Ein Garn icht so Fremde

Ein Garn icht so Fremde

by Vulcan

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Aktuell:

Einleitung:

Die modernen Kriege haben das Leben der Menschen vollkommen verändert. Große Schlachten sind durch die Robotisierung sinnlos geworden. Es ergab keinen Sinn und keinen Gewinn für kriegsführende Völker, wenn Maschinen sich bekämpften. So gab es eine kurze Zeit des Friedens in dem zivilisierten Teil der Welt. Die Politik verwaltete sich und das Volk mehr oder weniger gut und musste vielleicht zum ersten mal in der Geschichte der Bevölkerung dienen und nicht den Interessen einiger weniger einflussreicher Schichten.

Doch wo kein Feind ist, wird einer gemacht:

WAG THE DOG – WENN DER SCHWANZ MIT DEM HUND WEDELT

ein Film, der sehr genau schildert, wie man ein Volk in einen ungewollten Krieg schickt.

Gezielt wurden Minderheiten so diskriminiert und manipuliert, das sie auf sich los gingen. Die betroffenen Bevölkerungszweige verarmten häufig, da, wenn sie eine Auseinandersetzung verloren, sie auch ihres Besitzes verlustig wurden. So wurde in den Straßen der Städte bald permanent gekämpft und nur wohlhabende Familien konnten sich vor der Gefahr abschirmen. Die, die es schafften, bei ihnen in Dienst genommen zu werden, genossen ihren Schutz. So entstand wieder eine Klicke, die herrschte, gestützt von einer willfährigen Bevölkerungsgruppe, die alles tat, um nicht dem Wahnsinn der Straßen anheim zu fallen. Politiker und Journalisten waren die Personen der Stunde, täglich produzierten sie sich in den Medien und diskutierten über aufgeblasene Banalitäten und schürten eingebildete Ängste in der Bevölkerung, um sie gefügig und gehorsam zu halten. Datenschutz gab es nicht mehr, die Mehrheit fühlte sich in dem Überwachungskokon sicher und beschützt. Niemand zweifelte zumindest öffentlich an die Richtigkeit des Gesagten.

Die moderne Frau: Ein Smartphone war heute ein unverzichtbares Requisit, es öffnete Türen im herkömmlichen, wie auch im übertragenen Sinne. Eigentlich war ein Leben ohne unmöglich. Smartphone – Spiele waren das Wichtigste für eine Frau überhaupt. Durch Beantwortung der dort gestellten Fragen wurde ihr Profil erzeugt und damit ihr gesellschaftlicher Status festgelegt. Das Ansehen einer Frau gewann in den letzten Jahren eine immer größere Bedeutung. Die Frau musste Fragen der Gesundheit, Pflege, Kinderkrankheiten, Hausarbeiten, eigentlich alles, was mit häuslichen Pflichten verbunden ist beantworten, wenn sie korrekt antwortete wurde die Fragen schwieriger bis sie im Idealfall den höchsten Level erreichte. Die Frauen waren damit voll beschäftigt. Ihr Leben wurde bis ins Kleinste beeinflusst, so dass frühere Ideen wie Emanzipation,selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, freie Meinung und Kritikfähigkeit vollkommen unterdrückt wurde.

 

Die Verblödung der Susie Janssen

Susie spielte tief versunken mit ihrem Smartphone, wie alle anderen anwesenden Frauen. Auf dem Breitwand-TV liefen die Nachrichten. Wie immer waren es Kriegsberichte. Sie zeigten fast immer Straßenkämpfe unserer tapferen Soldaten im Kampf gegen die feigen Umstürzler. „Bitte, kann man das nicht ausmachen?“ bat Susie ihre Mutter. „Und müssen wir noch lange warten?“ „Liebes, es ist doch wohl nicht zu viel verlangt etwas zu warten. Du weißt doch, dass unsere Männer jeden Tag an der Front für unser Leben kämpfen und nur noch wenige Männer für zivile Zwecke zur Verfügung stehen.“ Aber sie stand auf und stellte den Monitor ab. Dann konzentrierte sie sich wieder auf ihr Wissensspiel auf dem Smartphone.

Susie war stinkfaul, ein Umstand, dem es ihrer Intelligenz schuldete. Sie langweilte sich maßlos. Dinge, die Frauen interessieren sollten, waren für sie der reinste Horror. Um auch nur annähernd dem Ideal nahe zu kommen, bedeutete für sie zu putzen,waschen, bügeln, einkaufen, kochen, etc. und den Rest der Zeit schwachsinnige Fragen auf ihrem Smartphone zu beantworten, so wie es ihre Mutter täglich tat. Denn dafür war fast immer Zeit, weil man viel Zeit in Behörden verbrachte, um irgendwelchem bürokratischen Blödsinn nach zu kommen. Schließlich wurden ihre Mutter und sie aufgerufen.

