. Es war beängstigend und erregend zugleich. Schon als Sultan mein neues Leben skizzierte hatte mich das erregt. Ich war hin und hergerissen. Ich wollte meinen Eltern helfen, aber für welchen Preis.
Konnte ich das wirklich tun? Meine Gedanken drehten sich im Kreis. Und egal wie ich das Blatt wendete, ohne eine Heirat mit Sultan würde ich meine Eltern in den Bankrott treiben.
Mit einem Mal war der Gedanke da. Ich war, nein ich bin Soraya. Nur durch eine dumme Verwechslung bin ich meiner Verpflichtung meinen Eltern gegenüber das Versprechen einzulösen, bisher nicht nachgekommen. Ich bin Soraya, die Tochter und ich war Sultan als Ehefrau versprochen worden, besser gesagt ich bin ihm als Ehefrau versprochen worden. Das Versprechen ist noch zu erfüllen. Ich habe das Versprechen zu erfüllen. Auch wenn ich über 19 Jahre westlich gelebt habe, bin ich doch eine Muslima und gute Tochter, die Ihren Eltern gehorcht.
Und noch etwas wurde mir plötzlich klar. Das unbestimmte Gefühl was mich seit dem Zusammentreffen mit Sultan begleitete. Ich glaube ich habe mich verliebt. Konnte das wirklich sein. Ich hatte noch nie mit einem solch arroganten Typen zu tun. Aber genau das hat mich unwahrscheinlich angezogen. Ich war bisher immer die Starke, die sich von niemandem etwas sagen ließ, die selbst sagte wo es lang ging. Und plötzlich gibt es einen Menschen, der genauso ist wie man selbst aber gleichzeitig sehr viel stärker. Und jemand der diese Stärke auch ohne Skrupel ausnutzt. Je länger ich darüber nachdachte, umso bewusster wurde mir, das ich mich tatsächlich zu Sultan hingezogen fühlte.
Ich konnte nicht mehr anders: ich werde Sultan heiraten. Ich werde mich seinen Anweisungen beugen und ein Leben in Purdah führen.
Ein solches Leben zu führen wird nicht einfach sein. Ich muss versuchen die Erinnerungen an mein bisheriges Leben abzuschütteln und das neue Leben mit offenen Armen empfangen. Ich musste versuchen positiv vorauszublicken. Ich hoffe, dass die Liebe zu Sultan mir helfen wird mich in meinem neuen Leben einzurichten.
Zeit mit meinen Eltern und mit meiner Mutter zu sprechen.
“Ich habe eine Entscheidung getroffen. Ich werde Sultan heiraten. Er hat recht. Ich bin eure älteste Tochter und bin ihm als Ehefrau versprochen. Und dieses Versprechen gedenke ich einzulösen.”
Meine Eltern waren sprachlos.
“Das lasse ich nicht zu” war mein Vater der Erste der sprach.
“Wir haben keine andere Möglichkeit. Und außerdem hast du mich ihm versprochen.” widersprach ich ihm. Wortlos verschwand ich in meinem Zimmer.
Kurze Zeit später kam meine Mutter.
“Du bist sehr mutig Soraya”
“Danke Mama”
“Ich weiß was du für uns tun willst. Auf der einen Seite freue ich mich das du eine gute Muslima werden willst. Ich bin mir aber auch bewusst was du aufgibst. ”
“Ich muss allerdings auch gestehen, dass ich gehofft hatte, das du eine gute Muslima wirst, das du auch den Weg eines Lebens in Purdah suchen wirst. Und daher freue ich mich das du dich so entschieden hast. Ich weiß das das ziemlich eigensinnig ist, aber du bist meine Tochter und ich liebe dich”
“Wirst du mir helfen eine gute Muslima zu werden? ”
“Aber ja mein Schatz. Ich werde dir helfen eine gute Muslima zu werden. Wir sollten Karin und Melanie informieren”
“Ja du hast Recht. ”

Melanie
“Melanie, komm mal schnell”
“Was ist?”
“Mahmood hat eben angerufen, und mir erzählt, das Sultan heute im Hotel war und Soraya als Ehefrau verlangt hat. Er hat mit Klage gedroht und damit, das er Fatima und Mahmood in die Armut treiben würde, wenn Soraya nicht zustimmen würde seine Frau zu werden.”
“Und was sagt Soraya dazu? Mahmood kann doch nicht so einfach Soraya verheiraten, schließlich ist sie doch hier in Deutschland groß geworden”
“Das hatte er auch nicht vor, aber Soraya selbst hat zugestimmt Sultans Ehefrau zu werden”
“Ich glaub es nicht. Wieso will sie so etwas tun und wie eine Gefangene zu leben?”
“Sie möchte ihre Eltern schützen. Soraya war schon immer sehr sozial eingestellt. Ich schätze das war auch diesmal der Grund für Ihre Entscheidung. Komisch ich habe das irgendwie kommen sehen. Und was noch schlimmer ist, es tut mir nicht mal leid. Es war als ob mir jemand fremdes dies erzählt hätte. Aber ich habe Soraya doch über 19 Jahre groß gezogen. Und nun macht mir Ihre Hochzeit mit einem Araber fast nichts aus.”
“Mutti, ich kann mir vorstellen wie du dich fühlst. Es ist eine Situation, die so ungewöhnlich ist, das sich kein Mensch auf so etwas einstellen könnte. Einerseits hast du Soraya verloren, nein verloren ist nicht das richtige Wort, aber ich denke du weißt was ich meine. Andererseits sind wir nach diesen vielen Jahren wieder zusammen.”
