Die Überraschung – Teil 3

Die Überraschung – Teil 3

by MR

Teil 2

Melanie

“Herein” rief ich nachdem es an die Tür zu meinem neuen Zimmer klopfte.
“Hast du Zeit ein bisschen zu quatschen und darf ich dich was fragen?” fragte mich meine Schwester Anna.
“Ja aber sicher doch. Was möchtest du denn wissen?”
“Kannst du mir etwas über dein Leben in Saudi-Arabien erzählen? Hast du dich schon immer verschleiert? Wie ist das einen Schleier zu tragen?”
“Das sind ja gleich einige Fragen. Aber ich beantworte dir die Fragen gern. Fangen wir vielleicht mit den letzten beiden an: Vollständig verschleiert, wie es Soraya nun tut habe ich mich erst die letzten vier Jahre, nachdem mein Vater einen neuen Job in einer sehr traditionellen Gegend angenommen hatte. Er hatte seinen Job verloren und um uns über die Runden zu bringen, blieb nichts anderes übrig als diesen Job anzunehmen. Das hatte leider zu Folge, das sich alle Frauen der Familie, also Fatima, Sorayas Mutter, Safiya und Aisha, Sorayas Schwestern und ich mich vollständig verschleiern mussten. Und zwar ständig. Wir haben auch verschleiert geschlafen. Das war zunächst eine riesige Umstellung, da wir uns bis dahin zuhaus nie verschleiert hatten und wenn wir das Haus verließen auch nur die Haare bedeckt haben.
Aber es blieb uns nichts anderes übrig, da Mahmood den Job nur unter der Voraussetzung erhalten hatte, das wir diesen Traditionen folgten. Unter dem Schleier ist es sehr warm, auch wenn wir eine Klimaanlage im Haus hatten. Sobald wir das Haus verließen, brannte die Sonne meist unbarmherzig und heizte uns weiter auf. Daher blieben wir meist im Haus. Wir durften sowieso nur in den Garten, der von außen nicht einsehbar war. Das Haus verlassen durften wir nur mit unserem Vater. Auch so eine Tradition. Das Leben war somit ziemlich langweilig. Es blieben uns nur die Hausarbeit, das beten und das Lesen im Koran. Andere Bücher waren dort nicht erlaubt. Und hätte jemand mitbekommen, das wir etwas anderes lesen, hätte Mahmood sicher seinen Job verloren. Es war dort alles sehr streng reglementiert. Das ist wahrscheinlich ähnlich wie hier, wenn du in das Gefängnis musst. Wobei ich vermute, das die Gefangenen hier noch mehr Freiheiten haben als wir damals hatten. Es war also ein riesiger Schock als wir umgezogen waren und wir uns auf das neue Leben einstellen mussten.
In den Jahren davor lebten wir in einem sehr liberalen Bereich. Natürlich nicht mit Deutschland zu vergleichen. Frauen hatten auch dort nur eingeschränkte Rechte. Aber ich konnte zur Schule gehen, wir hatten Fernsehen und da meine Eltern einige Zeit unter anderem auch in Deutschland gelebt hatten, konnten wir auch westliche Sender empfangen und ich sah mir gern Fernsehserien aus Deutschland und den USA an. Ich beneidete die Teenager in den Serien, da die so vielen Freiheiten hatten, viel mehr als wir. Ich stellte mir häufig vor, wie es wäre, wenn ich dort leben würde.
Abgesehen von den eingeschränkten Freiheiten unterschied sich unser Leben nicht so sehr von westlichen Teenagern. Wir Interessierten uns auch für Kleidung, Makeup, Schmuck und Jungs. Und ich vermute, das wir genauso wie ihr auch für Jungs geschwärmt haben und über andere gelästert haben. Ich habe sehr gern Bücher gelesen und mich mit Freundinnen getroffen. Wir wohnten in einem ruhigen und wohlhabenen Viertel und konnten auch jederzeit das Haus verlassen, ohne das uns irgendjemand Vorschriften machte. Im Gegensatz zu später war das Leben interessant und angenehm. Unter der Abaya trug ich meist Jeans aber auch schon mal einen kurzen Rock, hatte lackierte Fingernägel und trug Makeup.
Ich denke du kannst dir vorstellen, was das für eine Umstellung für mich war. Ich hatte zwar versucht bei “meiner” Tante bleiben zu können, aber Fatima und Mahmood haben das nicht erlaubt.
Und dann riefen mich eines Tages Mahmood und Fatima zu sich und teilten mir mit, das ich Sultan heiraten werde. Safiya hatte bereits ein Jahr früher den Sohn vom Chef von Mahmood geheiratet. Im Gegensatz zu mir hatten sich Safiya und Aisha leichter an die neuen Lebensumstände gewöhnt, auch wenn beide der Freiheit die wir hatten nach trauerten.
Ich war grad 18 als die Hochzeit stattfinden sollte. Ich hatte bis dahin immer noch die Hoffnung gehabt, das ich wieder zurückkehren konnte. Aber mit der Hochzeit war das dann nicht mehr möglich.
Schließlich fand die Hochzeit statt und für mich endete in dem Moment mein Leben. Ich war mir in dem Moment sicher, das ich für den Rest meines Lebens vollständig verschleiert im Haus weggesperrt bleiben würde.
Mit der Heirat hatte sich für mich nichts geändert, außer das ich nun bei Sultan wohnte.
Eines Tages kamen Mahmood und Fatima vorbei und erzählten uns schließlich von der Verwechslung. In dem Moment wurde mir einiges klarer. Ich war im Gegensatz zu Safiya und Aishe rebellischer und bockiger. Als Fatima mir davon erzählt hatte, wusste ich nicht was das für mich bedeuten sollte.
Am Abend hatte ich mich wieder auf den allnächtlichen Besuch von Sultan eingestellt. Dieser kam allerdings deutlich früher als ich es erwartet hatte.
“Ich will die Scheidung” war alles was er sagte bevor er wieder verschwand.
Ich saß auf meinem Bett und wusste nicht was ich tun sollte. So schlimm es für mich war Sultan zu heiraten, aber eine Scheidung war noch viel schlimmer. Welcher Mann würde mich denn noch nehmen, nachdem ich geschieden war. Ich würde immer auf die Hilfe meiner Eltern angewiesen sein. In der Gegend in der wir wohnten, durften Frauen nur mit der Erlaubnis des Ehemannes oder des Vaters arbeiten. Mein Vater hat vor meiner Hochzeit nich erlaubt, das ich arbeite. Außerdem habe ich auch keine Ausbildung und studieren durfte ich nicht. Meine Zukunft sah also nicht besonders rosig aus.
Als Mahmood und Fatima davon erfuhren, musste ich sofort nach Haus kommen. Es war für mich dann sehr überraschend, als sie mir eröffneten, das ich mit ihnen und Aishe nach Deutschland fliegen werde und dort meine Leibliche Mutter kennenlernen würde. Ich wusste nicht ob ich weinen oder lachen sollte. Ich hatte die Neuigkeiten, das ich nicht die leibliche Tochter von Mahmood und Fatima bin und die bevorstehende Scheidung noch gar nicht verdaut und nun sollte ich auch meine Mutter und Schwester kennenlernen. Ich war einerseits elektrisiert, andererseits aber auch in gewisserweise ängstlich. Ich wusste nicht was mich erwartete. Vor allem vor dem Zusammentreffen mit meiner Mutter hatte ich Angst. Würde sie mich mögen? Ich hatte Angst letzten Endes zwischen allen Stühlen zu sitzen und nicht zu wissen wo ich hingehöre. Diese Angst habe ich nun nicht mehr, nachdem ihr mich so liebevoll aufgenommen habt.”
“Du bist meine Schwester. Und ich denke wir werden und in nächster Zeit immer besser kennen lernen. Ich werde dir mit allem helfen. Bitte frag mich wenn dir etwas unklar ist oder du Hilfe brauchst. Ja?”
” Ja danke das werde ich machen. Du bist echt lieb.”
“Ich kann es immer noch nicht glauben, das Melanie, oh entschuldige ich meine natürlich Soraya sich einfach so verschleiert und ein vollkommen anderes Leben führen will.”
“Ich denke sie tut es für ihre Eltern um zu verhindern, das die Familie in die Armut abrutscht. Was anderes kann ich mir nicht vorstellen. Ich nehme an, das sie nach der Aussage von Sultan keine anderen Ausweg sah.”
“Vorstellbar ist es, denn Soraya war schon immer sehr sozial eingestellt. Das wohl anderer Menschen lag ihr immer am Herzen. Selbst dann wenn es für die selbst Nachteile hatte. Ich habe das nur verstanden.”
” So wie du Soraya beschreibst, kann ich mir dann schon vorstellen, das sie das alles auf sich nimmt um ihre Familie zu schützen. ”
“Das ist wohl war.