Sie richteten ihre Hauben und Schürzen ordentlich her und betraten das Büro. Links vom Büroschalter stand eine niedrige Bank auf der sich die Frauen hin knieten. Sie wurden über ihre Smartphones schon beim Eintreten identifiziert. Der Beamte kam direkt zur Sache: „Um eine ordnungsgemäße Integration zu gewährleisten werden alle Frauen mit IdentChips ausgestattet, begeben sie sich zum Sammelpunkt 12 auf dem Hof, um zur zentralen Registrierungsstelle gebracht zu werden.“ Sie verließen still und stumm das Büro, wie sie es betreten hatten, und ließen sich vom Smartphone zum Sammelpunkt navigieren.

In der Registrierungsstelle angekommen, mussten sie sich unter eine Metallhaube setzen. Ihre Köpfe wurden fixiert, dann spürten sie Wärme im Nackenbereich und das war es auch schon. Ungefragt hatte man sie gechipt. Sie waren nun mit dem Zentralrechner verbunden und die Bedeutung dessen, sollten sie schon bald erfahren.

„Susie, Liebes steh auf!“ verschlafen öffnete Susie ihre Augen, in der Annahme ihre Mutter zu sehen, doch niemand war in ihrem Zimmer. „Habe keine Angst, Kleines. Ich bin deine neue ‘Freundin’. Ich werde immer bei dir sein und darauf achten, dass es dir gut geht und ich will dir helfen, wenn du Fehler machst.“ „Verdammt! Wo steckst du?“ „In deinem Kopf, Dummchen! Ein gutes Mädchen sagt keine schlimmen Worte. Ich möchte das böse Wort nie wieder hören!“ „Verdammt! Ich…“ dann blieb ihr die Stimme weg. Kein Ton kam mehr über ihre Lippen.

„Sei ein liebes Mädchen, dann erlaube ich dir bald wieder zu sprechen!“ „Geh aus meinen Kopf raus, Miststück!“dachte sie zornig. „Auch deine Gedanken solltest du im Zaum halten!“ und ein stechender Schmerz schoss durch ihren Kopf. Mechanisch stand sie auf. Es war doch noch viel zu früh! Sie ging ins Bad und wusch sich gründlich und putzte sich sehr sorgfältig ihre Zähne. Es fühlte sich an, als würde sie sich selber dabei zu schauen. Dann kleidete sie sich sorgfältig und kniete sich hin zum Gebet. Und ein Gebet, das sie noch nie gehört hatte strömte wie von selbst von ihren Lippen: „Gott, segne dieses unwürdige Mädchen, las sie die Freuden spüren, deine gehorsame Magd zu sein. Lehre es ein gutes Eheweib und eine vorbildliche, gute Mutter zu werden. Amen.

„So einen Scheiß will ich aber nicht!“ dachte sie und diesmal war der Schmerz so schlimm, dass sie in Ohnmacht fiel. Als sie erwachte, sah sie wie sie die Küche aufräumte. Am Tisch saß ihre Mutter und beobachtete sie schweigend. Susie arbeitete still weiter, ob sie wollte oder nicht. Schließlich sagte ihre Mutter: „Unsere neue ‘Freundin’ ist sehr enttäuscht von dir. Wenn du dich nicht besserst, will sie dich raus schmeißen. Was das bedeutet, soll ich dir erklären. Unsere ‘Freundin’ legt keinen Wert auf deine Gegenwart. Ja ich weiß, das du nicht sprechen kannst. Aber hören kannst du ja! Wenn du raus geschmissen wirst, bedeutet das, du kannst nichts hören, sehen, riechen oder schmecken. Du wirst aller Sinne beraubt. Sie werfen dich in ein schwarzes Loch, ohne Leben. Du bist lebendig begraben. Noch hast du die Wahl. Du bekommst jetzt einen kleinen Vorgeschmack.“

Mit einem Schlag verschwand meine Welt. Ich war in einem tiefen nichts. Jegliche Wahrnehmung war mir genommen. Es gab kein Wo, Wann, Wie. Es war wirklich ein Grab. Wimmernd verkroch ich mich in ‚was?‘. Dann war ich plötzlich wieder in der Küche, als wäre nichts geschehen.

„Ich unterwerfe mich, ich werde alles für meine neue ‘Freundin’ tun, ich will ihr aufs Wort gehorchen.“ dachte ich in Ermangelung einer Sprache.

„Dir soll noch mal verziehen werden. Nun mach deine Arbeiten ordentlich und gewissenhaft.“sagte ‘Freundin’.