“Ja du hast recht mein Schatz. Ich bin so unendlich froh, dich wieder zu haben.”

Ich fass es nicht, es ist so gelaufen, wie ich es gehofft hatte. Sultan hat tatsächlich einen bühnenreifen Auftritt hingelegt. Hätte Soraya geblockt, Sultan wäre nie auf die Idee gekommen Mahmood zu verklagen. Das hatte er mir ziemlich deutlich klar gemacht. Wenn Soraya also absolut nicht gewollt hätte, wäre er so gegangen.
Aber sie ist tatsächlich eingeknickt und wird Sultan heiraten. Damit steht mir nichts mehr im Wege ein freies Leben zu führen. Mit Soraya war ich auch eine Konkurrentin um die Gunst von Mama los. Auch wenn Soraya nicht ihre Tochter ist, hat sie sie doch während ihres bisherigen Lebens begleitet. Und möglicherweise wären die Verbindungen zu Soraya sogar enger und dicker als zu mir. Aber durch den klugen Schachzug mich Sultan habe ich sie mir vom Hals geschaffen. Soll sie doch glücklich werden. Außerdem ist sie die Tochter von Fatima und Mahmood und wären wir nicht vertauscht worden, hätten wir diese Situation gar nicht. Es ist nun also alles so eingetreten, wie es eigentlich sowieso richtig ist.

Und jetzt bin ich gespannt auf Soraya und wie sie auf ihr neues Leben reagiert. Ich hatte überlegt, das zu tragen, was ich an dem Tag angezogen hatte, als ich erstmals meinen neuen Kleiderschrank durchgesehen hatte. Aber ich wollte kein Öl ins Feuer gießen und kleidete mich daher so wie ich mich gekleidet hatte als ich das Hotel vor ein paar Tagen verließ.

Soraya
Nach einer Stunde trafen Melanie und Karin ein.
Melanie trug die selben Sachen, die sie trug als sie vor ein paar Tagen das Hotel verließ. Ich hatte schon damit gerechnet, dass sie meinen Kleiderschrank plündern würde und entsprechend aufgetakelt hier ankommt. Aber anscheinend ist es ihr doch lieber sich gedeckter zu kleiden. Letztlich ist sie ja auch so groß geworden. Es ist bestimmt nicht einfach als vollverschleierte Frau plötzlich ohne Schleier herumzulaufen. Ob Melanie wohl hierbleiben wird oder ob sie mit nach Saudi-Arabien zurückkehrt? Über die Zukunft hatten wir bisher noch nicht gesprochen. Nun meine war nun klar. Aber was wird Melanie machen. Wenn Sie nach Saudi-Arabien zurückkehren würde, wäre das ein ganz herber Schlag für Karin. Sie würde ihre grade erst gefundene Tochter und auch die Frau verlieren, die sie groß gezogen hat.

Ich erzählte beiden was vorgefallen ist. Insbesondere Sultans Auftritt fanden beide unverschämt. Nachdem ich Ihnen meine Gedanken erläutert hatte, war Karin geschockt und versuchte alles um mich davon abzubringen. Nachdem ihr klar Die ewurde, dass es mir ernst ist, konnte sie nicht mehr an sich halten und fing hemmungslos an zu weinen.
Melanie nahm sie in den Arm und fing an Karin zu trösten.
“Ich kann Soraya gut verstehen. Es ist ihr wichtig ihren Eltern zu helfen. Genauso wie ich alles für Dich tun würde.”
Mit dieser Aussage war endgültig klar, dass wir die Rollen getauscht hatten und zwar für immer.

Melanie
Ich konnte kaum glauben, was Soraya grad so von sich gab. Es war noch besser gelaufen als gedacht. Die einzige heikle Situatuion trat ein, als Karin bewusst wurde, das sie Soraya für immer verloren hat. Nachdem ich sie in die Arme genommen und getröstet hatte, wurde sie ruhiger.
Nach einiger Zeit haben wir uns verabschiedet. Soraya ging nun genauso wie ich ihrem neuen Leben entgegen. Allerdings wird es für Sie sicherlich weniger angenehm werden wie für mich. Aber das ist mir egal.

Soraya
Nach einiger Zeit verabschiedeten sich Karin und Melanie. Als sie die Tür hinter sich geschlossen hatten, wurde mir bewusst, dass ich beide vermutlich nie wiedersehen würde, wie ich auch nach dem Ende der drei Wochen Deutschland nie wiedersehen würde.
Meine Mutter begleitete mich in mein Zimmer.
“Ich weiß wie schwer dir das gefallen ist. Du bist eine starke Frau und wirst Sultan eine gute Frau und deinen Kindern eine gute Mutter sein. Wir sollten dich nun kleiden wie Sultan es von seiner Frau erwartet.”
Diese Ansage kam für mich überraschend. Zunächst musste ich mich vollständig entkleiden.
“Diese Unterwäsche ist nichts für eine gute Muslima. Die wirst du nicht mehr brauchen.”