Soraya

Meine Aufgaben im Haushalt gingen mir immer besser von der Hand. Dadurch war ich abends nicht so abgespannt und konnte mich besser um Sultan kümmern wenn er zu mir kam. Es ist schon komisch, vor einigen Wochen hätte ich ihn am liebsten zum Mond geschossen und nun denke ich morgens schon daran, wie es sein wird wenn er am Abend in mein Schlafgemach kommt. Gleichzeitig bin ich zwiegespalten. Mein Verstand rebelliert gegen die Lebensumstände. Im Grunde werde ich wie eine Sklavin gehalten. Mein Körper aber verlangt nach dem Sex mit Sultan. Und es immer wieder das gleiche, mein Verstand kann sich gegen mein körperliches Verlangen immer weniger durchsetzen.
In diesen Tagen sollte ich eigentlich meine Periode haben, aber bisher war noch nichts. Entweder bin ich schwanger, oder aufgrund des Troubels der letzten Wochen reagiert mein Körper anders als bisher.
Der Gedanke an eine Schwangerschaft jagt wieder heiße Schockwellen durch meinen Körper. Ich fange an zu schwitzen und bekomme feuchte Hände. Sollte es tatsächlich so sein, das ich schwanger bin? Mir wird schwindlig. Ich muss mich hinlegen.
Ich wollte eigentlich immer Kinder haben, aber nicht so früh sondern erst mit 30 oder späterda ich vorher studieren und Karriere machen wollte. Heiraten stand für mich da erst einmal ganz weit unten auf meiner Prioritätenliste.
Und nun sitze ich hier irgendwo in Saudi-Arabien, bin verheiratet und vollständig verschleiert und möglicherweise schon schwanger.
Kurz nachdem Aisha mich fand hatte sie Sultan informiert. Dieser kam sofort um sich um mich zu kümmern. Er führte mich zum Auto und wir fuhren gemeinsam in die Klinik. Sultan musste tatsächlich einen erheblichen Einfluss haben, denn sobald wir in der Klink ankamen, waren schon Pfleger um mich herum, setzten mich in einen Rollstuhl und fuhren mich in die Notaufnahme. Kurze Zeit später kam bereits der Arzt, wie sich herausstellte war es sogar der Chefarzt, der mich eingehend untersuchte.
Auch wenn er sicherlich nicht aus Saudi-Arabien kam, war ihm mein Anblick offensichtlich nicht ungewohnt. Routiniert führte er die Untersuchungen durch.
Nachdem er fertig war, wurde ich von einem Pfleger in sein Besprechungszimmer geführt, wo auch Sultan schon wartete. Nach kurzer Zeit kam der Arzt und bat uns Platz zunehmen.
“Herzlichen Glückwunsch, sie werden Eltern. ”
“Können Sie schon sagen was es wird?” fragte Sultan sofort.
“Tut mir leid, in dem frühen Stadium kann das Geschlecht noch nicht festgestellt werden. Es ist noch nichts zu erkennen.”
Jetzt war es also passiert. Und schneller als ich es erwartete hatte. Die Feststellung des Arztes stürzte mich wieder in ein Gefühlschaos. Ich wollte immer Kinder haben, aber nicht unter diesen Umständen. Ich wollte selbst entscheiden wann ich ein Kind bekomme. Ich wollte erst Studieren und Karriere machen. Aber die letzten Wochen haben alles über den Haufen geworfen. Wie oft habe ich mich schon gefragt, was gewesen wäre, wenn ich nicht auf die Idee gekommen wäre meine Eltern zu suchen. Ich würde im Moment in einem Hörsaal sitzen und mir den Vortrag des Professors anhören. Ich würde mich mit Freundinnen und Freunden treffen und meine Freizet geniessen. Ich würde Partys und Clubs besuchen, ins Kino oder in eine urige Studentenkneipe gehen. Aber alles im Konjunktiv.
Stattdessen sitze ich voll verschleiert mit einem Knebel im Mund mit meinem Ehemann beim Frauenarzt und mit wird grad mitgeteilt, das ich Mutter werde. Ich habe das Gefühl als hätte mir jemand den Boden unter den Füssen weggezogen. Nachdem mein Mann sich von dem Doktor verabschiedet hatte, mich hat er mit Ausnahme der Untersuchung überhaupt nicht wahrgenommen, bin ich nahezu wie eine Betrunkene aus der Praxis getaumelt. Hätte mein Mann nicht gestützt, ich wäre garantiert entweder der länge nach umgefallen oder irgendwo gegengelaufen.
Von der Fahrt nach Haus habe ich nichts mitbekommen so benebelt war ich von dem Schock. Was anderes war es nicht. Ein Schock.
Sultan führte mich in mein Schlafzimmer und legte mich sanft und vorsichtig aufs Bett. Nachdem er den Knebel entfernt hatte, sagte er noch, das ich mich ausruhen solle und er meine Eltern benachrichtigen werde.
Ich war fix und fertig. Die Gedanken kreisten unaufhörlich in meinem Kopf. Aber ich konnte keine Struktur, keine Ordnung in meine Gedanken bringen. Irgendwann muss ich eingeschlafen sein.
Ich weiss nicht wie lange ich geschlafen habe, als ich von einem sanften rütteln langsam wach wurde. Ein Alptraum, schoss es mir in den Kopf, es muss ein fürchterlicher Alptraum gewesen sein.
Als ich die Augen aufschluh um zu sehen, wer mich rüttelte, sah ich meine Mutter.
“Endlich wach. Ich freue mich so mein Kind. ”
“Was? Wieso?” fragte ich
“Sultan hat mich gleich angerufen, als ihr vom Doktor zurück wart und die Neuigkeit erzählt. Ich bin so glücklich für dich”
Also war es doch kein Alptraum oder besser gesagt es ist ein Alptraum, aber einer der nicht nach dem Aufwachen vorbei ist. Ich bin schwanger. Ich muss mir das immer wieder vor Augen führen, sonst glaube ich das nicht.
“Was ist mit dir Soraya, freust du dich denn nicht”
“Doch schon, aber es kommt alles so überstürzt. Ich habe ja noch gar nicht richtig realisiert, das ich verheiratet bin, geschweige denn wie ich leben muss, und nun kommt auch noch die Schwangerschaft dazu. Das ist mir alles zu viel”
“Das wird schon werden. Mir ging es damals mit der ersten Schwangerschaft auch so.”
“Ich glaube du verstehst mich nicht und das kann man auch nicht vergleichen. Du bist islamisch erzogen worden. Ich aber bin westlich erzogen worden, kenne die westlichen Lebensumstände und stecke von heut auf morgen ein einer für mich gänzlich unbekannten Welt. Ich hatte weder vor so früh zu heiraten noch wollte ich jetzt schon Kinder. Auch die ganzen anderen Lebensumstände sind für mich absolut neu und ich kann mich nicht daran gewöhnen. Ich hatte immer meine Freiheit und nun bin ich eingesperrt in meinem Frauenbereich und ständig und immer verschleiert. In Deutschland konnte ich tun und lassen was ich wollte und kein Mann hat mir irgendwelche Vorschriften gemacht.
Das ist alles zuviel für mich”
“Jetzt hör mir mal zu. Du bist meine Tochter und Muslimah. Ich weiss das es nicht einfach ist, aber du musst dich auch bemühen und Allah gehorchen. Er wird dich auf den richtigen Weg führen. Es ist so wie es ist und du wirst daran nichts ändern können. Du kannst nur versuchen das beste daraus zu machen, oder du vertraust Allah dir den richtigen Weg zu zeigen. ”
Ich war fassungslos angesichts dessen war mir meine Mutter grad um die Ohren gehauen hat. Ich musste jetzt erstmal allein sein, um klare Gedanken fassen zu können.
“Ich möchte jetzt allein sein. Ich möchte nachdenken” sagte ich zu meiner Mutter.
“Ich verstehe, ich bin da wenn du mich brauchst.” antwortete meine Mutter mir etwas beleidigt.

