Verschleiert und gefangen gesetzt

Verschleiert und gefangen gesetzt (Louise und Mariam)

by Deeba Bint Thomas

Ich war für knapp eine Woche in Paris, um meine Schwester zu besuchen, die einen Muslim geheiratet hatte. Wir trafen uns nicht am Flughafen, sondern sie bestand darauf, dass ich sie von dort aus anrufe, um von ihr Anweisungen zu bekommen, wie ich von dort aus zu ihr komme. Nachdem ich lange auf ein Taxi gewartet hatte, nannte ich dem Taxifahrer die Adresse und obwohl er einverstanden war, mich dorthin zu fahren, tat er das mit wenig Begeisterung. Er wusste nicht, dass ich seine Sprache fließend beherrschte. Ich hörte, was er über schmutzige Muslime sagte.

Nach einer Stunde und einer langen, endlos scheinenden Fahrt auf der Ringstraße der Stadt kamen wir in einem verwahrlosten Stadtteil an. Für die Fahrt hat er mir ein Vermögen berechnet. Ich ging an verbrannten Autos und zerbrochenen Fensterscheiben vorbei, in der Hoffnung, ich hätte mich verirrt, schließlich fand ich das Gebäude mit der Hausnummer meiner Schwester und drückte die Sprechanlage an der Tür, die zu meinem Erstaunen sogar funktionierte. Als ich ihre Stimme hörte, blieb mir fast das Herz stehen, ich hörte Mariam vor Freude lachen, als sie den Türöffner drückte, öffnete sich die Tür und sie sagte mir, ich solle in die erst Etage gehen und an der Tür Nummer 10 anklopfen.

Natürlich funktionierte der Lift nicht, also stieg ich ängstlich die Treppe hoch, jeden Schatten nutzend. Ein paar Minuten später kam ich an der richtigen Tür an, klopfte an und sah ein Auge im Spionloch und eine Sekunde später stand meine Schwester mit dem verschleiertem Gesicht vor mir, als sie mich hineinführte und  die Tür schloss, zog sie ihren Schleier aus und lächelte mich an. „Komm schon rein. Ich habe Kuchen und Kaffee zubereitet, dann  können uns unterhalten.“,sagte sie. Es gab so viel zu erzählen, also setzten wir uns.Mary, die sich jetzt Mariam nannte, war immer die unabhängigste und freiste Frau von uns allen gewesen und es war seltsam, sie jetzt so zu sehen.

Es gab einen köstlichen türkischen Kaffee und sie begann mir ihre Geschichte zu erzählen: „Du weißt, dass ich in diesem Krankenhaus im Nahen Osten als Oberschwester gearbeitet hatte. Aber ich war nur ein Jahr dort.“ „Nur um eine Kaution für dieses Haus zu bekommen.“,dachte ich mir. „Nun, du kennst mich ein richtiger, guter Blick und ich verliebe mich. So geschah es wieder mit mir. Ahmed sieht wirklich besonders gut aus und er ist so nett. Ich schmolz nur so dahin, ja, ich, die eiserne Matrone, wie mein Stab mich nannte. Weil es nicht gerne gesehen wird, dass wir uns mit Einheimischen treffen, entschieden wir uns bald zu heiraten. Ich wurde seiner Familie vorgestellt und ich musste den Islam annehmen. Das war der einfache Teil. Aber um den Schleier und die Abaya zu tragen brauchte ich Monate, und weißt du, es war auch für Mum und Dad anstrengend es zu akzeptieren. Ahmed dachte, es wäre besser, wenn wir um meinetwillen nach Europa kämen, damit er einen Job als Arzt in einem Krankenhaus bekäme. Alles war gut für eine Weile, bis er des Fehlverhaltens beschuldigt wurde, der Fall wurde widerlegt, aber er wurde vom Krankenhaus nicht wieder eingestellt und so sind wir hier gelandet. Ich bekomme keine Arbeit als Krankenschwester, weil ich meinen Niqab nicht entfernen will. Ich bin schwanger, wenn ich zur Entbindung  in eine Klinik muss, werde ich Schwierigkeiten kriegen, weil ich Niqab trage, es ist schwierig, du weißt, wegen des Verbots natürlich.“

Wir haben darüber gesprochen, wie sich das neue Gesetz auf sie auswirkt: Sie geht jetzt nicht nach draußen, weil sie Gefahr läuft, nicht nur von der Polizei, sondern auch von gewöhnlichen Menschen belästigt zu werden, die sie anschreien und sie eine muslimische Hure nennen. Ahmed besorgte alles, was sie brauchten. Ich habe versucht, aus Sorge um ihre Gesundheit, sie davon zu überzeugen, zumindest wenn Sie in die Klinik geht, den Niqab abzulegen. Sie ließ sich nicht überreden und wir einigten uns dahin gehend, diesen Punkt für eine Weile nicht zu besprechen.

Zu diesem Zeitpunkt kam Ahmed wieder und begrüßte mich herzlich und er war sehr gastfreundlich, er war genauso nett wie Mary, entschuldigt, Mariam gesagt hat.Nach einer Weile entschuldigte Mariam sich und zog sich ins Bett zurück, ließ mich und Ahmed alleine und sobald er sicher war, dass Mariam eingeschlafen war, sprachen wir über seine Ängste wegen ihrer Schwangerschaft, und er flehte mich an, sie ohne den Niqab in die Kinderarztklinik zu bringen.Er sagte: „Ich liebe meine Frau mehr als alles andere und Allah wird nichts dagegen haben, wenn sie ihren Schleier nur für eine kurze Zeit ablegt. Ich versprach, es noch einmal zu versuchen und er lächelte dankbar.