Zunächst kam ein langbeiniger Schlüpfer, der mir fast bis an die Knöchel reicht. Anschließend ein langärmeliges Hemd ebenfalls ähnlich dem was meine Oma trug. Beides in Schwarz. Anschließend kamen dicke schwarze Strümpfe. Als nächstes ein Kopftuch so das nur noch mein Gesicht und meine Hände sichtbar waren. Mit einem Bodenlagen Rock und einer Tunika ging es weiter. Nach den schwarzen Handschuhen war nur noch mein Gesicht zu sehen. Mir war jetzt schon warm und wir waren noch nicht fertig. Als nächstes kam eine bodenlange Overheadabaya die so weit geschnitten war, das die aussah wie ein Zelt. Wenn ich die Arme ausbreitete hatte ich tatsächlich ein Zelt. Die Ärmal waren mittels schlaufen am Mittelfinger befestigt, so das damit ein hochrutschen der Ärmel verhindert wurde. Das nächste Kleidungsstück war ein Schock. Ein aufblasbarer Knebel.
“Ich weiß das du geschockt bist, aber du hast gehört was Sultan verlangt. Du wirst dich daran gewöhnen müssen. Denn von nun an wirst du den Knebel mit kleinen Ausnahmen immer tragen.”
Die Härte in der Stimme meiner Mutter hat mich überrascht. Aber was blieb mir anderes übrig als den Knebel zu tragen. Spätestens wenn Sultan übermorgen auftaucht müsste ich den Knebel tragen.
Also machte ich den Mund auf und meine Mutter führte den Knebel ein und verschloss diesen hinter meinem Kopf. Anschließend nahm sie einen kleinen Blasebalg und pumpte den Knebel prall auf. Meine Kiefer fingen an zu schmerzen aber ich konnte nur noch undeutliche Grunzlaute von mir geben.
“Anfangs ist es ungewohnt, aber du wirst dich daran gewöhnen. ”
Aber wir waren noch nicht fertig. Nun kam ein 3 Lagiger Niqab. Nachdem meine Mutter alle 3 Lagen vor meinem Gesicht drapiert hatte war ich in den Lichtverhältnissen die im Zimmer herrschten praktisch blind.
“Dieser Niqab ist dicker als die die du bisher getragen hast. ”
Ja das habe ich auch schon gemerkt. Ich dachte das wir nun fertig sind, aber falsch gedacht. Nun kam noch ein etwa hüftlanger Khimar. Das perfide an diesem Khimar ist, dass er dafür sorgt, dass ich die Lagen des Niqab nur noch sehr umständlich heben kann. Um essen und trinken zu können muss ich dieses unter den Khimar zum Mund führen. Sehr unpraktisch.
“So nun bist du vollständig eingekleidet. Es ist im Moment ungewohnt, aber du wirst dich daran gewöhnen müssen. Später werde ich dir den Knebel nochmal entfernen. Dann kommt ein Imam und du wirst die Shahada sprechen, dein Bekenntnis zum Islam. Dein Vater hat auch Sultan bereits informiert. Dieser wird zusammen mit dem Imam erscheinen und nachdem du dein Bekenntnis abgelegt hast, wird der Imam euch trauen. Dann wird Sultan die Verantwortung für dich haben. ”
Praktisch blind und stumm saß ich in meinem Zimmer und dachte darüber nach, ob es tatsächlich die richtige Entscheidung war. Ich war hin und hergerissen. Einerseits war es für mich klar meinen Eltern zu helfen, aber war der Preis für mich nicht zu hoch? Mein Verstand sagte mir eindeutig, dass der Preis viel zu hoch sei, meine Gefühle sprachen eine andere Sprache. Ich habe mich noch nie so sehr zu einem Menschen hingezogen gefühlt wie zu Sultan, gleichzeitig habe ich aber auch noch nie einen solch arroganten Menschen kennen gelernt. Und noch etwas passierte, ich war unglaublich erregt. Dieser plötzliche Wechsel auch im Verhalten meiner Mutter hat mir bewusst gemacht, dass ich nun ein neues unbekanntes Leben beginnen werde.
Bin ich jetzt von allen guten Geistern verlassen? Ändern kann ich nun sowie so nichts mehr, also sollte ich mich auf meine Gefühle besinnen und Sultan lieben.
Während ich noch grübelte, kam meine Mutter in mein Zimmer und holte mich in den Wohnbereich. Nachdem sie mir den Knebel abgenommen hat, bat mich der Imam ihm die Shahada nachzusprechen.
Als ich geendet hatte umarmte mich meine Mutter. “Jetzt bist du eine Muslima. Du hast die richtige Entscheidung getroffen. Ich bin unendlich glücklich, dass du dich entschieden hast in Purdah zu leben. Es wird für die Anfangs sicher nicht einfach sein, aber du wirst dich daran gewöhnen. Ich werde dir helfen, dich in deinem neuen leben zurecht zu finden.”
Gleich im Anschluß fand die Trauung statt, welche sehr schlicht gehalten war. Die eigentliche pompöse Hochzeit hatte ja schon stattgefunden, obgleich ich an dieser Hochzeit nicht teilgenommen hatte.
Nach dem ich die Dokumente unterschrieben hatte, war ich verheiratet und mich erwartete ein neues Leben.
Mein Mann und der Imam verließen nun unsere Suite und meine Mutter führte mich, nachdem sie mir den Knebel wieder in meinen Mund geschoben und stramm aufgepumpt hat in mein Zimmer.
“Ich bin so glücklich, dass du Sultan geheiratet hast. Er ist ein guter Mann, sehr streng aber fürsorglich.”