Nachdem meine Mutter gegangen war, dachte ich über meine Situation nach. Ich saß hier irgendwo mitten in der Wüste, verheiratet und in Erwartung eines Kindes. Eigentlich sollte ich in einer Univorlesung sitzen. Aber das wird es nicht mehr geben. Was sollte ich tun. Wie soll ich mit der Situation umgehen, in die ich mich selbst hineinmanövriert hatte. Egal wie ich die Situation betrachtete, ich kam zu keiner befriedigenden Lösung. Mir fiel kein Weg zurück in mein altes Leben ein.
Wie es Melanie nun wohl ergehen würde? Wie kommt sie mit der neugewonnenen Freiheit zu recht? Werde ich überhaupt jemals wieder etwas hören von Karin, Anna und Melanie oder meinen Freundinnen?
Plötzlich und unerwartet kam Sultan in mein Schlafzimmer. Ich schaute etwas verdutzt auf die Uhr, und stellte fest, das noch nichtmal Zeit für das Abendmahl war.
“Was machst du denn hier. Es ist doch noch viel zu früh”
“Ich weiß, ich bin gekommen um mit dir zu sprechen. Ich weiß das sich in den letzten Wochen sehr viel für dich verändert hat. Ich weiß auch, das dein Leben vollkommen auf dem Kopf steht und du nicht weißt wie du damit umgehen sollst. Ich möchte allerdings eines klarstellen. Dies ist nun dein Leben und es wird sich daran auch nicht ändern. Damit du dich aber besser zurecht finden kannst, habe ich folgendes entschieden. Der Haushalt wird ab sofort von Aisha geführt werden, da du ab morgen eine Koranschule besuchen wirst. Zum einen, damit du mehr über den Islam und unsere Traditionen lernen wirst und auch unseren Lebensstil besser akzeptieren kannst und zum anderen auch um unsere Kinder entsprechend erziehen zu können. In der Schule wirst du den Koran lernen und du wirst eine erfahrene Schülerin als Tutorin bekommen, die dir in allen Dingen helfen wird. Dann hast du auch Abwechslung.”
“Ich würde viel lieber nach Deutschland zurück kehren und dort wie bisher weiter leben.”
“Das tut mir leid, das ist nicht möglich. Morgen geht es los.” spach er und verschwand.

Ich war sprachlos. Wieder hatte er mich auf eine Achterbahn der Gefühle geschickt. Nach den ersten Sätzen hatte ich gehofft, das er mir Erleichterung verschafft, und dann hat er alle Hoffung wieder zunichte gemacht. Mit jedem mal sank meine Hoffnung etwas an meiner Lebenssituation zu ändern.

Heute wartete ich vergeblich auf Sultan. Wobei ich nach dem Nachtgebet ziemlich schnell eingeschlafen war. Es war also möglich, das Sultan mich besucht hat als ich bereits schlief. Wenn ja, dann musste er heute ohne seine Ration Sex einschlafen.