Am nächsten Morgen weckte mich Mariam nach dem ihrem Gebet, sanft mit einer Tasse Kaffee und Brioche und setzte sich neben mich aufs Bett und sagte. „Ich wette Ahmed hat dich gebeten, mich zu überreden, ohne meinen Niqab in die Klinik zu gehen.“ Ich antwortete: „Ja, ich würde es versuchen. Wir sind beide sehr besorgt um dich.

Sie nickte: „Wenn du willst, werde ich dir meine Bücher über das Thema Verschleierung zeigen und wie notwendig es ist. Nachdem sie mir stundenlang alles über die Notwendigkeit der Verschleierung im Islam gezeigt hatte, warf ich ein: „Aber selbst Allah kann nicht wollen, dass du für ein Stück Stoff leidest.“ Sie lächelte dünn: „Nein, aber ich würde mich fühlen, als hätte ich Allah verraten, indem ich es für meine Bequemlichkeit aufgebe. Ich musste weinen, aber was wäre mit deiner Gesundheit und der deines Kindes? Wir fielen uns gegenseitig in die Arme und weinten. Nach einer Weile saßen wir tief in Gedanken versunken und dann machte ich das Angebot. Das Angebot, das ich machte, war, wenn sie auf den Niqab verzichtet, dann würde ich mich für sie verschleiern und sie zur Kinik begleiten. Sie lächelte und weinte zur gleichen Zeit und stimmte zu. Und ich sagte, dass kein Gesichtsschleier meine Einstellung ändern würde. Sie stimmte dem auch zu.

Am nächsten Morgen nach dem Gebet und dem Frühstück machten wir uns fertig, leider fand Mariam nur eine Abaya mit eingenähtem Niqab, und weil sie ja ihr Gesicht freilegen sollte, stimmte ich widerwillig zu, es zu tragen. Gemeinsam machten wir uns auf den kurzen Weg zur Klinik, auf dem Weg, auf dem die Leute uns böse anstarrten, manche fluchten uns an und ich fühlte mich bedroht, haben die wirklich Angst vor einem Stück Stoff?

Nach zehn Minuten kamen wir an und meine Schwester ging zur Rezeption und die Begrüßung war etwas frostig. Nach dreißig Minuten des Wartens stürmte ich mit übler Laune zum Schreibtisch und wollte wissen, ob meine Schwester untersucht werden würde oder nicht.

Zu diesem Zeitpunkt war ich in einer so schlechten Stimmung, dass ich vergessen hatte, was ich an hatte. Die Rezeption schrie mich in der schlimmsten Sprache an, die ich je gehört hatte, und sie rief die Polizei an. Da verlor komplett meine Beherrschung, ich war immer ein Hitzkopf, ich verfiel ins Englische und sagte ihnen, ich könne nicht glauben, wie widerlich ihr Verhalten wäre. Ich wurde aus dem Gebäude geworfen und verhaftet, meine Schwester wurde nach Hause eskortiert.

Nach einer Stunde kam Ahmed zum örtlichen Polizeirevier, aber sie weigerten sich, mich zu entlassen. Ich wurde in eine dunkle Zelle gesteckt und gelegentlich schaute eine Beamtin hinein, irgendwann betrat sie die Zelle und fing an, mich zu berühren. Ich zuckte zusammen, entschied mich dann aber, mit zuspielen. Ich überredete sie, meine Hände zu befreien und das war ihr großer Fehler, als Ex-Kampfsportlerin hatte ich sie in Sekunden auf dem Boden und sie hatte ihre eigenen Handschellen hinter dem Rücken. Ich suchte ein Taschentuch in ihrer Tasche und knebelte sie schnell. Da ich den Niqab während der Gefangenschaft nicht abgelegt hatte, hatte ich einen Geistesblitz, sie hatte die gleiche Größe wie ich, also nahm ich ihre Uniform und zog sie an und ihr zog ihr dann meine Abaya an. Ein kurzes Tippen auf ihren Hinterkopf nahm ihr die Besinnung und ich legte sie so hin, dass es aussah, als würde sie schlafen.

Ich machte mich sehr vorsichtig auf den Weg und ging zurück zu Ahmed und Mariam, blieb nur so lange, um mich umzuziehen. Meine Sachen zu packen und zu gehen. Sie flehten mich an, zum Polizeirevier zurückzukehren, aber ich wollte nicht, ich umarmte beide und sagte, wenn sie mich erwischen würden, würde ich sagen, dass ihr nichts von meiner Flucht wusstet und ich hätte einen Ersatzschlüssel benutzt.
Ich ging in die Nacht und wer wusste, wohin, Ahmed gab mir etwas Geld und die Adresse eines Cousins von ihm in einem nahe gelegenen Hafen, der eine geheime Passage nach Marokko für mich arrangieren könne. Mit diesem halbherzigen Plan nahm mein Leben eine neue Wendung.

 


One thought on “Verschleiert und gefangen gesetzt

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s