Ich wollte ihr antworten, aber wie sollte ich das tun. Durch den Knebel konnte ich nicht sprechen. Ich wurde panisch, wie konnte ich mich in Zukunft verständigen?
“Ruhig. Du brauchst nicht panisch zu werden. Ich bin da. Du wirst dich daran gewöhnen müssen, das du nur noch sprechen kannst, wenn dein Ehemann es dir erlaubt. Ich habe hier einen Schreibblock und Stift, damit kannst du deine Wünsche und Bedürfnisse notieren.”
Schön, aber wie soll ich mit drei dichten Schleiern und Handschuhen vernünftig etwas schreiben? Langsam aber sicher machte sich in mir die Erkenntnis breit, das die Idee keine gute war. Von einer plötzlichen Panik erfasst wollte ich mir den Khimar über den Kopf ziehen.
“Halt was machst du da.”
Meine Mutter zog den Khimar wieder zurück über meinen Kopf. Nach einigem hin und her gab ich auf.
“Mein Schatz, es gibt kein Zurück mehr. Du bist nun Sultans Frau und nur er kann dir Erleichterung verschaffen. Auch wenn ich es möchte, darf ich dir diese nicht verschaffen. So leid es mir auch tut, ich muss dafür sorgen, dass du dich keiner Kleidung entledigst.”
Scheiße. Auf was habe ich mich da bloß eingelassen. Ich hätte nicht gedacht, das Sultan das so konsequent umsetzt was er mir erzählt hat. Meine Mutter verließ kurz das Zimmer. Zeit mich einiger Sachen zu entledigen. Grade als ich den Khimar über den Kopf gezogen hatte und versuchte alles auseinander zu knoten, kam meine Mutter mit meiner Schwester ins Zimmer.
“Ich habe dir doch gesagt, es wird nichts ausgezogen. Gut wenn du nicht hören willst, muss ich andere Maßnahmen ergreifen. Aisha du weißt Bescheid”
Meine Schwester hatte sich neben mich gestellt. Ich versuchte immer noch den Khimar los zu werden.
“Jetzt”
Auf Kommando griffen Aisha und meine Mutter jeder nach einem meiner Arme zogen sie herunter und hinter den Rücken. Ehe ich reagieren konnte hatte mir meine Mutter Handschellen angelegt. Ich versuchte wie wild meine Hände zu befreien, aber ich hatte keine Chance.
“Das hast du dir selbst zuzuschreiben. ” rief mir meine Mutter beim hinaus gehen noch zu.
Ich war am Boden zerstört. So schlimm hatte ich es mir nicht vorgestellt. Warum in aller Welt habe ich mich darauf eingelassen.
Ich bin im Höchsttempo vom Himmel in die Hölle geflogen.
Ich zermarterte mir den Kopf um eine Lösung zu finden um diesem Alptraum hinter mir zu lassen. Mir schossen alle möglichen Gedanken durch den Kopf. Meine Gefühle fuhren Achterbahn. Die Hilflosigkeit und der Gedanke an Sultan erregte mich, gleichzeitig machte mir dies Angst. Ich hatte bisher nie etwas mit BDSM am Hut gehabt, aber die jetzige Situation war für mich erregend und angsterfüllt zugleich. Nach einiger Zeit öffnete sich dir Tür und meine Mutter kam ins Zimmer und bat mich mit zukommen. Zurück im Wohnbereich, fand ich meinen Vater und Sultan vor. Sultan kam auf mich zu und stand freudestrahlend vor mir:
“Meine liebe Frau. Ich habe eine tolle Überraschung für dich. Ich war vorhin auf dem Konsulat und habe die letzten Sachen geregelt. Du bist nun auch Saudische Staatsbürgerin. Deine deutsche Staatsbürgerschaft habe ich für dich zurückgegeben. Sobald die Papiere ausgestellt sind, fliegen wir nach Saudi-Arabien.”
Meine allerletzten Fünkchen Hoffnung hatten sich soeben in Luft aufgelöst. Der letzte Strohhalm der mir hätte helfen können ist gekappt. Als Saudische Staatsbürgerin würde die deutsche Botschaft keinen Finger krumm machen. Sobald ich mit meinem Mann im Flieger sitze gibt es kein zurück mehr.
“Du musst durstig sein.” fragte er mich beinahe zärtlich.
Er nahm eine Flasche vom Tisch in der ein Strohhalm steckte und fädelte diesen geschickt in das Loch des Knebel ein. Allein die Anwesenheit von Sultan schickte meine Gefühle wieder auf eine Achterbahnfahrt. Ich wurde aus Sultan nicht schlau, einerseits ein selbstbewusster und selbstsicherer Mann, andererseits war er hilfsbereit. Einerseits streng und unnachgiebig, auf der anderen Seite nahezu zärtlich und fürsorglich. Es war eine Hassliebe.
Ich saugte um möglichst schnell etwas zu trinken zu bekommen. Der Durst war enorm und in null komma nix hatte ich den Becher leer. Nach kurzer Zeit wurde ich müde und die Augen fielen mir zu.

Melanie
Nachdem wir wieder zu Haus waren, hat Mama Anna alles erzählt. Diese war ebenso geschockt wie Mama.
“Wir müssen doch irgendetwas tun können um Soraya dort raus zu holen. Wir können Sie doch nicht einfach so in ihr Unglück laufen lassen.”