Am nächsten Tag:
Nach dem Frühgebet und Frühstück kam Sultan in mein Quartier und gab mir den Knebel den ich außerhalb des Hauses zu tragen hatte. Nachdem ich diesen angelegt hatte führte Sultan mich zum Wagen und ließ mich auf die Rücksitzbank steigen. Nach einer kurzen Fahrt kamen wir vor einem großen Tor in einem Wohngebiet zum Halt. Nach kurzer Zeit öffnete sich das Tor und Sultan fuhr ein einen großen Innenhof.
“Dies ist die Koranschule die du von nun an besuchen wirst.” teilte er mir mit.
Nachdem er mir die Tür geöffnet hatte, die aufgrund der Kindersicherung nur von außen geöffnet werden konnte, stieg ich aus und stand im Innenhof eines 2 Stöckigen Gebäudes mitten in der prallen Sonne. Auch wenn es noch früh am Morgen war, wurde mir unter meiner Kleidung schon jetzt richtig warm. Wie sollte das erst zum Mittag hin werden, wenn die Sonne so richtig vom Himmel brannte. Aus einer Tür im uns gegenüber liegenden Haupthaus trat ein Mann mittleren Alters sowie eine ebenso wie ich vollständig verschleierte Frau. Nach einer kurzen Begrüßung zwischen Sultan und diesem Mann, die ich nicht verstehen konnte, da beide arabisch sprachen, wendete sich der Mann an mich.
“Ich freue mich, das du die Koranschule besuchen willst, wie mir dein Mann erzählt hat. Da du der arabischen Sprache nicht mächtig bist, wirst du einzeln unterrichtet. Der Untericht beginnt morgens nach dem 2. Gebet und endet am Abend. Zur Mittagszeit gibt es etws zu essen, die Gebete werden natürlich auch eingehalten. Nach jeweils 2 Unterrichtsstunden wirst du zusammen mit Alima, die hier neben mir stehst den Unterricht nochmal erarbeiten. Darüber hinaus wird dir Alima das Leben als Muslima näherbringen. Ich bin mir sicher, das du, nach Abschluß der Schule eine gute und fromme Muslima und gutes Vorbild für deine Kinder sein wirst.”
In mir machte sich eine gewisse Unsicherheit breit, da ich nicht wusste, was mich erwartete.
“Heute wird Alima dir alles erklären was du wissen musst.”
Alilma streckte ihre Hand aus, ergriff die meine und zog mich in das Gebäude, welches angenehm temperiert war. Nach einem kurzen Weg gingen wir in einen kleinen aber gemütlichen Raum. Alima bedeutete mir, den Knebel abzunehmen.
“Hallo Soraya, ich freue mich dich kennen zu lernen. Ich heiße Alima und werde von nun an deine Tutorin sein. Ich hoffe, das wir uns gut verstehen und wir Freundinnen werden. ”
“Hallo Alima, ja das hoffe ich auch” sagte ich obwohl ich eigentlich ganz anders antworten wollte, doch ihre sanfte Stimme und die Tatsache, das sie mit meiner Situation überhaupt nichts zu tun hatte ließen mich meine Feindseligkeit beiseite schieben. Außerdem kann es nicht schaden eine Freundin zu haben, auf die man sich im Zweifel verlassen kann. Mal sehen ob Alima eine solche Freundin sein kann.
“Der Direktor hat mir von dir und deiner Geschichte erzählt. Ich kann mir gut vorstellen, das dir alles fremd vorkommt und ich bewundere ich, wie du es bisher ertragen hast. Es würde mich sehr glücklich machen wenn ich dir helfen kann.”
“Danke. Es ist im Moment sehr schwer für mich. Vor allem zu akzeptieren, das Frauen nicht die gleichen Rechte wie Männer haben, das wir quasi Gefangene im eigenen Haus sind. Das bin ich nicht gewohnt und es macht mich manchmal verrückt.”
“Möchtest du über deine Situation reden? Es hilft manchmal wenn man sein Herz ausschütten kann. Vielleicht ist es mir auch möglich über den Direktor für dich die ein oder andere Erleichterung zu erreichen.”
“Danke für dein Angebot. Ich hatte bisher noch niemandem mit dem ich über meine Situation und meine Gefühle sprechen konnte. ”
“Wenn du möchtest, höre ich dir gern zu. Heute haben wir Zeit dazu”
“Danke. Wie du vielleicht weißt, bin ich bei meiner Geburt mit einem anderen Mädchen vertauscht worden. Ich bin daher in Deutschland bei einer deutschen Familie mit westlichen Werten und Weltanschauung groß geworden. Ich hatte sämtliche Freiheiten, sofern in der Schule alles gut lief. Ich hatte Freundinnen mit denen ich mich nach der Schule in der Stadt zum Einkaufsbummel oder in einem Cafe zum quatschen traf. Wir träunten von Jungs und schönen Klamotten, gingen auf Parties und in Diskotheken. Mit 17 hatte ich meinen ersten Freund. Es war ein schönes und vor allem freies Leben. Niemand der uns Vorschriften machte.
Und dann kam der alles ändernde Tag. Ich bekam einen Anruf in dem mir mitgeteilt wurde, das meine Blutgruppe laut der Blutspende nicht mit der Blutgruppe laut Impfpass übereinstimmte. Da Sie auch die Blutgruppen von meinem Vater und meiner Mutter kannten und deren Kombination nie zu der Blutgruppe hätte führen können, die ich hab, konnte ich nicht von den beiden Abstammen. Nach DNA Tests stand fest, das meine Eltern nicht meine Eltern sind. Im ersten Moment dachte ich das meine Eltern mich adoptiert hatten und es mir nicht gesagt hatten. Nur meine Mutter verneinte dies und war genauso vom Ergebnis überrascht wie ich. Ich fing also an zu recherchieren. Eins führte schließlich zum anderen und ich fand meine Eltern. Diese besuchten mich schließlich auch in Deutschland und so kam ich das erste mal mit der Verschleierung in Berührung. Ich hätte nie gedacht, das ich nun den Rest meines Lebens verschleiert verbringen würde. Damals als meine Eltern das erste mal mich in Deutschland besucht haben, wollte ich meinen Eltern einen Gefallen tun und habe mich daher dazu entschieden mich in der Zeit in der meine Eltern in Deutschland sind bei Ihnen zu verbringen und zu verschleiern. Ich hätte damals im Traum nicht daran gedacht das das nur der Anfang war.
Nach einiger Zeit kam es zur Scheidung zwischen Sultan und der früheren Soraya. Meine Eltern kamen zusammen mit Soraya und Aishe ein 2. Mal nach Deutschland. Zu dem Zeitpunkt hatten wir schon die Diskussion, ob Sultan die Erfüllung des Versprechens von meinem Vater fordern würde und mich Sultan zur Frau zu geben.
Und es kam wie es kommen musste. Sultan stand vor der Hoteltür und verlangte, das ich ihn heirate. Ich habe natürlich abgelehnt. Aber er hat damit gedroht meine Familie zu vernichten. Nachdem ich mit meinen Eltern gesprochen hatte, hatten meine Eltern tatsächlich Probleme gehabt und Sultan hatte Ihnen Geld geliehen. Wenn er dieses nun zurück fordern würde, wären meine Eltern und die Familie ruiniert. Die einzige Möglichkeit dies zu verhindern war die Hochzeit mit Sultan. Wie könnte ich mich je wieder im Spiegel ins Gesicht blicken, wenn ich meiner Familie nicht helfe. Ich konnte nicht anders als Sultan zu heiraten um meine Familie zu retten.

Aber je länger ich nun hier bin, desto mehr Zweifel kommen mir und ich weiß nicht mehr was ich tun soll. Ich kann mich nicht an dieses Leben gewöhnen. Diese Einsamkeit, quasi wie eine Gefangene zu leben und mich immer zu verschleiern, das macht mir zu schaffen.”