Schnell sollte ich begreifen, was ‘Freundin’ unter Hilfe versteht. Denn egal was ich machte, ich machte es solange, bis ‘Freundin’ zufrieden war. So blieb ich den ganzen Tag in der Küche. Ich musste kochen für die Familie und danach alles reinigen, bis die Küche wieder glänzte. Ich selbst musste mich mit den Resten zufrieden geben, die man mir überließ. Zum späten Abend nachdem alles getan war, durfte ich mich zum ersten mal setzen. Erschöpft schlief ich am Tisch ein.

„Guten Morgen, liebe Freundin! Es wird Zeit aufzustehen! Mach dich schnell frisch und dann bereite das Frühstück für die Familie. Hopp, hopp beeile dich!“ Ich ging ins Bad und wusch mich und putzte meine Zähne, genau so wie ‘Freundin’ es befahl. Wieder in der Küche begann ich das Frühstück zuzubereiten und während die Familie aß, putzte ich das Gemüse für das Mittagessen. „ Du musst dich mehr beeilen, denn die Hemden deines Vaters müssen gebügelt werden.“ Nach dem ich die Familie versorgt hatte und die Küche wieder glänzte, ging ich zum bügeln in den Wäschekeller. Noch nie wurden Hemden so sorgfältig gebügelt. ‘Freundin’ ließ nicht locker, bis alles perfekt war. Jetzt schnell in die Küche, gut das das Gemüse schon geputzt war. Als die Familie zum Mittagessen eintraf, war ich gerade fertig mit der Zubereitung. „Trödle nicht! Die Betten müssen heute frisch bezogen werden!“ So rannte ich, nachdem die Küche wieder glänzte, in die Schlafzimmer zum Betten beziehen. Die schmutzige Wäsche steckte ich gleich in die Waschmaschine. Dann ging ich in die Küche, um das Abendbrot herzurichten. Als ich alles erledigt hatte, ging ich zum Wäsche waschen in den Keller. Erst spät in der Nacht kam ich in mein Bett.

Immer die Bedrohung des schwarzen Lochs vor Augen, trieb mich ‘Freundin’ zu immer mehr Arbeitsleistung an. Nach einem Monat führte ich den kompletten Haushalt.

Mittlerweile ist ein Jahr vergangen. Alle meine Aufgaben erfüllte ich sauber und präzise.

Das Haus war meine Welt, ich vergaß, dass es auch ein Draußen gibt. Im Sommer durfte ich die Familie auf der Terrasse bedienen, das war meine ganze Außenwelt und ich gewöhnte mich an den Verlust meiner Stimme. Ich war jetzt stolz auf meine Arbeit und ‘Freundin’ ließ mich ihre Zufriedenheit mit mir spüren, ganz tief in mir fühlte ich ihre Liebe und so erfüllte ich meine Pflichten mit größerer Freude.

Heute ist ein großer Tag für mich. ‘Freundin’ hatte mich an den großen Wettbewerb der Nachwuchs Hausfrauen angemeldet. Nur wer eine hohe Jahres Leistungsbilanz vorweisen kann, darf daran teilnehmen. Wir waren 50 junge Hausfrauen in der Endausscheidung. Das Schöne ist, dass niemand sein Heim verlassen muss. Seit ich ‘Freundin’ habe, werde ich öffentlich beobachtet. Sie sagen das Heim ist für die Frau der Platz, wo sie ihre Schlachten schlägt.

Die Auswertung hat für mich den dritten Platz ergeben. Ich bin ja so glücklich. Ich habe meine Urkunde stolz in der Küche aufgehängt. Freundin ist auch sehr stolz auf mich und sagt sie will mich auf dem Heiratsmarkt anmelden, denn jeder Mann schätzt tüchtige Hausfrauen. Welcher Mann wird mich zum Weib nehmen? Ein starker junger Krieger oder ein etwas älterer und reiferer Mann, oder…?

Freundin sagt, sie hat den passenden Mann für mich gefunden. Er heißt Abdullah Raman und lebt in der AAA (Afrikanisch Arabischen Allianz). Er würde mich schon längere Zeit beobachten und sei sehr von mir angetan. „Freundin, wie soll ich einem arabischen Mann gut dienen. Ist das nicht eine vollkommen andere Kultur?“ frug ich in Gedanken. ‘Freundin’ antwortete mir und ich faste Zuversicht: „Ich werde dir immer beistehen. Gehorche und alles wird gut.“

‘Freundin’ lehrte mich Arabisch, wie ich mich kleiden musste, den Islam und den Koran zu lesen.

Ich betete fünf mal am Tag und sprach in Gedanken die Shahada. Jetzt bin ich Muslimin und kann Abdullahs Weib werden.

 


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