Dies war noch mal eine heikle Situation. Wenn Anna Karin dazu bringen sollte, doch zu versuchen Soraya zurück zu halten, könnte es knifflig werden.
“Anna du warst nicht dabei als Soraya uns ihre Entscheidung erklärt hat. Du kennst sie und weisst, das, wenn sie eine Entscheidung getroffen hat dies auch so durchzieht. Sie wird Sultan heiraten und mit ihm nach Saudi-Arabien gehen. Es besteht keine Möglichkeit ihr zu helfen. Sie will es auch nicht.”
Anna sagte darauf hin nichts mehr. Damit war auch diese heikle Situation geklärt.

Soraya
“Guten Morgen meine liebe Schlafmütze, hast du gut geschlafen” hörte ich die Stimme von Sultan fragen. Ich war orientierungslos. Das letzte was ich noch wusste war, dass ich etwas getrunken habe und dann unendlich müde wurde.
“In etwa einer Stunde landen wir in Mekka. Dann sind wir zuhaus.”
Als ich mich nicht rührte fuhr er fort.” In deinem Getränk war ein Schlafmittel. Nachdem du eingeschlafen warst, sind wir direkt zum Flughafen gefahren und sind in die Maschine gestiegen, die uns nach Saudi-Arabien bringt. Ich freue mich schon dir unser Haus und dein neues zuhause zu zeigen.”
Sofern überhaupt noch Hoffnungen vorhanden waren, platzten diese nun wie Seifenblasen. Und wieder fingen meine Gefühle Achterbahn zu fahren. Sultan hat alles eiskalt bis ins kleinste geplant und ohne mit der Wimper zu zucken durchgeführt. Er hat mich wie sein Eigentum behandelt mit dem er tun und lassen kann was er will.
Aber er zeigt mir gegenüber auch Empathie und war sehr um mein Wohlergehen besorgt in dem er mich fragte ob ich durstig bin. Mit einem nicken bejahte ich die Frage. Vorsichtig, beinahe zärtlich hob er meinen Niqab und führte den Strohhalm in das dafür vorgesehene Loch im Knebel. Zärtlich legte er seinen Arm um mich und zog mich an sich. Ich fühlte mich so geborgen wie früher als meine Mutter(frühere wie ich gedanklich ergänzte) in den Arm nahm wenn ich das brauchte. Und je länger er mich im Arm hielt desto mehr verrauchte auch mein Unmut und meine Gefühle erreichten neue Höhen. Ich fühlte mich wohl in seinen Armen.
Abrupt holte er mich wieder in die Wirklichkeit zurück als er den Arm wegzog. ” Ich muss dich nun anschnallen, da wir gleich landen.” Ich war wieder auf dem Boden der Tatsachen angelangt. Dieses ständige Gefühlskarussel machte mich fast wahnsinnig. Nach kurzer Zeit landeten wir in Saudi-Arabien. Sultan schnallte mich los, da ich immer noch die Handschellen trug war es mir selbst nicht möglich.
Der erste Schock kam als wir aus dem Flugzeug ausstiegen. Sultan hatte mich in den Arm genommen und die Gangway hinabgeführt. Bereits nach dieser kurzen Zeit war ich vollkommen nass vor Schweiß. Die Sonne brannte unerbittlich und meine Schwarze Kleidung zog die Sonnenstrahlen erst recht an. Eine Sauna wäre sicherlich ein Vergnügen gegen diese Hitze. Vor allem ein kurzfristiges, sehr kurzfristiges verglichen mit meiner aktuellen Situation.
Im Auto war es glücklicherweise kühler, aber trotzdem klebten mir die Kleider am Leib.
Nach einer kurzen Fahrt vom Flughafen bogen wir in die Auffahrt zu unserem Haus. Es war eher eine Villa nach allem was ich aufgrund der Schleider erkennen konnte. Sultan half mir aus dem Auto, nahm mich in den Arm und führte mich zum Haus. Wir betraten eine imposante Eingangshalle. So eine Größe hatte ich bisher in einem Privathaus noch nicht gesehen. Ich war beeindruckt.
Sultan führte mich dann in den Männerbereich, den ich nur dann betreten durfte, wenn ich Ihn oder die männlichen Gäste zu bedienen hatte, oder Sultan mir es erlaubte. Die Räumlichkeiten waren riesig und luxuriös eingerichtet. Auf dem Bett im Schlafzimmer fanden bequem 4 oder 5 Personen Platz ohne sich auch nur nahe zu kommen. Der Wohnberiech war überall mit feinstem Marmor ausgelegt auf dem Kissen in allen Farben und Größen lagen. Ich vermute, dass diese für die Männer zum Sitzen gedacht waren, da ich keine Sessel oder andere Möbel zum Sitzen sah. Anschließend zeigte er mir noch den Rauchsalon und sein Arbeitszimmer. Alles was ich sah war riesig und luxuriös. Ich war schon ganz gespannt wir meine Räume aussehen. Was mich aber vor allem auffiel war, das es angenehm kühl war in den Räumen. Ich war immer noch aufgeheizt durch die wenigen Minuten in der prallen Sonne, und kam langsam wieder auf Normaltemperatur. Ich freute mich schon auf meine Räumlichkeiten, da ich denke, das diese sicher ähnlich ausgestattet sind. Vor allem freute ich mich aber auf eine Dusche.