“Ich kann das nachvollziehen Soraya. Mir ging es ähnlich. Mein Vater hat eine kleine Firma, der es schlecht ging. Eines Tages kam ein Kunde von ihm und bot ihm an, die Firma zu retten, wenn ich seine Frau würde. Meine Eltern haben sofort zugestimmt. Ich hatte überhaupt kein Mitspracherecht. Ich musste mich auch genauso wie du von einem Tag auf den anderen an andere Sitten und Kleidung gewöhnen. In der Anfangszeit habe ich oft daran gedacht mir das Leben zu nehmen, so verzweifelt war ich. Dann wurde ich schwanger und musste daran denken, das ich nicht nur meinem Leben ein Ende setzen würde sondern auch dem ungeborenen Leben welches ich unter meinem Herzen trug. Danach habe ich nie wieder daran gedacht mich umzubringen. Ich wusste ich konnte an meinem Lebensstil nichts ändern. Die einzige Möglichkeit war es diesen so zu akzeptieren. Es hat mich noch viele Monate voller Selbstzweifeln gekostet bis Allah mir endlich den richtigen Weg gezeigt hat. Ich bin glücklich mit meinem Mann und unseren Kindern. Der Weg dorthin war schwierig und dornenreich, aber er hat sich gelohnt. Ich bin mir sicher, das auch du diesen Weg finden und gehen wirst. Allah wird dir den rechten Weg zeigen. Immer wenn du Hilfe brauchst oder Fragen hast werde ich für dich da sein.
Du wirst in dieser Schule sehr viel lernen. Mir hat es auch sehr geholfen von älteren und erfahrenen Muslimas unterstützt zu werden. Und ich würde mich sehr freuen, wenn du meine Hilfe annehmen würdest und meine Freundin wirst.”

” Ich danke Dir. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, wie ich Deinen Weg gehen soll, aber ich vertraue Dir und möchte gern Deine Freundin sein.”

“Danke. Du kannst Dich immer auf mich verlassen. So die Zeit ist um. Ich denke Dein Mann wird Dich gleich abholen.”

Es dauerte nicht mehr lang, und Sultan fuhr vor. Nach einigen Worten mit dem Leiter der Schule durfte ich auf dem Rücksitz platz nehmen und wir fuhren nach Haus. Überraschenderweise kam Sultan mit in meinen Bereich und zeigte mir meinen neuen Computer.
“Ich weiss das du dich einsam fühlst. Ich möchte das du dich besser fühlst und du auch mit deiner Familie und Freundinnen Kontakt halten kannst. Ich habe dir daher einen Computer anschließen lassen. Du kannst damit arbeiten und auch Chatten. Allerdings sind nicht alle Inhalte frei, aber du kannst zumindest den Kontakt halten. ”
Wieder hatte Sultan mich überrascht. Ich wurde aus ihm nicht Schlau. Einerseits ist er sehr streng andererseits ist er sehr liebevoll.
“Ich danke dir.”
Er nahm mich in die Arme.
“Ich weiss das es für dich nicht einfach ist. Ich möchte aber, das du dich wohlfühlst da ich dich liebe. Ich habe es mir in den letzten Monaten etwas zu leicht gemacht und werde nun versuchen dich besser zu unterstützen, damit du dich in deinem neuen Leben besser zurecht findest.”
Wieder hatte er mich auf eine Achterbahnfahrt geschickt. Nach den ersten Worten hatte ich gehofft, das er mir einige Erleichterungen gewährt, aber als er fertig war, wusste ich das daraus nichts wird. Zumindest konnte ich nun Kontakt mit meiner Familie und Freunden halten. Und ich wusste auch schon wen ich als erstes kontaktiere.

Katie

Nachdem ich das Chatprogramm gestartet hatte, sah ich zu meiner großen Freude, das Katie wie erwartet online war.

„Hallo Katie, hast Du Zeit mit mir zu chatten?“
„Aber natürlich. Für Dich liebes habe ich immer Zeit. Was gibt es denn neues? Ist ja schon einige Zeit her das wir uns das letzte Mal gesprochen haben. Ich dachte schon ich hätte Dich verärgert.“
„Nein absolut nicht. Es ist nur soviel neues auf mich eingeprasselt, das muss ich erstmal verarbeiten“
“Dann erzähl mal. Ich bin gespannt, was seit dem letzten Chat so alles passiert ist.”
Ich erzählte Katie alles was seitdem bis zum heutigen Tage passiert ist.
“Aber Sultan kann dich doch nicht einfach so einsperren. Du bist eine erwachsene Frau mit Rechten.”
“Ich weiss und du hast recht, aber hier gehen die Uhren leider anders. Was mir am meisten zu schaffen macht, ist das ich Sultan einerseits liebe für seine Fürsorglichkeit aber andererseits auch wieder hasse, dafür, das er mich quasi gefangen hält. Es ist immerwieder eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Ich wünschte mir ich hätte eine gute Freundin wie Dich hier mit der ich immer über alles sprechen kann. Die Einsamtkeit macht mir manchmal sehr zu schaffen.”
“Danke für die Blumen. Ich würde sofort die Sachen packen und zu dir kommen, wenn ich denn so einfach einreisen könnte. Aber was ist mit deinen Schwestern und deiner Mutter? Kommen diese dich denn wenigstens besuchen.”
” Ja das tun sie, und ich bin ihnen auch sehr dankbar dafür, aber sie sind halt anders aufgewachsen als ich es bin. Für sie ist ein solches leben quasi normal. Sie hatten nicht die Freiheiten die ich hatte. Daher verstehen sie meistens nicht warum ich so traurig bin.”
“Ich verstehe dich sehr gut. Ich werde immer für dich da sein. Und wenn die Möglichkeit besteht dich zu besuchen, werde ich diese Möglichkeit auch wahrnehmen. Aber die Einreisebestimmungen sich sehr restriktiv.”
“Ich spreche mal mit Sultan ob er dem überhaupt zustimmen würde. Ich muss jetzt leider Schluß machen, da das Abendgebet ansteht. Ich hoffe das wir in kürze wieder chatten können. Du hast mir sehr geholfen.”
“Danke das du dich gemeldet hast. Ich freue mich auf unser nächsten Chat und bleib tapfer und lass dich nicht unterkriegen. Einen schönen Abend.”

Soraya

Nachdem ich zu Abend gegessen hatte und die Gebete verrichtet hatte, musste ich nicht lage warten bis Sultan zu mir kam. Ich war überrascht, das er früher kam als sonst.
“Wie war dein Gespräch mit deiner Freundin?” fragte er mich.
“Wunderbar. Es tut gut mit jemanden sprechen zu können auch wenn es nur über den PC ist.”
“Das freut mich.”
“Wäre es möglich, das meine Freundin uns besucht? Sie hat etwas von Einreisebeschränkungen erzählt, aber ich habe keine Ahnung davon. Würdes du es erlauben, das sie mich besucht wenn es möglich ist?”
“Ja das würde ich. Ich möchte, das du dich wohlfühlst und dich an dein Leben gewöhnst. Ich werde mich morgen informieren, was notwendig ist damit deine Freundin dich besuchen kann.”
“Danke. Ich liebe dich auch. Aber es ist wirklich nicht einfach für mich. Ich sehne mich danach mit anderen Menschen Kontakt zu haben. ”
” Morgen bringe ich dich wieder in die Koranschule. Dort hast du Kontakt zu anderen Schülern. Das wird dir guttun.”
Ich hatte mir eingentlich andere Kontakte vorgestellt als diejenigen die ich in der Koranschule treffe. Aber besser als den ganzen Tag in den eigenen Räumen “eingesperrt ” zu sein.

Melanie

“Melanie kommst du bitte mal zu mir.”
“Ja einen Moment.”
“So da bin ich”
“Die Freundinnen von Soraya haben bereit mehrfach angerufen und möchten Soraya sprechen beziehungsweise wissen, was mit Ihr ist. Ich dachte mir, das es das beste sein wird, alle einzuladen und denen die ganze Geschichte zu erzählen und dich vorzustellen. Was meinst du dazu?”
“Meinst Du?”
“Ich denke das ist die beste Lösung, bevor irgenwelche Geschichten in Umlauf kommen, die nur Halbwahrheiten enthalten.”

Ich war gespannt was da auf mich zukommt. Hoffentlich sehen die Freundinnen in mir nicht den Auslöser dafür, das Soraya nun mit Sultan verheiratet ist und ihr neues Leben führt, während ich hier ihr Leben führe.
“Gut ich habe nämlich alle für morgen eingeladen. Übrigens auch Tom, den früheren Freund von Soraya.”
Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich war davon ausgegangen, das nur die Freundinnen von Soraya kommen aber nicht ihr Freund.
“Schön, wann kommen sie morgen”
“Gegen 15:00. Wir haben also ausreichend Zeit noch Kuchen zu backen und einiges vorzubereiten. Anna wird dir alles was wichtig ist über die Gäste erzählen. ”
“OK. Dann werde ich mal zu Anna gehen. Wann willst du Backen?”
” Das können wir später machen. Ich rufe euch dann”

“Herein”
Nach dem Gespräch mit meiner Mutter bin ich zu Anna und mit Ihr über die Freundinnen von Soraya zu sprechen”
“Hallo, hast du Zeit?”
“Ja, du möchtest bestimmt das ein oder andere über die Freundinnen von Soraya erfahren?”
“Das wäre nett, dann stehe ich morgen nicht so doof da”
” Also ihre Freundinnen heißen Nelly, Lena, Sarah und Annabelle, wobei Nelly ihre beste Freundin ist, wenn du verstehst was ich meine. Die beiden haben alle Geheimnisse miteinander geteilt. Die beiden haben immer zusammengehalten wie Pech und Schwefel. Ich bin mir im Moment aber nicht so sicher, ob dies noch so wäre, wenn die beiden jetzt aufeinander treffen würden, nachdem Soraya so Hals über Kopf verschwunden ist ohne Nelly etwas zu erzählen. Lena, Sarah und Annabelle sind nicht ganz so enge Freundinnen von Soraya. Die haben zwar immer viel miteinander unternommen, aber waren nie so eng wie Soraya und Nelly. Die 5 haben zusammen Handball gespielt und sind zusammen zur Schule gegangen. Lena und Sarah studieren zur Zeit in Hamburg, Annabelle in Berlin und Nelly mach eine Ausbildung zur Bankkauffrau. Da im Moment Semesterferien sind, sind alle zu Haus.”
“Kannst du mir die Mädels auch beschreiben, damit ich sie auseinander halten kann?”
“Nelly ist die größte von allen mit schwarzen Haaren. Lena ist blond und hat die größte Klappe. Annabelle ist rothaarigund Sarah ist dunkelhaarig und zurückhaltend mit Ausnahme auf beim Handball. Da ist sie die wildeste von allen. ”
“Danke. Ich bin schon gespannt, wie das morgen verlaufen wird. Ich hoffe das mir die Freundinnen keinen Vorwurf machen, das Soraya nun in Saudi Arabien und ich hier”
“Das denke ich nicht, wenn sie die Geschichte gehört haben.”

“Kommt ihr in die Küche zum Backen”
“Ja wir kommen”

Nach einer wahren Küchenschlacht hatten wir 3 Kuchen gebacken. Es war unglaublich schön mit meiner Familie zusammen zu sein. Schade nur, das mein leiblicher Vater verstorben ist bevor ich Ihn kennenlernen konnte.
Es ist in den letzten Monaten viel besser gelaufen als ich es mir erträumt hatte. Meine neue Familie hat mich voller Liebe aufgenommen. Soraya ist zwar manchmal noch Gesprächsthema aber nicht mehr allzu oft. Meine Mutter ist froh das ich da bin. Ich hoffe, das mich auch die Freundinnen von Soraya akzeptieren, dann habe ich es geschafft.

Soraya

“Hallo Soraya, schön das du da bist” begrüßte mich Alima in der Koranschule. “Ich möchte dir 2 Mitschülerinnen vorstellen. Noor und Samira, sie studieren schon einige Zeit an der Koranschule und werden dir helfen dich hier zurecht zu finden und dich beim lernen unterstützen.”
Außer 2 schwarzen Figuren konnte ich nichts erkennen. Glücklicherweise trug jede Schülerin ein Namensschild, sonst könnte man die Schülerinnen nicht auseinanderhalten, denn alle Schülerinnen waren vollständig verschleiert und Schwarz die einzige Farbe. Langsam wurde mir klar, das dies eine sehr konservative und fromme Koranschule sein musste. Denn in meiner Erinnerung hatte ich in einer Dokumentation über Saudi-Arabien auch Frauen gesehen, die sich nur leicht verschleiert hatten und auch nur wenn fremde Männer dabei waren. Hier waren mir Ausnahme des Leiters aber nur Frauen. Und trotzdem waren alle vollständig verschleiert. Man sah kein bisschen Haut von keiner der Schülerinnen.
“Hallo Noor, hallo Samira, schön euch kennen zu lernen.”
“Hallo Soraya” kam unisono zurück. “Ich denke wir sollten nun in den Klassenraum gehen” übernahm Noor die Führung.
“Wir werden mit dem Lesen des Korans beginnen und dir die Inhalte erläutern. Die Auslegung des Korans obliegt den Rechtsschulen. Du wirst also erfahren wie die Aussagen auszulegen sind. Weiterhin wirst du die Suren auswendig lernen. Wenn du erst einmal einige Monat hier verbracht hast, wirst du bereits einige Suren auswendig gelernt haben. Mit der Zeit wird es immer einfacher und du wirst die Suren schneller erlernen können.”
“Du bist schwanger” fragte mich nun Samira.
“Ja. Ich bin im 3. Monat”.
“Ich freue mich für dich. Wir sind beide noch unverheiratet. Ich heirate in 3 Monaten und Samira in einem halben Jahr. Ich hoffe, das ich auch schnell schwanger werde. Ich wünsche mir Kinder.”
“Geht mir genauso.”
“Ich freue mich auch auf das Kind, aber ich hätte gern auch noch etwas gewartet.”
“Aber es ist doch die Aufgabe der Frau dem Mann zu dienen und ihm Kinder zu gebären und für die Familie zu sorgen.”
“Ja du hast recht.” antwortete ich kurz um eine weitere Diskussion zu unterbinden, da ich das Gefühl hatte, das diese beiden besonders fromme Muslima waren. Ich bin mir sicher, das Alima mit Zustimmung des Leiters und meines Mannes die beiden extra für mich ausgesucht hatten um mich entsprechend zu indoktrinieren. Das wird in Zukunft nicht einfach werden mich diesen beiden und vor allem Ihren Ansichten zu entziehen.