Anschließend ging er, den Arm um eine Talie gelegt, mit mir in den Frauenbereich. Nachdem wir diesen betreten hatten war ich wieder auf dem Boden der Tatsachen angelangt. Die Räume waren nicht annähernd so groß, wie die im Männerbereich, auch wenn die Räume deutlich größer waren als die die ich in meinem bisherigen Leben bewohnt hatte. Auch die Ausstattung war von Luxus weit entfernt. Die Räume waren vielmehr nur mit dem nötigsten ausgestattet. Das Schlafzimmer verfügte über kleine vergitterte Fenster, die sehr weit oben unter der Decke angebracht waren, ein Bett, ein Schrank mit Kleidung sowie einem Nachschrank und einem Gebetsteppich. Erhellt wurde das Ganze von den einer kleinen Glühbirne. Der Wohnbereich verfügte nur über einfache Teppiche und einige wenige Kissen auf denen man sich lagern konnte.
Dazu kamen eine Küche mit direktem Zugang zum Männerbereich und ein kleines Bad. Weitere Räume waren für Kinder und weibliche Besucher vorgesehen. Auch diese Räume waren eher spartanisch eingerichtet.
Durch eine Tür konnte man einen kleinen Hof mit ca. 4mal 4 Meter Größe erreichen der von mindestens 3 Meter Hohen Wänden umgeben ist. Das Ganze war eher ein Gefängnis als eine Wohnung.
“Ich weiß, dass du von Deinen Räumen sicherlich nicht so begeistert bist, und du die angesichts meiner Räumlichkeiten etwas anderes vorgestellt hast, aber in unserer Familie leben alle Frauen in ähnlichen Räumen. Ich bin mir sicher, dass du dich daran gewöhnen wirst. Du kannst dich jetzt in deinem Reich erstmal einrichten. Ich nehme dir jetzt die Handschellen ab, dann kannst du Dich frisch machen und saubere Kleidung anziehen. Die Kleidungsvorschriften habe ich dir genannte, sicherheitshalber habe ich diese hier im Schrank nochmals notiert. Solange du dich hier in diesen Räumen aufhälst, kannst du den Knebel ablegen. Sobald du aber die Räumlichkeiten verlässt ist der Knebel Pflicht. Ich weiß das es für dich nicht einfach ist dich an diesen Lebensstil zu gewöhnen. Es wird dir aber nichts anderes übrigbleiben. Ich hoffe du tust es freiwillig. Andernfalls müsste ich dich dazu zwingen.
Dort ist dein Gebetsecke. Die Gebetszeiten werden angesagt. Morgen wird dich Aisha in alles einweisen. Wir werden uns später sehen.”
Diese ständige Achterbahnfahrt der Gefühle machte mich langsam verrückt. Ich wusste bei Sultan nicht woran ich bin. In einem Moment ist er liebevoll und zärtlich und im nächsten Moment zwingt er mich unerbittlich seinen Willen auf. Zuckerbrot und Peitsche. Eine teuflische Mischung. Ich war noch nie in einer Situation in der ich nicht wusste wie ich reagieren oder tun sollte. Wie sollte ich Sultan begegnen. Sollte ich versuchen meinen eigenen Kopf durchzusetzen, würde dies unweigerlich negative Konsequenzen für mich haben. Ich konnte mir im Moment zwar nicht vorstellen, wie sich meine Situation noch verschlimmern konnte, aber ausprobieren wollte ich es auch nicht. Nach einiger Zeit des Nachdenkens hatte ich den Entschluß gefasst, mich Sultans Willen zu unterwerfen. Ich hätte sowieso nichts anderes tun können. Ich versuchte mich in meiner Situation einzurichten und das Beste daraus zu machen. Vor allem war es notwendig die ständigen Gedanken an frühere Zeiten zu verbannen, da ich jedes Mal unendlich traurig wurde. Ich musste versuchen positiv in die Zukunft zu sehen. Wenn ich Sultans Anweisungen Folge leisten würde, würde er wieder zärtlich und liebevoll zu mir sein. Ich liebte Ihn, aber ich hasste ihn auch für den Zwang den er ausübte. Wobei, wenn ich ihm gehorchen würde, müsste er keinen Zwang ausüben und würde mich liebevoll behandeln.
Nachdem ich geduscht hatte und mir entsprechend Sultans Vorgabe eingekleidet hatte fühlte ich mich besser. Die Verschwitzten Kleider war ich los und auch den Schweiß hatte ich abgespült.
Inzwischen war die Zeit fürs Gebet gekommen. Nach den obligatorischen Gebeten, die inzwischen zur Routine geworden sind, kam Sultan in meine “Wohnung” und nahm mich zärtlich in den Arm. Wieder schmolz ich dahin. Ich fühlte mich in seinen starken Armen beschützt wie ein Baby im Mutterschoß. Ich drückte mich an Ihn um seine Nähe zu spüren. Er hatte offenbar auch geduscht und sich frisch gemacht, denn er duftete gut. Außerdem hatte er sich etwas Leichtes übergezogen. Wir standen einige Zeit eng umschlungen in meinem Schlafzimmer, als er mich langsam und vorsichtig zum Bett dirigiert. Während er mich auf das Bett drückte, zog er seinen Morgenmantel aus und legte sich sanft auf mich. Ich wollte mich ebenfalls entkleiden, aber Sultan bedeutete mir damit aufzuhören. Was hatte das denn jetzt wieder zu bedeuten. Ich dachte er wollte mit mir schlafen und verbat mir gleichzeitig mich auszuziehen. Sultan legte sich auf mich, schob meine Röcke beiseite und fand nach kurzer Suche die Öffnung in der Unterwäsche. Einen kurzen Moment später drang er er in mich ein. Ich war keine Jungfrau mehr, dies schien ihn aber auch nicht zu interessieren. Ich hatte bisher aber noch nie mit einem Mann geschlafen, der so gut bestückt war. Er füllte mich vollständig aus. Sultan hielt sich auch nicht lange auf sondern kam gleich ordentlich zur Sache. Es dauerte nicht lange, da kam ich zu einem wahnsinnigen Orgasmus und auch Sultan kam zum Schuß. Er bliebt noch einige Momente auf mir liegen. Nach einigen Minuten zog er seine Männlichkeit aus mir, legte sich an meine Seite aufs Bett und nahm mich in den Arm. Meine Gefühle gingen in diesem Moment durch die Decke. Für mich stand fest ich will Sultan glücklich machen. Und wenn das bedeutet verschleiert Sex zu haben, dann ist das in Ordnung für mich. Das Glühen nach dem Orgasmus hielt immer noch an. Ich hatte noch nie einen solch intensiven Orgasmus wie heute erlebt.
Ich hatte gehofft, dass wir die Nacht zusammen verbringen, aber nach einiger Zeit erhob sich Sultan und machte sich auf den Weg in sein Quartier. Auf meine Frage warum er nicht bei mir bleiben könne bzw. warum wir nicht zusammen schlafen können antwortete lapidar:
“Weil es Tradition ist, dass Mann und Frau getrennt schlafen.”
Und wieder hatte er mich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Ich lag noch eine ganze Zeit wach und dachte über meine Situation nach. Ich konnte nicht umhin: ich liebe Sultan und zwar wie ich noch nie jemanden geliebt hatte. Bisher war ich immer diejenige die sagte wo es langgeht, die die starke Person war, die die Männer einfach abserviert hat, wenn sie mir nicht mehr gefielen oder nicht mehr das hielten, was ich mir von Ihnen versprochen hatte. Da war ich der eiskalte Engel wie mich mal ein Ex genannt hat.
Aber Sultan war anders. Er strahlte eine Aura aus, der ich mich nicht entziehen konnte. Ich war ihm verfallen und konnte nichts dagegen tun. Auch wenn ich es gewollt hätte, könnte ich ihm keine Widerworte geben, könnte ich nicht sagen ich will deine Spielchen nicht mehr. Ich liebe Ihn und ich möchte ihn glücklich machen, auch wenn es für mich Einschränkungen mit sich bringt. Ich hatte mit Rollenspielen, mit Unterwerfung und BDSM nie was am Hut, allenfalls war ich die dominante Person. Jetzt war ich die devote Person und das verrückte war, es erregte mich. Der Gedanke für den Rest meines Lebens vollständig verschleiert in Purdah leben zu müssen, außerhalb meiner Räume einen Knebel tragen zu müssen, mich nur in meinen Räumen frei bewegen zu können und das Haus nur mit Erlaubnis von Sultan verlassen zu dürfen, erregte mich. War ich in der kurzen Zeit etwa verrückt geworden, oder hatte Sultan in mir etwas geweckt, was ich bisher noch nicht kannte. Mir wurde klar, dass ich mich ihm, selbst wenn ich es gewollt hätte nicht wiedersetzen können.
Während ich über dies alles nachdachte war meine Hand zwischen meine Beine gewandert und ich hatte mich selbst befriedigt. Nach diesem zweiten Orgasmus schlief ich erschöpft ein.
Am nächsten Morgen, ich war nach einer doch kurzen Nacht noch gar nicht richtig ausgeschlafen, weckte Sultan mich und stellte mir Aisha vor.
” Guten Morgen Schlafmütze. Es ist Zeit aufzustehen. Ab morgen wird Dich Aisha wecken und auf den Tag vorbereiten. Aisha wird dich auch in die Abläufe hier im Haus einweisen und wird Dir Arabisch beibringen. Du hast die Anweisungen von Aisha Folge zu leisten. Sollte ich von Aisha etwas hören, das du dich ihren Anweisungen widersetzt hast, muss ich dich dafür bestrafen. ”
Nach dieser Ansprache verschwand Sultan und Aisha trat auf mich zu. “Zunächst müssen wir dich Duschen und neu einkleiden. Nach dem Frühgebet werde ich dich anleiten das Frühstück für Sultan zuzubereiten.”
“Wann frühstücken wir” fragte ich mit knurrendem Magen.
“Sobald Sultan fertig ist und wir das Frühstück abgetragen haben.”
Wir fingen in der Küche also an das Frühstück für Sultan zu bereiten. Verschleiert und mit Handschuhen dauerte die Zubereitung länger als gedacht. “In Zukunft muss das schneller gehen.” kam ein bissiger Kommentar von Aisha. Es gefiel ihr offenbar mich rumzukommandieren. Sie hatte gut reden, sie stand nur neben mir und gab Kommandos, fasste aber selbst nicht mit an.
Nachdem wir alles auf ein Tablett gestellt hatten, wollte ich mit diesem bereits in den Männerbereich los maschieren. Aisha aber hielt mich zurück.