Nachdem wir zusammen den Vormittag im Koran gelesen hatten war es Zeit für das Gebet. Während der ganzen Zeit hatten beide immer wieder versucht mich von den Vorzügen des von Ihnen gewählten Lebensstils zu überzeugen. Es bereitete mir jedesmal Mühe das Thema zu verlassen. Nach dem Gebet und dem Mittagessen, ging es mit dem Koranstudium weiter. Am Nachmittag übernahm allerdings Alima für die beiden Nervensegen. Es war äußerst angenehm mit Alima zu lernen, da sie sich auschließlich auf den Koran und deren Auslegung konzentrierte. Sie holte auch sehr viel weiter aus und erklärte mir sehr viel. Es machte sehr viel mehr Spass, da Alima mir intelektuell ebenbürtig war.

Am späten Nachmittag wurde ich von Sultan wieder abgeholt.
“Wie hat dir dein erster “Schultag” gefallen?”
“Abgesehen von meinen beiden Tutorinnen Noor und Samira hat es mir gut gefallen. Ich habe das Gefühl die beiden sollen mir einreden wie schön doch das Leben in Purdah ist. Hast du das veranlasst?”
“Nein, die Entscheidung kann nur der Leiter treffen. Ich werde mit ihm sprechen.”
“Danke”
“Übrigens habe ich eine gute Nachricht für dich. Ich habe heute mit unserem Firmenanwalt gesprochen und ihn gefragt ob es möglich ist jemanden aus dem Ausland einzuladen. Er hat eine Lösung gefunden. Wenn du also deine Freundin einladen möchtest und sie kommen will, können wir das alles veranlassen. Das Visum ist bis zu 4 Wochen gültig.”
“Danke du bist ein Schatz. Ich werde sie fragen ob sie kommen möchte. Und du hast nichts dagegen?”
“Nein ich möchte das du glücklich wirst weil ich dich liebe”
“Ich danke dir ich liebe dich auch”
Schweigend setzten wir die Fahrt fort. Diesmal blieb die Achterbahnfahrt aus. Als wir zuhaus ankamen, konnte ich es nicht erwarten mit Katie zu chatten. Ich hoffe sie möchte auch tatsächlich kommen.

Katie

“Hallo Katie”
“Hallo Soraya, wie geht es dir”
“Es geht mir gut. Ich war heute wieder in der Koranschule und hatte 2 neue Tutorinnen. Die 2 sind voll indoktriniert. Die haben den ganzen vormittag versucht mich davon zu überzeugen, das ein Leben in vollständiger Verschleierung neben dem Kinderkriegen die einzige Erfüllung im Leben ist. Glücklicherweise will Sultan mit dem Leiter sprechen und versuchen, das ich andere Tutorinnen bekommen. Und wie geht es dir”
“Mir geht es ganz gut. Mein Studium läuft zwar nicht so wie ich mir das vorgestellt habe, aber sonst ist alles in Ordnung”
“Was ist mit deinem Studium?”
“Einer der Dozenten wollte mir während des Semesters an die Wäsche, was mir verbeten habe. Im Gegenzug habe ich nun eine schlechte Note in meiner Hausarbeit bekommen. Ich war heute schon bei Ihm und er wollte mir wieder an die Wäsche, er würde anschließend die Arbeit nochmal neu bewerten. Ich habe ihn wieder abblitzen lassen. Morgen gehen ich zur Polizie und zeige Ihn an.”
“Richtig so. Die Kerle müssen wissen wo die Grenze ist. Ich habe mit Sultan gesprochen und der hat seinen Anwalt auf die Einreisebestimmungen angesetzt und der hat tatsächlich auch eine Lösung gefunden, wie du zu einem Visum kommen kannst um mich zu besuchen. Sultan würde auch sämtliche Kosten für deine Reise übernehmen.”
“Ist das dein Ernst”
“Ja. Es gibt ein spezielles Visum. Das hat eine Gültigkeit von 4 Wochen. Ich würde mich unendlich freuen, wenn du mich besuchen kommst.”
“Ich würde mich auch freuen. Mal was anderes sehen und weit weg von diesem Miststück von Professor. Halt mich bitte auf dem laufenden. Ich würde mich freuen, wenn ich kurzfristig kommen könnte.”
“Das ist doch nicht nur wegen dem Professor. Da steckt doch noch mehr dahinter.”
“Du hast recht. Im moment läuft so ziemlich alles schief. Mein Freund, besser gesagt Exfreund hat mit einer anderen geschlafen. Meine Eltern lassen sich scheiden und dann kam als Sahnehäubchen noch die Sache mit dem Prof. Mir reicht es im Moment. Daher wäre eine Abwechslung schön.”
“Das tut mir echt leid für dich. Und dann belästige ich dich mit meinen Sachen auch noch. Ich werde Sultan später ansprechen und alles in die Wege leiten”
“Das ist doch in Ordnung. Wofür sind den Freundinnen da.”

Nachdem wir noch über belanglose Sachen gechattet haben, musste ich mich ausklinken, das das Abendgebet anstand.
Sultan kam wie üblich. Ich habe ihm von meinem Chat mit Katie erzählt und er hat versprochen sich um alles weitere zu kümmern.

Melanie

Langsam wurde ich nervös. Wie würden die Freundinnen von Soraya reagieren. Anna und Mama konnte ich überzeugen. Aber beiden sind Familie und sicher leichter zu überzeugen als Freundinnen. Insbesondere weil Soraya nun in Saudi-Arabien lebt. Es klingelt. Bevor ich reagieren konnte hatte Anna schon die Tür geöffnet. Ich trat aus dem Wohnzimmer in den Flur und Anna stellte mich vor.
“Dies ist die echte Melanie und dies sind Sarah, Lena, Nelly und Annabelle. Und als Anhang Tom.”
“Hallo ich freue mich euch kennenzulernen.”
“Hallo” kam es unisono zurück.
Bevor ich überhaupt reagieren konnte fiel mir Sarah schon um den Hals.
“Schön dich kennen zu lernen.”
“Kommt doch bitte rein.” rief meine Mutter aus dem Wohnzimmer.
Wir gingen also alle in das Wohnzimmer und nach der Begrüßung durch meine Mutter setzten sich alle an den Tisch. Nachdem Anna allen Kuchen aufgetan hatte, fing meine Mutter an zu erzählen.
“Wir haben euch alle eingeladen um euch auf den neuesten Stand zu bringen. Wie ihr sicherlich wisst, hat Melanie oder Soraya wie sie jetzt heißt nach ihren leiblichen Eltern gesucht. Nach langer Suche wurde sie fündig. Zunächst kam ihr Vater um über eine DNA Probe sicherzustellen, das er auch der Vater ist. Wie sich herausstellte war Mahmood der Vater von Soraya. Einige Zeit später kamen Ihre Eltern zu Besuch und blieben 3 Wochen. Während dieser Zeit wohnte Soraya bei Ihren Eltern im Hotel und zwar genauso verschleiert wie Ihre Mutter. Nachdem dieses Experiment beendet war, war für Soraya eigentlich klar in Deutschland zu leben und nicht nach zu Ihren Eltern nach Saudi-Arabien zu ziehen”
“Aber wieso ist sie dann trotzdem verschwunden?”
“Sorayas Vater hatte sie einem Geschäftsfreund der ihm geholfen hatte wieder auf die Beine zu kommen Soraya als Frau versprochen. Die Sitten sind in Saudi-Arabien andere als in Europa. Diese Hochzeit hat auch stattgefunden. Melanie war die Frau von Sultan, dem Geschäftsfreund von Sorayas Vater. Nachdem dieser erfahren hatte, das Melanie gar nicht die Tochter seines Geschäftsfreundes ist, hat er sofort die Scheidung verlangt und ein Richter hat diese auch umgehend ausgesprochen. Kurze Zeit später kamen Melanie mit der Schwester von Soraya und ihren Eltern wieder nach Deutschland. Wir haben sie im Hotel besucht. Soraya ist bei Ihren Eltern geblieben und Melanie ist mit zu mir gekommen. Plötzlich stand der frühere Ehemann von Melanie vor dem Hotelzimmer und verlangte die Heirat mit Soraya, da die ursprüngliche Hochzeit nicht mit der richtigen Soraya stattgefunden hat und das Versprechen somit nicht erfüllt wurde. Er hat damit gedroht, die Kredite zurückzufordern wenn Soraya ihn nicht heiratet. Das hätte den Ruin der Familie bedeutet. Nach einiger Überlegung hat Soraya zugestimmt Sultan zu heiraten, damit die Familie nicht in der Gosse landet.”
” Das ist Melanie wie wir sie kennen. Immer für andere da.” meinte Nelly.
“Du hast recht. Da Soraya mit nach Saudi-Arabien gegangen ist, ist Melanie hier geblieben. Melanie ist meine leibliche Tochter und ich bin froh sie hier zu haben. Ich hoffe, das ihr Melanie helft sich hier zurecht zu finden.”
“Ja natürlich. ”
Das lief besser als ich gedacht hatte.
“Erzähl doch mal wie es dir ergangen ist.”
“ja gern” Ich erzählte die gleiche geschichte wie ich sie Anna erzählt habe. Alle sahen mich mit großen Augen an. Nelly stand auf und nahm mich in die Arme.
“wir helfen dir wo wir können. Ich bin mir sicher, das du dich hier bald wohlfühlen wirst.”
” Ich danke dir und Euch. ”
Nachdem mich auch Sarah, Lena und Annabelle umarmt hatten und mir versichert hatten alles zu tun, um mir zu helfen mich hier heimisch zu finden, kam auch Tom auf mich zu und umarmte mich.
“Melanie sorry Soraya und ich waren zusammen. Leider hatte sie nach dem Ihre Eltern hier waren unsere Beziehung beendet. Ich hoffe wir lernen uns näher kennen. Du bist eine tolle Frau und ich möchte dir sehr gern mit allem helfen.”
“Ich danke dir. Du bist auch süss.”

Nachdem wir noch einige Zeit miteinander gequatscht hatten und ich alle Fragen beantwortet hatte, war ich mir sicher das ich neue Freundinnen gefunden hatte. Nach einiger Zeit haben sich alle verabschiedet. Ich war mit dem Verlauf sehr zufrieden. Ich denke ich bin angekommen. Ein zurück wird es für mich nicht mehr geben.

Soraya

Auch heute fuhr mich Sultan wieder zur Koranschule. Leider hatte der Leiter abgelehnt mir andere Tutoren zuzuteilen. Also hatte ich weiterhin mir Noor und Samira zu tun. Beide waren von der Lebensweise in strikt Purdah vollkommen überzeugt und versuchten natürlich mich auch davon zu überzeugen. Es war nicht einfach auf diese Versuche nicht einzugehen. Ich befürchte, das ich mich tatsächlich damit anfreunden könnte, wenn das für die nächsten Monate so weiterging. Ich freute mich immer auf den Nachmittag, wenn ich mit Alima zusammen saß und Sie mir das erläuterte was ich nicht verstanden hatte. Im lauf der Zeit wurde mein Verständnis für den Koran immer besser.

Es dauerte nicht mehr all zu lange bis Katie kam und ich wieder einen normalen Menschen zum reden habe. Sultan hat sein Wort gehalten und alles in die Wege geleitet, damit Katie nach Saudie-Arabien kommen kann. Ich bin ihm wirklich dankbar. Je länger ich mit ihm verheiratet bin desto mehr liebe ich ihn. Ich gewöhnte mich langsam an mein Leben. Ändern konnte ich sowieso nicht. Möglicherweise wirkten sich auch die ständigen Anspielungen und Überzeugungsversuche von Noor und Samira aus. Glücklicherweise kommt Katie bald vorbei.

Katie

Endlich ging es los. Sultan hatte alles erledigt und ich hatte ein Visum für 4 Wochen. Ich freute mich darauf Soraya endlich persönlich kennen zu lernen. Ich war ungemein gespannt darauf was mich in Saudi-Arabien erwarten würde. Nach dem was ich in den letzten Wochen und Monaten über Saudi-Arabien gelesen und gehört habe, hatte ich zwar einige Bedenken, aber Soraya hat mich davon überzeugt, das Sultan dafür sorgt, das alles in Ordnung ist.
Nachdem ich nochmals alles gecheckt hatte, machte ich mich auf den Weg zum Flughafen. Wenige Zeit später war der Flieger in der Luft.
Da es einige Zeit dauerte bis zur Landung in Saudi-Arabien schloß ich die Augen und versuchte mich zu entspannen.

Soraya

Nach der Koranschule holte Sultan mich wie immer ab. Doch heute fuhr er, soweit ich das erkennen konnte, eine andere Strecke. Jedenfalls kam mir die Strecke unbekannt vor. Erst kurz vor dem Ziel erkannte ich wohin wir fuhren. Mir war sofort klar warum wir zum Flughafen gefahren waren. Um Katie abzuholen. Mein Herz fing an wild an zu schlagen. Ich hatte Katie bisher nur auf Fotos gesehen und nun sollte es soweit sein sie in Natura kennen zu lernen. Die Aufregung stieg sekündlich. Endlich erreichten wir einen Parkplatz und Sultan öffnete mir die Tür. Wir gingen in die Ankunfshalle, in der es deutlich angenehmer war als draussen in der prallen Sonne. Trotzdem war mir unglaublich warm. Vermutlich weil ich die Ankunft von Katie nicht mehr erwarten konnte.

Teil 4


4 thoughts on “Die Überraschung – Teil 3

    1. I am glad that you like it and I know the author likes your work too. I do not know how it will end as that is all that he has written so far, but I am very excited to read what will happen to Katie.

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