“Du hast etwas vergessen”
Verdutzt schaute ich auf das Tablett um festzustellen was ich vergessen hatte, konnte aber nichts erkennen. Schließlich hielt Aisha mir den Knebel vor das Gesicht. Daran hatte ich überhaupt nicht mehr gedacht. Notgedrungen ließ ich Aisha mir den Knebel umschnallen um anschließend das Tablett in den Speiseraum zu tragen. Sultan nickte und bedeutete mir den Raum zu verlassen.
Nachdem Sultan das Frühstück beendet hatte durfte ich wieder abräumen und selbst frühstücken, allerdings nur die Reste dessen, was Sultan übrig gelassen hatte. Den Knebel durfte ich entfernen, aber sonst musste ich vollständig verschleiert frühstücken, was mehr als gewöhnungsbedürftig ist.
Zum Abwasch wollte ich mir die Handschuhe ausziehen. Aisha hielt mich jedoch zurück und gab mir stattdessen Gummihandschuhe, die ich über die anderen Handschuhe anziehen sollte. Abgesehen davon, dass das gar nicht so einfach ist, wurde der Abwasch dadurch noch schwieriger. Ich konnte durch die doppelten Handschuhe nur sehr schlecht fühlen und mir fielen einige Teile immer wieder ins Wasser. Nach einer Ewigkeit war ich endlich fertig. Nun wartete aber die weitere Hausarbeit auf mich. Waschen, Bügeln, putzen. Am späten Vormittag begann die Vorbereitung für das Mittagessen, welches nach dem Mittagsgebet zu servieren war. Wieder war ich allein damit beschäftigt, das Mittagessen zuzubereiten. Aisha gab mir nur Anweisungen. Nach dem Mittagessen, hatte ich zunächst wieder den Abwasch mit 2 Paar Handschuhen und anschließend weitere Hausarbeit zu erledigen.
Vor dem Abendgebet hatte ich 2 Stunden “Koranunterricht” mit Aisha. Nach dem Gebet musste ich das Abendessen zuzubereiten und servieren. Anschließend alles wieder abräumen, abwaschen und schließlich das Nachtgebet zu verrichten.
Nach all diesen Aktionen des Tages war ich ganz schön geschlaucht. Durch die vollständige Verschleierung und die damit verbundenen Einschränkungen dauerte alles länger und es war anstrengender als ich es gewohnt war. Außerdem waren die Räume auch viel größer als meine frühere Wohnung. Ich würde mich anstrengen müssen um alle Aufgaben schneller erledigen zu können.
Ich hatte mich kaum 2 Minuten auf mein Bett gelegt um zu schlafen, kam Sultan zu mir. Ich war von einer Sekunde auf die nächste hellwach. Sultan kam langsam zu meinem Bett, legte seine Robe ab und legte sich zu mir. Nach einem zärtlichen Kuss auf meine verschleierten Lippen, schob er meinen Rock beiseite und es dauerte nicht lang bis er in mich eingedrungen war. Wieder brachte er mich zu einem ungeahnten Höhepunkt.
Nachdem wir beide wieder zu Atem gekommen waren, rollte Sultan sich von mir herunter und nahm mich in den Arm.
“Ich bin zufrieden mit Dir. Du hast deine Aufgaben als Hausfrau gut erledigt. Ich bin mir sicher, dass die in nächster Zeit alles schneller von der Hand gehen wird. ”
Erstaunt und erfreut über das Lob gab ich Sultan einen Kuss. “Danke” hauchte ich in sein Ohr.
Nach kurzer Zeit verschwand Sultan wieder in sein Schlafgemacht. Ich werde mich daran gewöhnen müssen, dass ich, obwohl verheiratet allein schlafen werde.
Die nächsten Tage verliefen wie der erste. Langsam bekam ich Routine und alles ging mir schneller von der Hand. Am Abend beglückte mich Sultan mit seinem Besuch. Inzwischen habe ich mich an alle Einschränkungen gewöhnt. Ich liebe Sultan. Es gelingt ihm aber immer noch meine Gefühle auf Achterbahnfahrt zu bringen. Meistens aus vollkommen heiterem Himmel. Ob ich mich daran je gewöhnen werde?

Melanie
Endlich war Ruhe eingekehrt. Zwar dachten Anna und Mama immer mal wieder an Soraya, aber letztlich waren sie froh, das ich da war. Anna zeigte mir alle was sie meinte was ich verpasst haben könnte. Wir gingen gemeinsam shoppen und ins Cafe, also genau das wovon ich geträumt hatte. Und es war so wie ich es mir vorgestellt hatte.
Heute hatte Mama die Freundinnen von Soraya eingeladen um ihnen vom Schicksal von Soraya zu erzählen und mich vorzustellen. Dies wird sicher auch nochmal eine Bewährungsprobe werden. Aber ich bin mir sicher, mit Mama und Anna im Rücken, wird es mir gelingen die Freundinnen von Soraya auch zu meinen zu machen. Es ist gut, das Soraya von Sultan vollständig abgeschirmt wird. Kein Telefon, kein Internet um sich mit früheren Freundinnen zu unterhalten. Das macht auch aus Sultans Sicht Sinn, da er Soraya besser kontrollieren kann und diese vor unliebsamer Einflußnahme schützen kann. Es ist also nicht damit zu rechnen, das Soraya Kontakt zu ihren früheren Freundinnen aufnehmen wird.
Es liegt also an mir, aus Sorayas Freundinnen meine zu machen.

Teil 3


2 thoughts on “Die Überraschung – Teil 2

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s